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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 17

dort über den lokalen Bedarf hinaus Getreide produziert wird, sondern auch im Interesse einer Wiederbelebung des Getreidehandels von seiten des Produktenhändlers in den Hafenplähen der Ostsee befürwortet. Durch die Getreidezölle stellt sich nämlich der deutsche Marktpreis für Getreide höher als der Weltmarktpreis, so daß der Export von Getreide aus Deutschland nur noch wenig lohnend ist. Jene Maßregel würde aber den deutschen Exporteur in den Stand setzen, seine Erportpreise niedriger zu stellen als den Inlandspreis, so daß er auf dem Weltmarkt mit deutschem Getreide konkurrieren könnte. Andre bekämpfen jenen Vorschlag, weil dadurch die Getreidepreise noch mehr zum Gegenstand der Spekulation werden würden, als dies schon jetzt der Fall ist, und weil dadurch keine niedrigern, wohl aber zu gunsten der Großgrundbesitzer in den östlichen Provinzen höhere Getreidepreise erzielt werden würden, während die Reichskasse am Getreidezoll einen Einnahmeausfall zu gewärtigen hätte. In den Kreisen der süddeutschen Landwirte ist man fast durchweg gegen die Aufhebung des Identitätsnachweises, weil durch die Übertragbarkeit der Einfuhrvollmachten die zollfreie Einfuhr großer Getreidemengen in Süddeutschland möglich wäre, während aus Süddeutschland selbst nur wenig Getreide exportiert werden könnte. Auch der Umstand, daß man statt der aus dem Osten ausgeführten geringwertigen Getreidesorten Getreide von weit besserer Qualität aus dem Ausland importieren könnte, wird gegen die geplante Maßregel geltend gemacht.

Ignatjew, Nikolaus Pawlowitsch, russ. Diplomat, trat nach längerer Zurückgezogenheit wieder in das öffentliche Leben, als er im April 1888 zum Präsidenten des slawischen Wohlthätigkeitskomitees gewählt wurde, welches der Mittelpunkt der russisch-panslawistischen Agitation ist; gleich bei der zu Kiew abgehaltenen Jubiläumsfeier (27. Juli 1888 zur Erinnerung an die Einführung des Christentums) trat er als Vorkämpfer des Panslawismus gegen Österreich auf. – Sein Bruder, Graf I., wurde 1889 zum Generalgouverneur von Kiew ernannt.

Ilanz, (1888) 802 Einw.

Ile-Rousse, L’,[WS 1] Corsica, (1886) 1893 Einw.

 Ilezkaja-Saschtschita, Ort im russ. Gouvernement Orenburg, an der Großen und Kleinen Jelschanka, 5 km rechts vom Ilek, hat 2 griechisch-kath. Kirchen, eine Moschee, Bergschule und 2000 Einw.

Ille, (1886) 3045 Einw.

 Ilten, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Lüneburg, Kreis Burgdorf, hat eine evang. Kirche, eine große Privatirrenanstalt und (1885) 983 Einw.

 Imker (v. Imme, s. v. w. Biene), Bienenzüchter.

Immermann, Karl Leberecht, Dichter. Vgl. Fellner, Geschichte einer deutschen Musterbühne. K. Immermanns Leitung des Stadttheaters zu Düsseldorf (Stuttg. 1888).

