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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Kano ist die bedeutendste Handelsstadt der mittlern Negerlande nördlich vom Gleicher. Erzeugnisse und Handel der Waaren gehen hier Hand in Hand, und fast jede Familie hat ihren Antheil daran. Von hier aus reisen Karawanen bis Mursuk, Rhat, Tripolis, Barhirmi, Timbuktu und bis ins tiefste und unbekannteste Innere. Alle bessere Kleidung, welche man in Timbuktu trägt, kommt aus Kano, wo sie gefertigt und von wo aus sie auf ungeheuern Umwegen der Sicherheit halber versendet wird. Namentlich fertigt man baumwollene Zeuche in der Stadt selbst und in den zunächst gelegenen kleinen Ortschaften der Provinz von der hier einheimischen Pflanze, welche mit selbst gezogenem Indigo gefärbt wird. Aus diesen Zeuchen wird die verschiedene Kleidung der Inner-Afrikaner hergerichtet, und der Werth der Gesammterzeugnisse mag nach Barth an 300 Millionen Zahlmuscheln (Kurdis) betragen. Allerdings sind dies bloß ungefähr 1200 Speciesthaler nach unserem Gelde, allein wir müssen hierbei nothwendigerweise an die Summe der afrikanischen Zahlmittel und nicht an die unserigen denken. Einzelne Hemden, welche als besondere Schmuckstücke gelten, kosten 18–20,000 Kurdis. Außer diesen Gegenständen nennt Barth unter den Erzeugnissen Kano’s noch folgende: sehr künstlich gearbeitete Sandalen, sehr schön gegerbte Häute, röthlich gefärbte Schaffelle, welche über Tripolis selbst bis zu uns gelangen, die Einrahmung kleiner Spiegel, die von Tripolis aus nach Kano kommen, Anfertigung kleiner Schachteln und Büchsen aus Leder, allerhand Eisen, als Speere, Lanzen, Dolche, Ackergeräthschaften, Steigbügel und Zaumketten, selbst goldene und silberne Gegenstände, obgleich die edlen Metalle nur von Grobschmieden verarbeitet werden u. s. w. Unter den natürlichen Erzeugnissen, mit denen sich der Großhandel befaßt, sind das Negerkorn und Guro oder Guronuß die wichtigsten. Außerdem werden Sklaven ausgeführt und eine Menge von Gegenständen wenigstens aus- und durch Kano geführt. Aus dem Lande Aïr kommen jährlich mindestens 3000 Kameelladungen Salz durch Kano, und von dem Mittelmeerland arabische Kleidungsstücke, Weihrauch, Gewürze, wohlriechende Oele, Kupfer, von welchem der Centner gegen einen Sklaven umgetauscht wird, von dem innern Lande Silber, Gold u. s. w., und aus Europa endlich Papier, Kattun, französische Seide, rothes Tuch aus Sachsen und aus Livorno, Glasperlen aus Böhmen und Venedig, Spiegel, Nadeln und Kurzwaaren von Nürnberg, Schwertklingen von Sohlingen, Rasirmesser aus Steiermark, Zucker aus Marseille.
Wie sehr dieser Handel dazu beiträgt, den allgemeinen Wohlstand zu heben, mag daraus hervorgehen, daß eine eingeborne Familie bei bescheidenen Ansprüchen mit 60,000 Kurdis oder 24 Speciesthalern das ganze Jahr lang bequem leben kann. Außer diesem Handel hat Kano noch Korn und Weide im Ueberfluß, und jeder seiner Bewohner Das, was er braucht, genügend: deshalb dürfen wir unbedingt Kano als eines der glücklichsten Länder der Erde ansehen.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 59. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/69&oldid=- (Version vom 16.1.2026)