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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band | |
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Der weite Westen am rechten Ufer des Mississippi war einst im Besitze der Franzosen, welche nach dem siebenjährigen Krieg diese große und schöne Provinz Louisiana verloren. Zu ihr gehörte auch das heutige Missouri. An den Strömen erhoben sich einzelne kleine Festungen zum Schutz der Ansiedler gegen die Indianer, aber die Franzosen sind von jeher ein zum Kolonisiren ganz untaugliches Volk, und in ihre Ansiedelungen ist weder in Canada noch am Illinois oder Mississippi Aufschwung gekommen; sie verstanden es nicht, eine der fruchtbarsten Regionen zu benutzen und blieben Ruderknechte, Pelzjäger oder höchstens Ackerbauer, die in altväterlicher Weise ein kleines Feld bestellten.
Solch ein Pelzhändler war Peter de Laklède, der mit den Indianerhorden am Missouri einen Tauschverkehr trieb. Im Spätherbste des Jahres 1759 kam er mit einigen Gefährten von einem Streifzuge über die Prairien und auf den Flüssen an den Mississippi und suchte dort eine geeignete Stelle zu einer Faktorei. Seine Wahl fiel auf den richtigen Punkt, und als er eine Blockhütte gebaut hatte, dämmerte in ihm eine Ahnung von dem großartigen Geschick auf, das jener Einöde verheißen ward. Laklède sprach zu seinen Gefährten: „Hier, an der Vereinigung des Missouri mit dem Mississippi wird eine Stadt erwachsen, hinter der alle anderen im Westen weit zurückbleiben müssen.“ Aber freilich verflossen drei Menschenalter, bevor die Prophezeihung in Erfüllung gehen konnte. Im Jahre 1760 wurden die Hütten gebaut, deren wir oben erwähnt haben, und man gab ihnen den Namen St. Louis. Allmählig fanden sich ein paar hundert französische Canadier ein, welche der Herrschaft der Engländer sich entzogen hatten, man umgab die Hütten, deren Zahl noch nicht einhundert betrug, mit Erdwällen und Pfahlwerken, um gegen einen Ueberfall der Wilden gesichert zu sein, trieb einigen Fruchthandel auf dem Strome, aber von einer Erkenntniß und Benutzung der Welthandels-Lage war man weit entfernt. Wie wenig Kern und Mark in den französischen Ansiedlern war, ergibt sich schon daraus, daß St. Louis 1810 noch nicht 1400 Einwohner zählte. Damals war Louisiana schon in den Besitz der Vereinigten Staaten übergegangen, aber die Wanderung nach dem Westen ging nur in spärlichem Maß über die Staaten Ohio und Kentucky hinaus; denn man hatte treffliches Land in genügender Auswahl zwischen dem atlantischen Meer und dem Riesenstrom des Westens. So erklärt sich das träge Anschwellen der Stadt, welche 1820 erst nur 4123 Einwohner zählte. In dem folgenden Jahrzehnt erhielt sie gleichfalls nur so geringen Zuwachs, daß die Ziffer von 1830 erst auf 6700 gestiegen war.
Von da an aber beginnt eine wunderbare Umwandelung. Der gesammte Westen gewann ein neues Ansehen, seitdem der Dampf die Fahrzeuge auf seinen Strömen beflügelte, die Eisenbahnen die Entfernungen verkürzten und die Einwanderer in immer mächtigeren Schaaren eindrangen. Auch über Missouri flutheten sie hin und brachten dasselbe rasch zur Blüthe. Im Jahre 1810 betrug die Gesammtbevölkerung erst 20,000 Seelen, 1830 war
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen 1860, Seite 84. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_21._Band_1860.djvu/94&oldid=- (Version vom 17.1.2026)