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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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täglich besuchen und begegnen unter dem von steinernen Lotoskelchen getragenen Peristyl einem Manne, der mit verstörter Miene und händeringend erzählt: „Ich hatte einem Uhrmacher meine goldene Uhr zum Ausbessern gegeben und mir inzwischen eine galvanisirte von ihm geliehen. Fünf Tage später treffe ich einen Bekannten, mit dem ich einen lustigen Abend in einem Trinksalon zubrachte, in welchem sich auch „Damen“ befanden. Betrunken kam ich nach Hause und entdeckte am Morgen, daß die Uhr gestohlen war. Als ich den Uhrmacher fragte, wie viel die galvanisirte Uhr werth gewesen sei, behauptete er jetzt, dieselbe wäre nicht galvanisirt, sondern von Gold und koste 110 Dollars, er behalte einstweilen meine Uhr und ich sei ihm darauf noch 40 Dollars schuldig! Ich warf dem Uhrmacher einen Schurken an den Hals und begab mich zu einem Polizeimann. Gegen 15 Dollars versprach dieser, die Diebin noch an demselben Tage zu verhaften. Morgens darauf entschuldigte er sich, daß er noch zwei Polizeileute annehmen und jedem 5 Dollars geben müßte. Ich zahlte auch dieses Geld und hoffte nun endlich, meiner Uhr wieder habhaft zu werden. Wie sehr war ich im Irrthum! Der Polizeimann ließ Nichts von sich hören; man sagte mir, er sei nach Long Island gefahren, um zu fischen. Erbittert wandte ich mich nun an einen Advokaten, welchem ich 10 Dollars auf die Hand gab, um die Diebin verhaften zu lassen. Dies geschieht, aber der Advokat erklärt mir, er möge mit der Sache nichts weiter zu thun haben, denn wenn der Richter sie des Diebstahls nicht überführen könne, werde sie auf Schadenersatz klagen. Erst eine 20-Dollarnote bestimmte diesen edeln Sachwalter, die Angelegenheit weiter zu treiben. Die Diebin wird vor den Richter gebracht, aber der Advokat schweigt und sie wird entlassen. Ich war in Verzweiflung. Als ich aus dem Verhörzimmer kam, stellt sich mir ein Mann als Mitglied der Sicherheitsbehörde vor, sich erbietend, gegen 5 Dollars die Freigelassene wieder in Haft zu bringen, sie während der Nacht im Stationshause zu behalten und ihr das Geheimniß abzulocken. Ich war so thöricht, diesen Plan für praktisch zu halten, gab die 5 Dollars und freute mich im Voraus des Erfolges. Kaum hatte dieser mich verlassen, so klopfte ein anderer mir auf die Schulter: Er sei Berichterstatter für die Morgenblätter, möchte meine interessante Geschichte ausführlich mittheilen und bäte mich deshalb um meinen Namen. Das hätte noch gefehlt! Erführe das meine Familie, so wäre ich ein verlorener Mann. Aber den Berichterstatter wurde ich nicht los, bis ich mit meinen letzten 20 Dollars sein Schweigen erkaufte. Während ich nun eben den Polizeimann hier im Corridor erwarte, sagt mir jener Herr da, er sei ein Berichterstatter, jener, welchem ich 20 Dollars gegeben, ein Gauner, der zu der Bande der Skinners (Schinder) gehöre, die ihr Gewerbe nur in den Hallen der Tombs treiben und deren verschiedenartige Leistungen, vom Uhrmacher an, ich soeben für ein Lehrgeld von 100 Dollars kennen zu lernen Gelegenheit hatte.
Dies ist eines der kurzweiligen Geschichtchen, wie man sie täglich zu Dutzenden an dieser Stelle vor sich gehen sieht; anstatt beim Uhrmacher heben sie vielleicht beim „Dropper“ an, der einen harmlos Vorübergehenden
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/73&oldid=- (Version vom 16.1.2026)