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ein nur schlechte Banknoten enthaltendes Taschenbuch finden läßt und dann eine Belohnung ihm abpreßt, entweder dafür, daß er verschweigen will, der Finder habe das Taschenbuch einem Andern gestohlen oder halb Part fordernd, – ein anderes beginnt mit einem Mock-Auktions-Abenteuer, in einem der berüchtigten „Peter Funk“-Läden, wo unter den plausibelsten Vorspiegelungen falsche Steine und vergoldete Uhren für ächte an den Mann gebracht werden, – wieder ein anderes hat seine Entstehung der Bekanntschaft mit den „Burners“ zu verdanken, durch ihre Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit den Fremden angenehm sich machende Gesellschafter, bis eine unvorsichtig eingegangene Wette oder schlau angelegte Spekulation sie zu spät den Wolf im Schafspelz erkennen und gewöhnlich noch Spott und blaugeschlagene Augen obendrein ernten lassen.

Wir führten nur einige Spezies aus dem großen Gaunergeschlecht der Weltstadt am Hudson an, dergleichen man zu jeder Stunde im Vorhofe der Tombs begegnet. Theilweise ist ja die Schwelle des Gefängnisses sogar der Schauplatz ihrer frechen und großentheils straflosen Streiche. Doch unser Führer von der geheimen Polizei, ein „Detektive“, nöthigt uns zum Weitergehen. Er will uns in einer Halle des Erdgeschosses die „Gallerie notorischer Gauner“ zeigen, eine gewiß sehr ergiebige Anwendung der Photographie. Barmherziger Gott, welche Physiognomien! Es wird uns unheimlich, weil dritthalbhundert Verbrecheraugen zumal uns anstarren. Aber unter zehn jener Physiognomien sind kaum zwei, welche den Schurken auf den ersten. Blick verrathen. Die gefälligen, offenen Gesichter sind stärker vertreten als jene mit lauerndem Blicke und hinterlistigen Mienen. Wir finden gutmüthige Bursche, Muttersöhnchen, wohlwollend darein schauende Greise, die gewiß keinem Armen ein Almosen versagen, feine Herren, die sich, sollte man denken, für ihre Geliebte hätten photographiren lassen. Dazwischen sind auch die heitersten Gesichter, und der rechtschaffenste Mann kann nicht vergnügter aussehen, als viele dieser Leute. Einzelne lächeln, als ob sie sagen wollten: die Polizei mag mich immerhin abbilden; ich bleibe dabei, stehlen ist bequemer als arbeiten. Viele verrathen einen hohen Grad von Selbstgefälligkeit. Gram und Bestürzung finden wir nur selten ausgedrückt, aber häufig jenen fatalistischen Blick, der Alles über sich ergehen läßt. Die Aelteren sind fast immer elegant gekleidet, Knaben dagegen erscheinen zerlumpt; Schnurrbärte selten, Vollbärte noch seltener. Die Gesichter sind großentheils mager, viele haben regelmäßige, selbst einnehmende Züge. Die weiblichen Ladendiebe sind meist über 30 Jahre alt, unschön und von boshaftem Ausdruck. Dagegen sind boshafte Männerphysiognomien nur spärlich vertreten, resolute aber sehr häufig; sie gehören meist Einbrechern, die sanften Gesichter den Gasthausdieben an.

Auf einem Tische liegt das Adreßbuch der Conterfeiten, ihr Namen- und Sündenregister. In ihm werden Alle verzeichnet, die der Schande verfielen, ihre Lehrjahre in Zuchthäusern oder in Staatsgefängnissen überstanden haben, oder noch in denselben sich befinden. Von Vielen ist es ausgemacht, daß sie lediglich durch