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Zunächst fesselt uns der weite grüne Raum, dicht hinter der Stadtmauer, aus dessen Mitte sich die schöne, dunkle Kuppel von Omar’s Moschee erhebt. Es ist die Stelle von Salomonis Tempel, Berg Moria. Der Platz ist noch immer so heilig, daß jeder Wasserträger euch verächtlich zurückstößt, wenn aus den dunkeln, überwölbten Gassen von Jerusalem sich euer verstohlener Blick in den Moscheegarten mit seinen Arkaden und Fontainen gewagt hat. In der christlichen Grabeskirche dagegen versteht sich die öffentliche große Prügelei der verschiedenen Sekten, Griechen, Armenier etc. alle Ostern von selbst, bis die türkischen Gewehrkolben Frieden stiften. Die Mauer des Moscheegartens über’m Kidronthal, also zugleich die Stadtmauer, ruht auf mehreren Lagen ungeheurer Blöcke. Man sieht in diesen alten Quadern wohl mit Recht den Unterbau der salomonischen Tempelterrasse. Alle Freitag halten die Juden Klage hinter diesen Blöcken.

Obgleich jede kleine Höhle des Oelbergs durch die christliche Tradition natürlich eine heilige Bedeutung gewonnen hat, erinnert er doch an einem Frühlingstag nichts weniger als an Blut und Thränen, sondern eher an’s hohe Lied Salomonis, wo die Reben blühen, die Granaten ihre Gluthaugen öffnen. Die blauen Schwertlilien, drunten im Thal auf den Felsengräbern gebrochen, duften wundervoll. Ungeheure Eidechsen lauschen neugierig, fettschwänzige Schafe klettern herauf. Wenn wir uns aber sehen, dann sehen wir uns immerhin erst nach den schwarzen, fast fußlangen orientalischen Tausendfüßen um, ein Gewürm unangenehmen Anblicks. Drunten im Thal erzeugt links die Quelle Siloah, tief unter dem Stadtfelsen hervor, einige grüne Gärten, und wenn wir später hinaufstiegen bis zur Moschee, dann würden wir jenseits in’s Wüstengebirge und auf den tiefen Spiegel des todten Meers hinabsehen, der zwischen seinem hohen, gelben, blauduftigen Gebirge da und dort zum Vorschein kommt.

Was wir jetzt aus der Stadt herüberhören, ist einzig die Sturmtrommel und das Hurrahgeschrei türkischer Truppen, die nach preußischem Reglement sich in fingirten Bajonettangriffen üben. Wenn wir schnell einen Blick in die heutige Stadt hineinwerfen wollen, so denken wir uns die schmutzigen, vielfach überwölbten Gassen, steil, ruinenhaft, aber belebte Bazars oder gedeckte Budenstraßen. Der Beduine im braunweißen Sack kauft hier sein Kopftuch mit den rothen und gelben Franzen; schwarzlockige Bursche mit blendend weißen Zähnen grüßen uns, denn sie sind von jenen, die uns Geleit gaben am todten Meer. Die Pilger sind wieder fort, sind uns begegnet in endlosem Zug zu Kameel, zu Pferde, zu Fuß, die steilen Felsenpfade herunter, die aus der herrlichen Ebene von Jaffa auf’s Gebirge von Jerusalem heraufführen, Pilger im schwarzen Kopfbund kleinasiatischer Griechen, im buntgestreift seidenen katholischer Araber aus Syrien, im schwarzblauen ägyptischer Kopten etc., die alle mit Weib und Kind zu Ostern kommen. Aber zurück bleiben die Juden in langem Gewand und langen Locken.