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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 13

Wirksamkeit als Kanzelredner in Dresden. Seine Predigten haben die Theorie und Praxis der deutschen Kanzelberedsamkeit auf lange Zeit hinaus bestimmt. Die vollständige Sammlung derselben um- faßt 35 Bände (Sulzb. 1793-1813); einen Supple- mentband lieferte Kenzelmann (Meiß. 1825), einen andern Haas (Leipz. 1833). In Dresden ward zu Reinhards Andenken eine Stiftung. (Reinhards Stiftung) gegründet, welche jährlich homiletische Preisaufgaben stellt. Vgl. Pölig, R. nach seinem Leben und Wirken dargestellt (Leipz. 1813-15, 2Bde.). 2) Karl Friedrich, Graf von, franz. Diplo- mat, geb. 2. Oft. 1761 zu Schorndorf in Württem- berg, studierte zu Tübingen Theologie und Philologie, wurde 1787 Erzieher in einem Handelshaus zu Bor- deaux, erhielt 1791 zu Paris durch Sieyès eine Se fretärstelle im Ministerium des Auswärtigen und ging 1792 als erster Gesandtschaftssekretär nach Lon- don und 1793 nach Neapel. Unter der Schreckens- herrschaft bekleidete er die Stelle eines Divisions: chefs im Ministerium des Auswärtigen, wurde 1795 französischer Gesandter bei den Hansestädten, 1798 in Florenz, 1799 auf 13 Tage Minister des Aus- wärtigen, dann Gesandter in der Schweiz, 1801 in Mailand, 1802 wieder in Hamburg und endlich 1805 französischer Generalkonsul und Resident in Jassy, wo er beim Einmarsch der Russen 1806 mit seiner Familie verhaftet, auf des Kaisers Befehl aber wieder freigegeben wurde. Nach Frankreich zurückgekehrt, lebte er auf seinem Gut Falfenlust am Rhein, bis Napoleon I. 1808 zum Gesandten am westfälischen Hof zu Kassel und zum Grafen ernannte. Nach der ersten Restauration wurde er Kanzleidirektor im Mi- nisterium des Auswärtigen und Staatsrat und nach der zweiten Restauration Gesandter beim deutschen Bundestag in Frankfurt a. M. 1829 in den Ruhe- stand versett, war er nach der Julirevolution bis 1832 wieder Gesandter am sächsischen Hof und wurde 1832 zum Pair ernannt. Er starb 25. Dez. 1837 in Paris. Er war seit 1795 Mitglied des Instituts. Sein Briefwechsel mit Goethe« erschien Stuttgart 1850.

Reinhardsbrunn, herzogl. Schloß bei Waltershausen im Herzogtum Gotha, in einer der schönsten Gegenden des Thüringer Waldes gelegen, mit herrlichen Parkanlagen, war ursprünglich eine von Ludwig dem Springer 1089 gestiftete Benediktinerabtei, die nachher als Begräbnisstätte der Landgrafen von Thüringen diente. Jm 13. Jahrh. wurde hier eine noch erhaltene Biographie des Landgrafen Ludwig des Heiligen verfaßt, dagegen sind die sogen. »Reinhardsbrunner Annalen« (hrsg. in den »Thüring. Geschichtquellen I«, Jena 1854) nicht im Kloster entstanden. Im Bauernkrieg 1525 in Asche gelegt, wurde das Kloster säkularisiert und 1543 zu einem Jagdschloß eingerichtet. Das jetzige Schloß wurde 1607 von der verwitweten Herzogin Dorothea Maria im gotischen Stil erbaut, 1827 vom Herzog Ernst I. stilvoll restauriert und später vom Herzog Ernst II. noch bedeutend verschönert und durch geschmackvolle Nebengebäude erweitert. Auch die alte Kirche mußte 1857 einem Neubau im romanischen Stil weichen. Unweit ist eine interessante Marienglashöhle. Vgl. Möller, Geschichte des Klosters R. (Gotha 1843); O. Posse, Die Reinhardsbrunner Geschichtsbücher (Leipz. 1872); Wenck, Die Entstehung der Reinhardsbrunner Geschichtsbücher (Halle 1878); Naudé, Die Fälschung der ältesten Reinhardsbrunner Urkunden (Berl. 1885).

Reinhardswald, reichbewaldeter Bergrücken im Kreis Hofgeismar des preuß. Regierungsbezirks Kassel, zwischen Weser und Diemel, aus Buntsandstein bestehend, erreicht im Staufenberg 469 m Höhe.

