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| verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 16 | |
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Gerlach, 1871; in mehrere Sprachen übersetzt); Cor- pus juris germanici antiqui (Berl. 1824, 3 Bde.); Geschichte des römischen Rechts bis auf Justinian (Bonn 1834-40; 3. Aufl. 1860, 2 Tle.); Deutsche Rechtsgeschichte (daf. 1852; 2. Aufl. 1857, 2 Bde.); >System des gemeinen deutschen Privatrechts (das. 1855); Juristische Encyklopädie (das. 1856); Das alte Wales (das. 1859); »Fontes juris ecclesiastici< (das. 1862); Naturrecht und Politik im Lichte der Gegenwart (das. 1863, 2. Aufl. 1871); »Aus mei- nem Leben (das. 1865); »Das alte Erzstift und die Reichsstadt Köln (1. Buch, das. 1866). 2) Gustav, Tenorift, geb. 8. Febr. 1836 zu Bi- lin, wo er nach absolviertem Besuch der Realschule in eine Zuckerfabrik eintrat. Nachdem er schon früh in Prag als Sängerknabe in St. Loreto mitgewirkt und nun auch in einigen Konzerten in seiner Vater: stadt sich hervorgethan hatte, erhielt er seit 1853 bei dem Gesangsprofessor des Prager Konservatoriums, Franz Vogl, Gesangunterricht und sang binnen fur- zem mit Erfolg in den Konzerten der Sophienakade mie. 1855 debütierte er auf der Bühne und zwar als Edgardo am Theater zu Brünn. Seit 1856 ist er Mitglied der Wiener Hofoper mit dem Titel eines Kammer- und Hofkapellsängers. Am vollkommensten zeigt W. feine nicht gewöhnliche Befähigung in den Partien eines Raoul, George Brown, Florestan, Ta- mino, Lohengrin, Faust u. a., glänzt aber auch als Lieder und Oratorienfänger.
Walterpresse, s. Schnellpresse, S. 581.
Waltersdorf, Dorf in der sächs. Kreishauptmann-
schaft Baugen, Amtshauptmannschaft Bittau, hat
eine evang. Kirche, ein Denkmal des hier gebornen
Komponisten Fr. Schneider (seit 1889), Fabrikation
von leinenem Tisch- und Bettzeug, halbleinenen und
baumwollenen Waren und (1885) 1691 Einw.
Waltershausen, Stadt im Herzogtum Sachsen-Gotha,
am Nordabhang des Thüringer Waldes und
an der Linie Fröttstedt-Friedrichroda der Preußischen
Staatsbahn, 320 m ü. M., hat 3 evang. Kirchen, ein
hochgelegenes Schloß (Tenneberg mit Amtsgericht),
ein Landratsamt, Fabrikation von Spiel-, Papiermaché-,
Marmor-, Gummi- und geräucherten Fleischwaren,
Hemdenknöpfen, Pfeifen, Zigarrenspizen,
Löschgeräten, thönernen Tierköpfen und Schläuchen,
Bierbrauerei und (1885) 4855 Einw. Unweit davon
die Erziehungsanstalt Schnepfenthal (s. d.).
Waltershausengletscher, s. Kaiser Franz Joseph- Fjord.
Walterskirchen, Robert, Freiherr von, öfter- reich. Politiker, geb. 20. Febr. 1839, studierte die Rechte und widmete sich sodann der Verwaltung sei- nes Gutes Kapfenberg in Steiermart. 1873 in Ju- denburg zum Mitglied des österreichischen Abgeord- netenhauſes gewählt, schloß er sich hier der Fortschritts- partei an und ward bald eins der hervorragendsten Mitglieder seiner Partei. Er wurde Mitglied der Reichsratsdelegation und bekämpfte die bosnische Offupation, den Ausgleich mit Ungarn und das Hee- resbudget. Als die deutsche Verfassungspartei die Majorität verlor und von den Ultramontanen und Nationalen hart bedrängt wurde, glaubte er ihr durch entschieden liberale Grundsäge einen neuen Auf schwung zu geben, indem er hoffte, hierdurch die Li- beralen aus den andern Nationalitäten zu sich her- überziehen zu können. Er gründete, als die Führer der Verfassungspartei namentlich die Erweiterung des Wahlrechts ablehnten, 1882 mit Fischhof u. a. die deutsche Volkspartei, welche aber von den Deut- schen in Wien zurückgewiesen wurde. W. selbst ward von seinen Wählern in Judenburg zur Niederlegung des Mandats aufgefordert und, als er dies gethan, nicht wieder gewählt.
