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| verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 14 | |
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fessor und Direktor der Kunstschule in Augsburg 19. Dez. 1826. 3) Moritz, Maler, Sohn des vorigen, geb. 29. März 1802 zu Augsburg, bildete sich seit 1815 bei Albrecht Adam in München, begleitete 1821 Langsdorff als Zeichner und Maler auf dessen Reise nach Brasilien und verkaufte nach seiner Rückkehr 1825 seine Mappe an die Pariser Kunsthandlung Engelmann. Von den 100 lithographierten Tafeln des Werkes (=Malerische Reisen in Brasilien=, Par. 1827—35) sind mehrer von R. selbst ausgeführt. Von 1827 bis 1829 ver¬ weilte er teils in Rom, teils in Süditalien; 1831- 1840 bereiste er Mexiko, Kalifornien und Chile, von 1841 bis 1843 Peru, 1844—46 Bolivia, wo er die Altertümer von Tia Quanaco und Cuzco zeichnete, die patagonische Küste, die La Platamündung, Mon tevideo, den Paraná, den Uruguay und Rio de Janeiro 1847 kehrte er nach München zurück. Seine Samm lung von 3353 Studien, teils Olskizzen, teils Aqua¬ relle, teils Bleistiftzeichnungen, kaufte 1848 die bayrische Regierung. Mit der Oltechnik wenig ver¬ traut, malte R. nur eine kleine Anzahl von größern Bildern. Er starb 29. Mai 1858 zu Weilheim in Oberbayern.
Rügenwalde, Stadt im preuß. Regierungsbezir Köslin, Kreis Schlawe, unweit der Mündung der Wipper in die Ostsee und an der Linie Zollbrück=R. der Preußischen Staatsbahn, hat 2 evang. Kirchen (darunter die gotische Marienkirche), eine Provinzial¬ Irrenanstalt, ein Amtsgericht, ein Hauptzollamt, eine Reichsbanknebenstelle, Schiffahrt, Handel mit Holz, Spiritus, geräucherten Fischen und Gänsebrüsten und (1885) 5331 meist evang. Einwohner. Der Hafen befindet sich am Ausfluß der Wipper bei dem Dorf Rügenwaldermünde, mit 350 Einw. R. erhielt 1312 lübisches Recht; sein Hafen ward im Dreißig¬ jährigen Krieg von den Kaiserlichen zerstört und erst 1772 wiederhergestellt.
Rugeri (spr. =dschěri), Francesco (mit dem Bei¬ namen il Per) und Giovanni Battista, zwei be¬ rühmte ital. Geigenbauer aus Amatis Schule. Das Leben und Schaffen des erstern und berühmtern der beiden Brüder (in Cremona) fällt in die Jahre 1670 bis 1720, der letztere blühte in Brescia 1700—25.
Rugier, zahlreiches und mächtiges Volk an der Küste des nördlichen Germanien, zwischen der Oder und Weichsel, schloß sich dem Gotenbund an und wan¬ derte nach der mittlern Donau aus. Im 5. Jahrh unterwarfen sich die R. Attila und begleiteten ihn 451 auf seinem Zug nach Gallien. Nach dessen Tod 453 wieder frei, wohnten sie im heutigen Österreich Unter König Feletheus (Fava) breiteten sie ihre Herrschaft über Noricum aus; derselben ward aber 487 von Odoaker ein Ende gemacht. Feletheus fiel in Gefangenschaft, die Reste des Volkes führte dessen Sohn Friedrich zu den Ostgoten und reizte den Kö¬ nig Theoderich zu einem Rachekrieg gegen Odoaken (489). Die R. siedelten sich mit den Ostgoten in Ita¬ lien an, ohne sich aber mit ihnen zu vermischen, ver¬ suchten auch 541 noch einmal, einen eignen König, Erarich, aufzustellen, der aber von den Goten nach kurzer Herrschaft erschlagen wurde. Mit dem Reich der Ostgoten gingen auch die R. unter.
Rugös (lat.), faltig, runzelig.
Ruha, Stadt, s. Urfa.
Ruhecke, bei Brettspielen, s. Hucke.
Ruhegehalt, s. Pension.
