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| verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 17 | |
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Ein schon im Vorjahr geplantes Gesetz, durch welches ein eignes Ackerbauministerium geschaffen wurde, ging diesmal durch (23. Juli), ebenso ein Gesetz, betreffend den Schutz der Kinder gegen Mißhandlung und die Einschränkung der Kinderarbeit. Für Irland sorgte die Regierung durch Gesetzesvorlagen über den Bau von Sekundärbahnen und die Entwässerung verschiedener Landstriche, gegen welche von den irischen Abgeordneten in hartnäckigster, aber vergeblicher Obstruktion angegangen wurde. Dagegen mußte eine Vorlage über Annahme der internationalen Konvention zur Abschaffung der Zuckerprämien, um eine Niederlage zu vermeiden, zurückgezogen werden. Ärgerliche Debatten verursachte gegen den Schluß der Session noch die Forderung der Königin, daß Apanagen für die ältesten Kinder des Prinzen von Wales, den Prinzen Albert Viktor und die Prinzessin Luise, welche sich 27. Juli mit dem Herzog von Fife vermählte, bewilligt würden. Die Radikalen, insbesondere Labouchère und Bradlaugh, aber auch Morley, bekämpften alle weitern Geldbewilligungen für die königliche Familie in der rücksichtslosesten Weise; doch wurden ihre Gegenanträge 27. und 29. Juli mit großer Majorität abgelehnt und der von einem Sonderausschuß des Hauses gemachte Vorschlag, das Einkommen des Prinzen von Wales um 36,000 Pfd. Sterl. zu vermehren, von denen er selbst die Apanagen seiner Kinder bestreiten sollte, angenommen. Ein sehr bemerkenswerter Zwischenfall trug sich noch in den letzten Tagen der erst Ende August geschlossenen Session zu. Bei Gelegenheit der Beratungen über ein Gesetz, betreffend den technischen Unterricht, gab der Obersekretär für Irland, Mr. Balfour, die Zusicherung ab, daß die Regierung im nächsten Jahr eine Bill über die Errichtung einer katholischen Universität in Dublin einbringen werde, und bewirkte dadurch, daß die Parnelliten, die bisher im Bund mit den Gladstonianern alle Bestimmungen jenes Gesetzes bekämpft hatten, sich von diesen abwandten und für alle Anträge der Regierung stimmten. Eine dauernde Bedeutung für die Gestaltung der englischen Parteiverhältnisse scheint freilich diese Schwenkung nicht gehabt zu haben, und der Gegensatz zwischen den Iren und der Regierung blieb schroff und unversöhnlich. Auch die Gladstonianer fuhren nach Schluß der Parlamentssession in ihren Angriffen gegen Lord Salisbury und seine Anhänger in heftigster Weise fort und suchten durch die Antündigung neuer, sehr weitgehender demokratischer Maßregeln die öffentliche Meinung zu gewinnen, während die Regierung in geheimnisvollen Andeutungen auch ihrerseits auf überraschende Vorlagen in der nächsten Tagung des Parlaments vorbereitete. Nach außen hin geriet England im Anfang des Jahrs 1890 wegen gewisser ostafrikanischer Gebietsfragen in einen heftigen Konflikt mit Portugal, erzwang aber durch eine Flottendemonstration und durch die Drohung mit dem sofortigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen, die in einem sehr schroff gefaßten Ultimatum gestellt wurde, die Nachgiebigkeit des schwachen Gegners.
Neuere Litteratur: Bartholomew, Gazetteer of the British isles, topographical and statistical (Edinb. 1887); Neelmeyer-Vukassowitsch, G. und Irland (Leipz. 1886); Vogel, Das britische Kolonialreich (Berl. 1886); Schuster, Die bürgerliche Rechtspflege in England (das. 1887); Archer, The British army (Lond. 1888); Dilke, The British army (das. 1888); Lucas, Historical geography of the British colonies (das. 1889 ff.).
✽ Groß-Müritz, Dorf in Mecklenburg-Schwerin, an der Ostsee und in der Ribnitzer Heide, mit Seebad, Seehospiz für Kinder und 133 Einw.
