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sie auf 140,000 angewachsen; dann aber kam das Gros der deutschen und angloamerikanischen Einwanderung; 1850 hatte der Staat, dessen Flächeninhalt 3180 deutsche Geviertmeilen beträgt, schon 683,000 Seelen, und die Zählung, die im laufenden Jahre vorgenommen werden muß, ergibt sicherlich über eine Million.

Das ward binnen einem Jahrhundert aus der Ansiedelung von acht oder zehn Pelzjägern, mit welchen Laklède vor hundert Jahren einige Bäume fällte, um Hütten zu bauen; die noch in Menschengedenken unbedeutenden und unbeachteten Kolonien weniger, in träger Einförmigkeit hinlebender Franzosen, die kleinen Nachen und Flachboote, die dann und wann auf dem Mississippi trieben, haben dem bunten Getümmel einer großen Weltstadt und den Flotten schwimmender Paläste, deren oft mehr als hundert zu gleicher Zeit am Hafendamme ankern, Platz gemacht. Nur mit Mühe finden wir die Nachkommen jener französischen Ansiedler aus der betriebsamen Bevölkerung der heutigen Stadt noch heraus. Sie verlieren sich spärlich in der Masse anders redender Menschen, und es ergeht ihnen fast wie den Indianern, die auch immer weiter zurückgedrängt werden und erfahren müssen, daß die Weißen ihnen einen Jagdgrund nach dem andern nehmen. Auch die Spanier können sich nicht behaupten, wenn sie mit den rührigen Angloamerikanern und den fleißigen zähen Deutschen ein und dasselbe Land theilen. Vor einem halben Jahrhundert war am ganzen Mississippi die französische Sprache herrschend, in St. Louis war sie noch vor dreißig Jahren, als die ersten Deutschen sich dort niederließen, im Umgangs- und Geschäftsleben durchaus vorwaltend, und heute ist sie aus dem öffentlichen Verkehr verschwunden und auf die häuslichen Kreise einiger hundert Familien beschränkt, welche sie als ein Andenken an ihre Väter bewahren, aber im öffentlichen Leben sich der englischen oder deutschen bedienen müssen. Es ist in der That auffallend, daß das französische Element im Mississippithale so wunderbar rasch verkommt. Es ist von der dortigen Kulturentwickelung gänzlich unberührt geblieben und anstatt durch das Vorwärtsstreben der Amerikaner und Deutschen zu frischer Thätigkeit aufgestachelt zu werden, klebte es beharrlich am Althergebrachten und schloß sich ab. So ist Blatt nach Blatt von der französischen Lilie abgefallen und ihre Wurzel nicht nur in St. Louis, sondern auch in New-Orleans dem Vertrocknen nahe. Und was ist aus den Spaniern in Texas, Neu-Mexiko und Kalifornien geworden? Es ist wenig mehr von ihnen übrig, als der Name mancher Stadt, der melodisch dem Ohr klingt, aber die spanisch redenden Leute verschwinden. Mit unwiderstehlicher Kraft, mit einer unbegrenzten Strebsamkeit streckt der germanische Riesenstamm, welcher sich nach der neuen Welt verpflanzt hat, seine Wurzeln und Zweige von einem Weltmeer zum andern; Indianer, Franzosen, Spanier sind gleich den Schmarotzerpflanzen, die er erstickt. Vor dem stürmischen Unternehmungsgeiste der Angloamerikaner, vereint mit der Thätigkeit und Beharrlichkeit des Deutschen, müssen alle schwächeren Volkselemente weichen, alle fremdartigen Kulturbestrebungen unterliegen.