Immunität. Die Erfahrung, daß der Mensch und gewisse Tiere gegen manche Infektionskrankheiten immun sind (angeborne I.), sowie daß auch der Mensch durch einmaliges Überstehen einer Infektionskrankheit gegen ein nochmaliges Befallenwerden geschützt ist (erworbene I.), hat Veranlassung gegeben, nach den Ursachen dieser eigentümlichen Thatsache zu forschen. Neben dem wissenschaftlichen Interesse, welches die Aufklärung dieses Problems bietet, darf man auch hoffen, daß die Ergründung des Wesens der I. zu einer wirksamen Bekämpfung der gefährlichsten Infektionskrankheiten führen werde, indem es etwa gelingen könnte, ähnlich dem Vorgang bei der Schutzimpfung gegen die Pocken, eine künstliche I. gegen Infektionskrankheiten zu erzeugen. Von den zwei Richtungen, welche die wissenschaftlichen Arbeiten über I. verfolgen, sucht die namentlich in Deutschland vertretene, gegenüber der direkt auf praktische Resultate hinzielenden Pasteurschen Richtung zunächst rein theoretisch darüber ins klare zu kommen, welche Eigenschaften oder Verrichtungen des Körpers die I. (die angeborne oder die erworbene) verursachen. Es ist klar, daß eine genaue Kenntnis der Vorgänge oder der Eigenschaften, welche einem Einzelnen oder einer Gattung von Individuen I. verleihen, auch den Weg zeigen mußte für ein sachgemäßes Eingreifen zur Verhütung oder Heilung von Infektionskrankheiten. Die angeborne I., die I. bestimmter Menschenrassen oder Tierarten gegen gewisse Infektionskrankheiten, wurde durch Metschnikow der Thätigkeit der lebenden Zellen und zwar der weißen Blutkörperchen zugeschrieben. Diese Leukocyten sollten nach Metschnikow Phagocyten, d. h. Freßzellen, sein, welche die eingedrungenen Bakterien auffressen. Die Phagocyten der einzelnen Menschen- oder Tiergattungen wären nun verschieden ausgestattet für den Kampf mit dieser oder jener Art pathogener Bakterien, welche ja selbst auch ihre bestimmten chemischen und physiologischen Eigentümlichkeiten haben müssen. Man kann in der That, wenn man gegen Milzbrand immune Tiere mit Milzbrand impft, Milzbrandbacillen nahe der Impfstelle in den weißen Blutkörperchen finden; aber niemand weiß, ob diese noch lebend in die Zellen gelangt sind, ob sie durch eine aktive Thätigkeit der weißen Blutzellen getötet wurden. Auch für die erworbene I. sollte Metschnikows Phagocytenlehre die Erklärung geben, indem die genannten Zellen durch die erste Invasion eine gesteigerte Fähigkeit erlangen sollen, dieselben Infektionserreger aufzunehmen und zu verdauen. Die Ursachen der angebornen I. müssen in physiologisch-chemischen Verhältnissen der Individuen beruhen und sind noch völlig dunkel. Die Kenntnis der erworbenen I. wurde wesentlich gefördert durch Pasteur, welcher zeigte, daß eine solche nicht bloß durch das einmalige Überstehen einer Infektionskrankheit zu stande kommen, sondern auch künstlich herbeigeführt werden kann durch Impfung mit einem abgeschwächten Infektionsstoff. Man nennt dieses Verfahren nach Pasteur Schutzimpfung. Dieser liegt der Gedankengang zu Grunde, welcher durch den Vorgang bei der Kuhpockenimpfung zum Schutz gegen die Menschenblattern angeregt wird, daß nämlich das einmalige Überstehen der Krankheit in leichter Form einen Schutz gegen das schwer Befallenwerden verleiht. Die Richtigkeit dieses Gedankens wurde von Pasteur zunächst durch seine Versuche mit dem Hundswutgift dargethan (s. Tollwut, Bd. 15). Dasselbe ist, wie Pasteur nachwies, in besonderer Intensität im verlängerten Mark der Hunde, Kaninchen etc. anzutreffen. Wenn er nun das verlängerte Mark entfernte, trocknete und auf bestimmte Temperaturen erhitzte, so gelang es ihm in der That, in bestimmten verschiedenen Graden abgeschwächte Wutgifte darzustellen, welche kleine Tiere, z. B. Kaninchen, noch töteten, aber nicht mehr Hunde. Wurden die letztern dann mit nicht abgeschwächtem Wutgift geimpft, so erwiesen sie sich für die Erkrankung unempfänglich. In ähnlicher Weise verfuhr Pasteur auch mit dem Gifte des Milzbrandes. Es gelang ihm auch hier, Milzbrandgift verschiedener Stärke herzustellen und so einen Abschwächungsgrad zu finden, welcher die geimpften Tiere zwar nicht mehr tötete, aber gegen spätere Impfungen

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Im Hauptteil unter Ile Rousse, L’.
Empfohlene Zitierweise:
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 17. Bibliographisches Institut, Leipzig 1890, Seite 449. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b17_s0453.jpg&oldid=- (Version vom 14.2.2026)