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| verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 12 | |
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mehr in geordneter Weise zu bewegen vermögen. Indessen ist gerade in der allerjüngsten Beit gezeigt worden, daß wenigstens Haifische die völlige Her ausnahme aller Kanäle ohne jegliche Störung ver- tragen. Vgl. Schwalbe, Lehrbuch der Anatomie des Ohrs (Erlang. 1887).
Ohr, eine ohrartige Öffnung an oder in einem Gegenstand, z. B. an der Nadel zum Durchziehen des Fadens, in der Art zum Einseßen des Stiels; an den Metallknöpfen zum Feſtnähen dienender fleine Ring 2c.; auch . v. 1. Henkel, Handhabe. Vgl. Sse.
Ohra, Pfarrborf, südlich bei Danzig, stadtähnlich gebaut, hat eine evang. Kirche, eine Knabenerziehungsanstalt (Johannesstift), bedeutenden Gemüsebau und (1885) 5713 Einw.
Ohraffe (Ohrenmafi, Otolienus M.), Säugetier gattung aus der Ordnung der Halbaffen und der Fa- milie der Lemuriden (Lemurida), schmächtig gebaute Tiere mit reicher Behaarung, großem Kopf, sehr großen, häutigen, nackten Ohren, großen Augen, mittellangen Vorder- und Hintergliedern, am Zeige- finger und der zweiten Zehe, bisweilen auch am Mit- telfinger und der mittlern Zehe mit frallenartigen, sonst mit platten Nägeln. Sie sind nächtliche, mord- lustige Raubtiere, die nur nebenbei Früchte genießen, halten sich am Tag sorgfältig verborgen und betrei- ben nur in der Nacht, unterstützt durch hoch entwickelte Sinne, namentlich durch ungemein feines Gehör, die Jagd auf alles Kleingetier. Sie bringen nur ein Junges zur Welt und leben in Afrika und auf den benachbarten Inseln. Der Galago (Galago senega- lensis Geoffr., O. Galago Illig., 1. Tafel Halbaffen«), 16-20 cm lang, mit 23-25 cm langem Schwanz, auf der Oberseite fahlgrau, am Kopf und auf dem Rücken schwach rötlich, an der Innenseite der Glied- maßen und am Bauche gelblichweiß, bewohnt die Wälder West- und Südafrikas.
Ohrdruf, Stadt im Herzogtum Sachsen-Gotha, an der Ohra, am nördlichen Fuß des Thüringer Waldes und an der Linie Gotha-Gräfenthal der Preuß. Staatsbahn, 371 m ü. M., hat 2 Kirchen, ein Schloß, eine Realschule nebst Progymnasium, eine Gewerbeschule, ein Landratsamt, ein Amtsgericht, Porzellan-, Bleiweiß-, Spielwaren- und Papierfabrikation, Kupferhämmer, viele Mühlen, eine Wasserleitung, große Waldungen und (1885) 5905 evang. Einwohner. In der Nähe das frühere Eisenhüttenwert Luisenthal (jetzt Bad und Sommerfrische). Die Stadt bildet mit sechs Dörfern die Grafschaft Obergleichen, welche dem Fürsten von Hohenlohe-Langenburg unter gothaischer Hoheit gehört. Schon um 725 war in O. ein Kloster, welches durch Bonifacius einen Prior erhielt.
Ohre, linker Nebenfluß der Elbe, entspringt bei Dhrdorf unweit Wittingen im Hannoverschen, fließt südöstlich, bildet eine Strecke die Grenze gegen die preußische Provinz Sachsen, tritt dann ganz in diese über, durchströmt den Drömling und die braun- schweigische Enklave Kalvörde und mündet nach einem Laufe von 105 km bei Rogät unterhalb Magdeburg.
Ohrenbeichte, f. Beichte."
Ohrenfluß, Eiterung im äußern Gehörgang oder im Mittelohr, s. Ohrenkrankheiten.
