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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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die Klarheit des Himmels, desto lieber sieht das Volk sich im Freien und in Masse. Unser Zug von frommen Wallern steigt jenseits der letzten Station, welche die drei Kreuze von Golgatha darstellt, höher den Berg hinan, auf dessen Kuppe dem heiligen Joseph, dem „Nährvater“, eine Kirche und ein Klösterlein erbaut ist, und gibt in jenen heiligen Räumen das Heil seiner Seelen in die Pflege einer Genossenschaft Jesuiten. Wie gut erscheint das arme Kapuzinerkloster dieser Nachbarschaft gegenüber; dort begnügt man sich mit der Verwahrlosung, hier übt man die Korrumpirung der Geister, und weder das Eine noch das Andere geschieht um bloßen Gotteslohn.
Es ist in der gesitteten Welt ein unbestrittener Grundsatz, daß das irdische Heil, die materielle Wohlfahrt eines Volks, mit der Stufe seiner intellektuellen Bildung und diese mit der Literatur gleiche Höhe zu halten pflegt, und letztere wird am sichersten angezeigt durch die in das Volk dringende Masse belehrender und veredelnder Schriften. Die Sprachen der großen Kulturnationen sind literarisch ausgebildet, jede derselben beherrscht ein großes Gebiet und bewahrt einen großen, ja unermeßlichen geistigen Schatz. Anders ist dies mit den slavischen Sprachen, von denen noch keine es zu einer bedeutenden Literaturhöhe gebracht hat; Russen, Polen und Czechen sind am weitesten vorgeschritten, aber noch immer nimmt der Bedarf der Kirche und der Schule den breitesten Raum auf ihrem Büchermarkte ein. Noch armseliger steht es damit bei den einzelnen slavischen Dialekten, wie namentlich bei dem der Wenden Untersteiermarks. Hier sorgt die Presse, außer für den geschäftlichen Alltagsbedarf, ausschließlich für den Glauben und den Aberglauben: Kalender, Gebet- und Heiligenbücher und Traumdeuter stehen allein im Schauladen der Buchhändler und Buchbinder in Cilli, der wendischen Hauptstadt, aus. Hieher sind diejenigen deutschen Publicisten zu führen, welche der österreichischen Regierung ihre Germanisirungsversuche auf slavischem Gebiete zum Vorwurfe machten; hier können sie die Glückseligkeit der Bewahrung der Nationalitäten und Nationalitätchen kennen lernen und sich zugleich überzeugen, daß sie im engsten Bunde mit der Priesterschaft stehen und gemeinsam mit ihr für die Absperrung der Aufklärung und das Niederhalten der Volksentwickelung in geistiger und materieller Beziehung wirken. Seit dem Jahre 48 ist in den meisten Schulen der slavischen Länder der slavische Unterricht wieder eingeführt, das wenige Deutsch, welches auf dem Lande verstanden wird, bringen die Soldaten aus den Kompagnieschulen mit heim, und nur in den Städten und Marktflecken ist das Deutsche die vorherrschende Umgangssprache. Gleichwohl wird in Cilli selbst nur in einer Kirche deutsch gepredigt, und als seit der Einführung des Konkordats der Einfluß der Geistlichkeit auf den Volksschulunterricht ein fast unumschränkter geworden ist, so wird die Regel wenige Ausnahmen haben, daß man in jedem Geistlichen einen Feind der deutschen Sprache und Literatur zu erkennen hat. Die vernünftigen Männer unter dem an sich reich begabten Volke sind selbst gegen diese
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 71. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/81&oldid=- (Version vom 17.1.2026)