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Cilli.




Wir haben eines der anmuthigsten Thäler der Untersteiermark, daß der Sau, vor uns. Der wilde, reißende Bergstrom, der aus der Felsenwiege der Sulzbacher Alpen hervorstürmt, fließt zu unsern Füßen an der Stadt unseres Bildes vorüber, hinter deren Häusergruppen die weite Ebene des Sauthals sich ausbreitet, im Hintergrunde in schöner Aufsteigung begrenzt von den Rebenhügeln, schluchtenreichen Vorbergen, kühn emporragenden Häuptern und Höhenrücken des Bachergebirgs.

Der Künstler hat uns zur Beschauung der Herrlichkeiten des reizenden Rundbildes ein Plätzchen an dem steilen Abhange des Nikolaibergs angewiesen, gleich oberhalb der Mauern des Kapuzinerklosters, dessen Dächer und Marterkreuz wir zunächst vor uns sehen. Es ist der günstigste Punkt, wenn es gilt, das Auge allein zu entzücken. Er beherrscht das viele Meilen umfassende Panorama von den schneebedeckten Hörnern und Kämmen der Sulzbacher Alpen, die wie Riesengrenzsäulen Kärnten, Krain und die Steiermark trennen, den ganzen Alpenzug des Bachergebirgs bis zu den Hügelreihen, welche aus dem Steierlande nach Ungarn und Kroatien hinüberziehen. Aus allen Seitenthälern und Schluchten springen frische Bäche, die Heimath köstlicher Forellen, zum Saustrom hernieder, stattliche Flecken und Dörfer; Schlösser und Landhäuser sind zwischen die segenreichen Fluren hineingestreut, und auf Hügeln und Bergen leuchten bald Kirchen und Kapellen, bald mahnen Burgentrümmer an die tröstliche Wahrheit, daß zwar Alles vergänglich ist, aber selbst das Vergehende noch zum Schmuck und – zur Mahnung dienen kann.

Der Rundblick von dieser Höhe aus ist entzückend, aber er entfernt uns vom Treiben der Menschen; er erhebt uns über die Wirrsale, in welchen die Gegenwart umherirrt, aber er läßt auch die Vergangenheit nicht so zu Wort kommen, wie sie dies gerade in Cilli vermag. Wir laden deshalb den Leser ein, uns zu einem andern Standpunkt zu folgen: hinunter zu der Brücke, auf welcher das große Crucifix steht; sie bietet uns die Aussicht auf ein Stückchen Weltgeschichte und das Weltgeschick.