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welchem man Alles findet, was überhaupt in den Handel kommt. Da sind Großhandlungen und Kleinhandlungen, Spezerei- und Kleiderläden; wir sehen einen mit getrockneten Hirschhäuten beladenen Wagen neben einem andern, der mit Obst gefüllt ist; neben Schuhen liegen Paradiesäpfel, Ochsenviertel, Hasen und Eichhörnchen neben Zwiebeln und Citronen, Hüte nach der allerneuesten Mode neben Tonnen voll Schweizerkäsen aus dem Emmenthale; lebendige Kaninchen werden neben krähenden Hähnen, Pökelfleisch und Butter feilgeboten; ein Mann, der Sodawasser verkauft, handelt auch mit wollenen Strümpfen, bei einem Kleiderhändler kauft man Kartoffeln. Mit Recht hat man diese breite Straße in St. Louis einen wahren Mikrokosmus aller menschlichen Bedürfnisse genannt. An Sonnabend-Nachmittagen ist sie am meisten belebt. Die Frau des deutschen Handwerkers, der daheim arbeitet, kauft ein Huhn für die Sonntagssuppe, während der amerikanische Feinschmecker im schwalbenschwänzigen Frack und Cylinder in eigner Person Prairiehühner und Wachteln sucht; der irische Arbeiter holt ein Stück Rindfleisch, der französische Creole einen Fisch. Vom breiten Wege gehen wir weiter nach dem obern Theile der Stadt und nähern uns dem Flusse. Dort sehen wir uns in eine Fabrikstadt versetzt; wir erblicken geschwärzte Backsteinkolosse, Gießereien, in denen die Maschinen brausen und zischen, überall Werkstätten Vulkans, in denen es rastlos hämmert und tobt. St. Louis ist nicht bloß Handelsstadt, sondern erhebt sich mehr und mehr zu einem großartigen Mittelpunkte der Industrie. Die Eisengießereien und Maschinenfabriken, deren Arbeiter in der Mehrzahl Deutsche sind, genießen einen vorzüglichen Ruf; die Verfertigung von Stearinkerzen und Seife, zumeist in deutschen Händen, ist von kolossalem Umfang; auch Baumwollwaaren- und Tuchfabriken von Bedeutung fehlen nicht.

Am deutlichsten für den großartigen Aufschwung der Stadt zeugen einige amtliche Ziffern. Diesen zufolge betrug das steuerpflichtige Grundeigenthum im Jahre 1842 erst 12,101,018 Dollars; es stieg binnen 10 Jahren um das Dreifache, nämlich 1852 auf 38,281,668 Dollars und hatte 1859 die Ziffer von 92,340,870 Dollars erreicht! Die Bewohnerzahl betrug 1840 erst 16,649 Seelen, und wurde am 1. December 1859 auf 180,000 Köpfe veranschlagt. Für solchen Zuwachs an Menschen müssen Häuser gebaut werden. Der Westen hat in Folge der großen Handelskrisis und nicht sehr ergiebiger Ernten schlechte Zeit gehabt, und doch zählen die Neubauten in St. Louis während der zwei letzten Jahre nach Tausenden, die darin angelegten Kapitalien nach Millionen. Allein im Jahre 1859 wurden nicht weniger als 2450 Neubauten unternommen, zu einem Kostenbetrage von 7,173,155 Dollars, die nicht fremdes Kapital sind, sondern Geld von Bürgern der Stadt. Die überwiegende Mehrzahl dieser Neubauten gehört unsern Landsleuten. Alle diese neuen geradlinigen Straßen wurden mit Schienen belegt, Pferdebahnen, welche am Ende vorigen Jahres schon 24 englische Meilen Länge hatten.