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| verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 12 | |
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lehnte P. 1865 Bismarcks Antrag eines Bündnisses mit Preußen ab und suchte bei dem Herannahen des Konflikts vom Sommer 1866 zu vermitteln, schloß aber im Juni mit Österreich einen Separatvertrag und blieb demselben auch nach der Schlacht bei Kö niggrät treu, indem er sich zugleich des französischen Schußes versicherte. Als aber Österreich Waffenstill- stand und Friedenspräliminarien schloß, beeilte er fich ebenfalls, in Nifolsburg von Preußen den Frie- den zu erbitten. Indem er 22. Aug. 1866 das von Bismarck vorgeschlagene Schutz- und Trukbündnis annahm, erlangte er verhältnismäßig günstige Frie- densbedingungen; dennoch mußte er 29. Dez. 1866 zurücktreten. Er starb 18. Aug. 1880 in München. Eine Frucht seiner Muße waren die »Studien zu Kai- ser Ludwigs oberbayrischem Stadt- und Landrecht (Münch. 1875).
Pforta (Schulpforte), ehemaliges Cistercienserkloster, jetzt königliche Landesschule im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Naumburg, an der Kleinen Saale, 4 km südwestlich von Naumburg, hat mit Einschluß der Schüler ca. 400 Einw. Die wichtigsten Gebäude sind: die Kirche (romanisch angelegt, zur Zeit der Gotik wesentlich verändert und neuerlich restauriert), das Schulhaus (sonstiges Klosterhaus, jetzt Schülerwohnung und Unterrichtsräume umfassend, 1568 erweitert, 1807 und 1880 umgebaut), das Fürstenhaus, ein schloßähnliches Gebäude (1573 vom Kurfürsten August erbaut), daneben die romanische Kapelle aus dem 12. Jahrh., die sogen. Ewige Lampe auf dem Kirchhof (von 1268). P. ist die berühmteste der drei von Moritz von Sachsen aus Gütern eingezogener Klöster gestifteten Fürstenschulen (s. d.). Bischof Uto von Naumburg hatte ein von seinem Verwandten Bruno zu Schmölln gegründetes Kloster 1132 mit Cisterciensermönchen aus Walkenried besetzt und es 1137 nach P. verlegt; dasselbe (Monasterium S. Mariae de Porta ober ad Portam, auch Coenobium portense in Urkunden genannt) erwarb nach und nach reiche Besitzungen und große Gerechtsame. Infolge der Reformation 1540 vom Herzog Heinrich von Sachsen aufgehoben, ward die Abtei mit Beibehaltung ihrer sämtlichen Güter und Einkünfte vom Herzog (spätern Kurfürsten) Moritz 21. Mai 1543 in eine Schule umgewandelt. Durchgrei- fende Veränderungen erfuhr die Anstalt, nachdem sie 1815 unter preußische Hoheit gekommen. Die Einkünfte derselben betragen jetzt an 200,000 Mk. Vgl. Schmidt und Kraft, Die Landesschule P. (Leipz. 1844); Kirchner, Die Landesschule P. in ihrer geschichtlichen Entwickelung seit dem Anfang des 19. Jahrhunderte (Naumb. 1848); Puttrich, Schulpforte, seine Kirche und sonstigen Altertümer (Leipz. 1838); Corssen, Altertümer des Cistercienserklosters St. Marien und der Landesschule zu P. (Halle 1868).
Pfortader (Vena portae), großes, flappenloses, dünnwandiges, aber von einer bindegewebigen Scheide, der sogen. Glissonschen Kapsel, umge- benes Gefäßrohr im Unterleib, welches aus dem Zu- sammenfluß aller derjenigen Venen entsteht, die das Blut aus den meisten Organen der Bauchhöhle (Milz, Magen, Darmkanal, Panfreas) in der Nichtung nach dem Herzen hinführen. Sie ist beim Menschen (s. Tafel Blutgefäße«, Fig. 4) etwa 7 cm lang, liegt hinter dem Zwölffingerdarm in der Tiefe der Bauch- höhle und verläuft von hier schief nach oben zur Leber- pforte. Hier spaltet sie sich in einen rechten und einen linken Ast, die sich in den verschiedenen Lappen der Leber verzweigen. Das Blut, welches die P. in das Kapillarnet der Leber führt, dient hier zur Abscheidung der Galle und gelangt dann mittels der Lebervenen in die untere Hohlader und weiter in das Herz. Somit kommt in der Leber der in den großen Kreislauf eingeschaltete Pfortaderkreislauf zu ftande, welcher dem Fötus aber noch fehlt. Ein ähn- licher Kreislauf findet sich bei manchen niedern Wir- beltieren in den Nieren. Die P. hat in der Volks- medizin eine große, in Wahrheit aber sehr proble= matische Wichtigkeit erhalten, seitdem G. E. Stahl gelehrt hat (1698), daß eine große Anzahl von Lei- den von den Stockungen des Bluts in der P. ab- hänge (Hämorrhoiden, Unterleibsstockungen, Abdo- minalplethora). Von eigentlichen Krankheiten der P. ist nur die Entzündung derselben (Pylephlebitis) zu nennen, welche übrigens nur sehr unvollständig bekannt ist und immer tödlich endet.