✽ Grotefend, 4) Hermann, Geschichtsforscher, geb. 18. Jan. 1845 zu Hannover, Sohn von G. 2), studierte in Göttingen zuerst Medizin, dann Geschichte unter Waitz, machte darauf unter Jaffés Leitung in Berlin gründliche Studien in Chronologie, Paläographie u. Diplomatik und ward darauf zum Aspiranten beim Staatsarchiv in Breslau, 1874 zum Staatsarchivar in Aurich ernannt. 1876 folgte er einem Ruf als Stadtarchivar nach Frankfurt a. M. und wurde im Oktober 1887 als Chef des großherzoglichen Geheimen und Hauptarchivs mit dem Titel eines Archivrats nach Schwerin berufen. Er schrieb: „Handbuch der historischen Chronologie“ (Hannov. 1872); „Über Sphragistik“ (Bresl. 1875); „Stammtafeln der schlesischen Fürsten bis zum J. 1740“ (2. Aufl., das. 1889); „Christian Egenolff“ (Frankf. 1881).
✽ Grube, 2) Max, Schauspieler, geb. 25. März 1854 zu Dorpat, widmete sich gegen den Willen seiner Eltern der Bühne und begab sich mit 18 Jahren nach Meiningen, wo er anfangs unglücklich debütierte, aber nach Jahresfrist mit besserm Erfolg auftrat. Während eines Engagements am Hoftheater zu Detmold im J. 1875 spielte G. bereits hervorragende Charakterrollen, wie Richard III., Franz Moor, Shylock, Jago, und das Fach der Charakterdarsteller und Intriganten ist auch später seine Besonderheit geblieben. In den folgenden Jahren war er in Lübeck, Bremen, Leipzig und an den Hoftheatern zu Dresden und Meiningen thätig, und 1889 trat er in den Verband des königl. Schauspielhauses zu Berlin. Seine übrigen Hauptrollen sind: Hamlet, Wattenstein, König Lear, Macbeth und Mephisto. G. ist auch schriftstellerisch thätig und verfaßte unter anderm die Schauspiele: „Christian Günther“ (Oldenb. 1882) und „Strandgut“ (das. 1885).
✽ Gruben, Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, Amtshauptmannschaft Meißen, hat eine an Eisen und Mangan reiche Mineralquelle mit Bad und (1885) 1251 Einw.
✽ Grubentheodolit, s. Theodolit (Bd. 15).
✽ Gruitsch, Sawa, serb. Staatsmann, geb. 1840 zu Kolare bei Poscharewatz, besuchte bis 1861 die Belgrader Militärschule, war dann 11/2 Jahr zur Gardeartillerie in Berlin kommandiert, kämpfte 1863 im polnischen Aufstand mit und wurde sodann von der serbischen Regierung nach Rußland geschickt, wo er drei Jahre die Artillerieschule in Michailow besuchte und dann zwei Jahre praktischen Dienst that. 1873 wurde er wegen einer Schrift über das serbische Militärwesen, dessen Mängel er scharf tadelte, aus dem serbischen Heer entlassen, aber bald wieder zum Direktor des Arsenals in Kragujewatz ernannt, sodann in das Kriegsministerium berufen und im Türkenkrieg 1876 mit dem Oberbefehl der Artillerie betraut. 1877 übernahm Oberst G. das Kriegsministerium und gab dem serbischen Heer die noch jetzt bestehenden Einrichtungen. 1878 zurückgetreten, ging er 1879 als Generalkonsul nach Bulgarien, 1882 als Gesandter nach Athen und 1885 nach Petersburg. 1887 ward er wiederum zum Kriegsminister und bald zum Ministerpräsidenten ernannt und trat 1889 wiederum an die Spitze des von der Regentschaft eingesetzten Ministeriums. G. gehört zur radikalen Partei, ist aber gemäßigt und versöhnlich; er ist ein sehr unterrichteter, tüchtiger Offizier.
Grün, 1) Karl, Publizist, starb 18. Febr. 1887 in Wien.
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 17. Bibliographisches Institut, Leipzig 1890, Seite 404. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b17_s0408.jpg&oldid=- (Version vom 30.7.2025)