Reinhart, Johann Christian, Maler und Ra- dierer, geb. 24. Jan. 1761 bei Hof, widmete sich in Leipzig theologischen Studien, nahm aber daneben bei ser Unterricht in der Zeichenkunst und Malerei und ging sodann in Dresden zur Kunst über. 1789 ging er nach Rom, wo er den Einfluß von Carstens und Koch empfing, seinen bleibenden Wohnsih nahm und 8. Juni 1847 starb. R. war ein Vertreter der hiftorisch stilistischen Landschaft, welcher wie seine Ge- noffen in der Zeichnung Hervorragenderes leistete als in Ölgemälden, die an Härte und Kälte des Kolo- rits leiden. Sie sind meist mit jagdbaren Tieren, aber auch mit mythologischen. und Genrefiguren staf fiert. Mit J. W. Mechau aus Leipzig und Ä. K. Dies aus Hannover gab er 72 radierte Prospekte aus Ita- lien (Nürnb. 1799) heraus. Reinharts beste Arbeiten der spätern Zeit sind die Malereien im Balast Mas- fimi zu Rom und vier Temperabilder, Ansichten aus der Billa Malta, für den König Ludwig I. von Bayern. Vgl. Baisch, J. Ch. N. und seine Kreise (Leipz. 1882).

Reinhausen, Dorf im preuß. Slegierungsbezitt Dil desheim, Landkreis Göttingen, hat ein ehemaliges Benediktinerkloster, ein Amtsgericht, eine Oberför- sterei und (1885) 607 Einw.

Reinheim, Stadt in der heff. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg, am Wembach, unweit seiner Mün- dung in die Gersprenz, Knotenpunkt der Linien Wie- ihn belsbach-Heubach und R.-Reichelsheim der Hessischen Ludwigsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Amtsge- richt, Knopfniacherei und (1885) 1716 Einw.

Reinhold, 1) Karl Leonhard, Bhilofoph, geb. 26. Oft. 1758 zu Wien, war 1772-74 Novize bei den Jesuiten zu Sta. Anna und nach Aufhebung des Ordens Kleriker im Barnabitenkollegium bei St. Michael daselbst, wurde unter dem Einfluß der Jo- sephinischen Aufklärungsperiode bewogen, das Kloster zu verlassen und sich nach Leipzig, später nach Wei- mar zu wenden, wo er zum Protestantismus über- trat, Mitarbeiter am »Deutschen Merkur« und Wie- lands Schwiegersohn würde. Von 1787 bis 1794 war er (mit dem größten Beifall) Professor der Philosophie in Jena und seit dem leztern Jahr (mit geringerm Erfolg) in Kiel, wo er als dänischer Etatsrat 10. April 1823 starb. Als Philosoph trat er, nachdem er durch seine »Briefe über die Kantische Philosophie (im Deutschen Merkur 1786) und durch seine akademi- schen Vorträge zur Beförderung des Verständnisses ber kritischen Philosophie aufs erfolgreichste gewirkt hatte, mit dem Versuch einer neuen Theorie des menschlichen Vorstellungsvermögens (Prag u. Jena 1789, 2. Aufl. 1795) hervor, welcher die Kantschen Lehrbegriffe tiefer begründen und aus den höchsten Prinzipien der philosophischen Selbsterkenntnis in strenger Folgerichtigkeit ableiten sollte. Wie an Kant, so lehnte er sich nach dem Erscheinen der Wissen- schaftslehre an Fichte, in seinen mit Bardili heraus- gegebenen »Beiträgen zur leichtern übersicht des Zu- standes der Philosophie bei dem Anfang des 19. Jahr- hunderts (Hamb. 1801-1803, 6 Hefte) sowie im Briefwechsel über das Wesen der Philosophie und das Unwesen der Spekulation (Münch. 1804) und in seiner Grundlegung einer Synonymik für den allgemeinen Sprachgebrauch in den philosophischen Wissenschaften (Kiel 1812) an den Lehtgenannten an und suchte sich auch Herbart zu nähern, brachte es aber durch diesen häufigen Wechsel der Standpunkte dahin, daß er zuletzt, ohne ein eignes System ge gründet zu haben, von allen Parteien verleugnet

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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 13. Bibliographisches Institut, Leipzig 1889, Seite 698. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b13_s0698.jpg&oldid=- (Version vom 12.7.2025)