Pforte, Hohe (Dsmanische P.), die türkische Re- gierung, eine Benennung, deren ältefter Ursprung in der alten orientalischen Gewohnheit zu suchen ist, nach welcher die Thore der Städte und königlichen Paläste zu Versammlungsplägen und zu Gerichts- stellen benutzt wurden, wie dies selbst heute noch in Mittelasien der Fall ist, wo die Fürsten vor den Pforten ihrer Paläste Gerechtigkeit üben und Audienz erteilen. Schon im byzantinischen Reich war der Ausdruck H. P. gewöhnlich und zwar nicht bloß in der eigentlichen Bedeutung für das kaiserliche Haupt- thor, sondern auch in der bildlichen für die höchste Staatsgewalt. Pforte (türk. kapi, pers. dergiah) ist noch heute der gebräuchliche Name der amtlichen Lokalität. Die Pforte von Konstantinopel (pascha kapisi oder ilbab il' ali) umfaßt folgende mter: 1) Sadaret, das Büreau des Großwesirs, mit dem Amte Tugradschi, d. h. Zeichner der kaiserlichen Un- terschrift; 2) Medschlissi Wala, der Hohe Nat, der im Verein mit dem Großwesir die wichtigsten Staats- angelegenheiten erledigt; 3) Chardschie Nezareti, das Ministerium der äußern Angelegenheiten nebst dem Korrespondenz- und dem übersetzungsbüreau, welch lekterm eine Schule zur Erlernung der fran- zösischen Sprache und eine Bibliothek beigegeben ist; 4) Ahkiami Adlie, Appellationshof; 5) Amedi Diwani Humajun, Vermittelungsbüreau zwischen dem Sultan und der Pforte; 6) Mezahibi Arbaa, Büreau der vier fremden Konfessionen, d. h. der grie- chischen, griechisch-unierten, katholischen und jüdischen.
Pförten, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frank furt, Kreis Sorau, hat ein Amtsgericht, Bierbraue rei und (1885) 1024 meist evany, Einwohner. Dabei das gräflich Brühlsche Schloß P. in der Standes- herrschaft Forst-P., mit kath. Kapelle, Sammlung vorhistorischer Altertümer und schönem Schloßgarten.
Pförtner (Pylorus), Mündung des Magens in den Dünndarm (s. Magen).
Pforzheim, Stadt im bad. Kreis Karlsruhe, am nördlichen Eingang des Schwarzwaldes und an der Mündung der Nagold in die Enz, Knotenpunkt der Linien Durlach Mühlacker der Badischen sowie P.- Wildbad und P.-Horb der Württembergischen Staats- bahn, 275 m ü. M., hat einen großen Marktplatz mit dem Kriegerdenkmal, eine evangelische und eine kath. Kirche, ein altes Schloß (vormals Residenz der Mark- grafen von Baden-Durlach, jest Obereinnehmerei, Steuer- und Zollamt) mit einer gotischen Kirche (darin die 1860 geschlossene Gruft der badischen Regenten- familie) und (1885) 27,201 Einw., darunter 21,596 Evangelische, 5009 Katholiken und 395 Juden. P. ist die wichtigste Fabrikstadt Badens, hat ausge dehnte Bijouteriewarenfabrikation (ca. 8000 Arbei ter in der Stadt und Umgegend) mit Vertrieb über
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 12. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888, Seite 976. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b12_s0976.jpg&oldid=- (Version vom 22.7.2025)