Waltham (pr. üählthäm), Gemeinde im nordameri- kanischen Staat Massachusetts, 10 km westlich von Boston, hat Baumwollweberei, Maschinenbau, Uhr- macherei und (1885) 14,609 Einw.
Waltham Abbey (spr. žáhlthäm abbi), Stadt in der engl. Grafschaft Essex, am Lea, hat eine Abteikirche (teilweise in Ruinen), in welcher der letzte Sachsen- könig, Harald, begraben liegt, und (1881) 5368 Einw. In der Nähe sind fönigliche Pulvermühlen, und bei Waltham Croß steht eins der von Eduard I. seiner Ge- mahlin Eleonore zur Erinnerung errichteten Kreuze.
Walthamstow (spr. náhlthämstoh), Wohnstadt von
London, in der engl. Grafschaft Essex, am Rande
des Eppinger Waldes, mit zahlreichen Villen und
(1881) 21,697 Einw.
Waltharius, s. Walther von Aquitanien.
Walther, Friedrich, Kriminalist, geb. 6. Aug.
1822 zu Bonn, studierte in München, promovierte
daselbst 1848 mit der geschäßten kriminalistischen
Inauguralabhandlung über den Funddiebstahl
(Münch. 1848) und habilitierte sich 1849 als Privat-
dozent in der Juristenfakultät mit der Schrift » Bei-
trag zur Lehre vom Hochverräterischen Komplott
(das. 1849). 1854 wurde er zum außerordentlichen,
1860 zum ordentlichen Professor des Strafrechts
und Strafprozesses befördert. Wegen Kränklichkeit
1871 auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt,
starb er 1. Oft. 1874 in München. Seine vorzüglich-
sten Werke sind: »Die Rechtsmittel im Strafverfah-
ren nach den Grundsäßen des englisch-französischen
Strafprozeßrechts (Münch. 1853-55, 2 Abtign.)
und Lehrbuch des bayrischen Strafprozeßrechts (das.
1859). Seine echt deutsche Gesinnung bekundet er in
den beiden anonym erschienenen Broschüren: »Über
den Anschluß Süddeutschlands an den Norddeutschen
Bund (Nördling. 1867 u. Münch. 1867).
Walther von Aquitanien, Held einer Sage, welche
einen in den burgundischen Sagenkreis gehörigen
Stoff behandelt. Eine vollständige Darstellung der-
selben besigen wir nur in einer lateinischen, aus dem
Anfang des 10. Jahrh. herrührenden Dichtung (Wal-
tharius manu fortis) von Effehart I. (f. d.). Die-
selbe behandelt in einer selbst unter dem fremden
Gewand noch erkennbaren hohen Kernigkeit und
Frische die Geschichte Walthers von Aquitanien, wie
derselbe den furchtbaren Kampf mit dem Burgun
derfönig Gunthari und dessen Mannen an einem
Engpaß der Vogesen, durch welchen die alte Völ-
ferstraße führte, siegreich bestand. Zwölf Kämpfer
werden gegen den Helden aufgestellt, um ihm die
aus dem Hunnenland davon geführten Schäße und
seine Verlobte, die mit ihm aus der Geiselschaft bei
Attila entflohene Hildegund, zu rauben. Jeder dieser
zwölf Einzelfämpfe endet mit Walthers Sieg, aber
jeder wird mit eigentümlichen Zügen und Farben
ausgestattet. Herausgegeben wurde das Gedicht in
den »Lateinischen Gedichten des 10. und 11. Jahr
hunderts von Grimm und Schmeller (Götting.
1838), später unter andern von Scheffel und Holder
(Stuttg. 1874). Neudichtungen desselben in der Nibe-
lungenstrophe auf Grund der lateinischen Übersetzung
lieferten Scheffel (im Ekkehard) und Simrock (im
»Kleinen Heldenbuch«). Außerdem besigen wir Bruch-
stücke einer angelsächsischen Dichtung und ebensolche
einer mittelhochdeutschen, in modifizierter Nibelun-
genstrophe verfaßten Dichtung aus dem 13. Jahrh.
Bgl. Schweiger, De Walthario (Par. 1889).
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 16. Bibliographisches Institut, Leipzig 1890, Seite 374. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b16_s0374.jpg&oldid=- (Version vom 23.7.2025)