Ohrenkrankheiten, die Erkrankungen des Gehör organs und seiner Nebenorgane. Die wissenschaftliche Entwickelung der Ohrenheilkunde datiert erst vom Beginn der zweiten Hälfte unsers Jahrhunderts, nachdem durch die pathologisch-anatomischen For schungen Toynbees, durch die Verbesserungen der Untersuchungsmethoden von Tröltsch in Würzburg und durch die Erfindung einer neuen Heilmethode durch Politer in Wien die Grundlagen für die Er- kenntnis und rationelle Behandlung der D. geschaffen worden waren. Gegenwärtig kann die Ohrenheil- funde (Otiatrik) den andern Spezialzweigen der Medizin als ebenbürtig angereiht werden. Zur Un tersuchung des äußern Gehörganges und des Trommelfells benust man verschiedene weite Trich- ter aus Metall oder Hartgummi, welche man zur Geradeſtreckung des Gehörganges und zur Beiseite schiebung der Härchen bis zum knöchernen Teil des Gehörganges vorschiebt. Hierauf wird mittels eines in der Mitte durchlöcherten Hohlspiegels Tageslicht oder künstliches Licht in den Gehörgang geworfen und das erleuchtete Trommelfell durch dieÖffnung imSpie gel besichtigt (Dhrenspiegel). Sehr wichtig ist die Untersuchung der Dhrtrompete, jener Mögre, welche die Nachenhöhle mit der Paukenhöhle verbindet. Hierzu dient der Balsalvasche Versuch, der darin besteht, daß man bei geschlossenem Mund und Nase durch eine kräftige Ausatmungsbewegung die Luft durch die Ohrentrompete in die Paukenhöhle preßt, wobei der Arzt durch den sein Ohr mit dem des Kran- fen verbindenden Auskultationsschlauch das Anschla gen der Luft am Trommelfell wahrnimmt. Mißlingt dieser Versuch wegen starker Widerstände in der Ohrtrompete, so benutzt man den Ohrkatheter, eine gekrümmte Röhre aus Metall oder Hartgummi, welche durch die Nase in die Ohrtrompete eingeführt wird, und durch welche Luft, Dämpfe und medika- mentöse Flüssigkeiten in das Mittelohr eingebracht werden. Bei Verstopfung der Ohrtrompete benut man auch das Polißersche Verfahren, welches darin besteht, daß man beim Schlingen die Luft im Nasen- Nachenraum mittels eines Ballons verdichtet und in das Mittelohr preßt, wobei das Instrument nur in den Anfangsteil der Nase eingeführt wird. Zur Prüfung der Hörfähigkeit bedient man sich des Tickens einer Taschenuhr oder des von Politer er- fundenen Hörmessers sowie der Flüstersprache und der Stimmgabel, durch welche man häufig bestimmen tann, ob die Krankheit im Mittelohr oder im Laby- rinth ihren Sit hat. Die D. entstehen direkt im Dhr oder werden von der erkrankten Schleimhaut des Nasen-Rachenraums 2c. auf jenes fortgeleitet, auch sind sie oft Folge von Strofulose, Tuberkulose, Syphilis. Von den Krankheiten der Ohrmuschel ist her vorzuheben die Ohrblutgeschwulst(Othaematoma), ein durch Mißhandlung, Verlegung zc. bedingter, oft auch spontan entstehender Bluterguß unter die Haut der Ohrmuschel, wird besonders bei Geisteskranken beobachtet und durch Entleerung des Bluts durch einen Einschnitt und Anlegung eines Druckverbandes oder durch schonende Massage beseitigt. Der äußere Ge- hörgang wird bisweilen durch eingetrocknetes Ohren- schmalz verstopft, wobei Schwerhörigkeit, Dhrensau- sen, Kopfschmerzen und Schwindel entstehen können. Durch Eintröpfeln schwach alkalischer Löſungen und vorsichtiges Einsprißen von lauwarmem Wasser wird das Ohrenschmalz erweicht und fortgeschafft. Bei der Furunkulose des äußern Gehörganges finden sich kleine schmerzhafte Geschwüre, die leichte Schwer- hörigkeit, selbst mäßiges Fieber veranlassen und große Neigung zu Rückfällen besigen. Im Furunfeleiter fand man Mikrokokken, und man behandelt die Furun- fulose deshalb antiseptisch durch Bepinseln mit Kar- bolglycerin (0,5 : 15,0), Einträufeln von lauwarmem Borsäurespiritus (1:20) oder durch Einblasen von Borsäurepulver. Dieselbe Behandlung erleidet die diffuse Entzündung des äußern Gehörganges, bei welcher dieser in seinem ganzen Verlauf geschwollen
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 12. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888, Seite 350. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b12_s0350.jpg&oldid=- (Version vom 11.7.2025)