Ruhen des Verfahrens, im bürgerlichen Rechts¬ streit derjenige Stillstand des Verfahrens, welcher durch Vereinbarung der Parteien auf bestimmte oder an und ward dann dem Generalstab beigegeben. Im unbestimmte Zeit eintritt, im Gegensatz zu der vom Gericht verfügten Aussetzung und der kraft gesetz¬ licher Bestimmung eintretenden Unterbrechung des Verfahrens. Das Verfahren ruht so lange, bis eine Partei die andre von neuem zur mündlichen Ver¬ handlung ladet. Ebenso ruht das Verfahren bis zur neuen Ladung, wenn in einem zur mündlichen Ver¬ handlung bestimmten Termin beide Parteien aus¬ bleiben. Vgl. Deutsche Zivilprozeßordnung, § 228.
Ruhestand, s. Pension.
Ruheslörung, ungebührliche Störung der öffent¬ lichen Ruhe und Ordnung durch das Erregen von ruhestörendem Lärm, wird nach dem deutschen Straf¬ gesetzbuch (§ 360, Nr. 11) mit Haft bis zu sechs Wo¬ chen oder mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. bestraft.
Ruhla (im Volksmund die Ruhl), Flecken im Thüringer Wald, nordwestlich vom Inselsberg, an der Eisenbahn Wutha-R., 329 m ü. M., zieht sich ziemlich eine Stunde lang in einem engen Thal hin und besteht aus zwei durch einen Bach (Erbstrom) geschiedenen Teilen: einem sachsen-weimarischen, zum Amtsgericht Eisenach gehörigen, mit (1885) 2146 Einw., und einem sachsen-koburg-gothaischen, zum Amtsgericht Thal gehörigen Teil mit 2683 Einw. Beide Teile haben ihre besondern Kirchen und Schulen, der weimarische Teil ein großherzogliches Jagdschloß und eine besuchte Badeanstalt (Mineral- und Fichtennadelbad, Molken- und Kaltwasserheilanstalt), der gothaische Teil eine Gewerbeschule. R. ist einer der lebhaftesten Fabrikorte Thüringens, und zwar ist der Haupterwerbszweig die Fabrikation von Tabakspfeifenköpfen (von echtem und unechtem Meerschaum und Holz), Zigarrenpfeifen und -Spitzen (ebenfalls von Meerschaum), die nach allen Teilen der Erde abgesetzt werden, ferner von Pfeifenbeschlägen, Furnieren, Etuis und Portemonnaies, Eisen- und Stahlwaren, Bergbau auf Eisenerze etc. Die malerischen Umgebungen (darunter der 647 m hohe Ringberg mit dem Karl Alexander-Turm) haben den Ort zu einer beliebten Sommerfrische namentlich der Norddeutschen gemacht. — R., dessen Einwohner in Sitten und Gebräuchen, Tracht und Dialekt viel Originelles bewahrt haben, kommt urkundlich schon im 12. Jahrh. vor. Die frühsten Bewohner waren Eisenarbeiter, besonders Waffenschmiede (allbekannt ist die Sage vom »Schmied von R.«), dann Messerschmiede, deren Gewerbe an drei Jahrhunderte blühte, später aber in Verfall geriet, worauf die Pfeifenfabrikation nach und nach sich entwickelte. Vgl. Ziegler, Das Thüringerwalddorf R. (4. Aufl., Dresd. 1876); Sax, Hausindustrie in Thüringen, Heft 2 (Jena 1884).
Ruhland, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Lieg¬ nitz, Kreis Hoyerswerda, an der Schwarzen Elster Knotenpunkt der Linien Großenhain=Kottbus, R.¬ Lauchhammer und Kohlfurt=Falkenberg der Preußi¬ schen Staatsbahn, 94 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Zementwarenfabrikation, Viehhan¬ del und (1885) 1832 fast nur evang. Einwohner.
Rühle von Lilienstern, Johann Jakob Otte August, preuß. General und Schriftsteller, geb. 16. April 1780 zu Berlin, trat 1795 als Fähnrich in ein Garderegiment, wohnte dem Feldzug von 1806 im Korps des Fürsten von Hohenlohe bei, wurde 1807 Major und Gouverneur des Herzogs Bernhard von Weimar und begleitete diesen auf dem Feldzug von 1809 mit dem sächsischen Armeekorps gegen Öster¬ reich. Im Herbst 1811 zog er sich auf sein Gut Laube¬ gast bei Pillnitz in Sachsen zurück, schloß sich aber im Frühjahr 1813 als Freiwilliger dem Lützowschen Korps
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 14. Bibliographisches Institut, Leipzig 1889, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b14_s0020.jpg&oldid=- (Version vom 23.7.2025)