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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 17

mit nicht abgeschwächtem Gift immun machte. Er konnte so in der That Tiere gegen Tollwut und Milzbrand immun machen. Allein der Übersetzung der Ergebnisse dieser Versuche in die Praxis stehen große Bedenken entgegen: die Abschwächung, die „Dosierung“ des abgeschwächten Giftes ist nicht so absolut sicher zu handhaben, wie dies erforderlich wäre. Infolgedessen kann es passieren, daß gegen Tollwut oder Milzbrand schutzgeimpfte Menschen oder Tiere entweder, wenn das Gift zu schwach war, doch nicht immun werden, oder, war es zu stark, an der Schutzimpfung selbst zu Grunde gehen. Thatsächlich sind auch von den gegen Tollwut Geimpften manche unzweifelhaft der eingeimpften Tollwut erlegen, und von den gegen Milzbrand prophylaktisch geimpften Schafen sind schon Tausende an Impfmilzbrand zu Grunde gegangen. Was ferner noch die Tollwut betrifft, so ist Pasteurs Voraussetzung, daß die Impfung auch nach erfolgtem Biß noch Schutz gewähre, nicht erwiesen.

Während die geschilderten Untersuchungen Pasteurs mehr darauf abzielten, den von der Natur vorgezeichneten Weg der Erzielung der I. nachzuahmen, haben andre Forschungen zu ergründen gesucht, wie die erworbene I. zu stande komme. Es wurden in dieser Richtung im wesentlichen drei Theorien aufgestellt: 1) Die Retentionshypothese: die in den Körper eingedrungenen Bakterien produzieren Stoffwechselprodukte, welche ihnen selbst giftig werden; diese bleiben auch nach Ablauf der Krankheit im Körper zurück und verhindern eine wiederholte Infektion. 2) Die Erschöpfungshypothese. Nach dieser sollten die Infektionskeime Stoffe aus dem erkrankten Körper aufzehren, welche zu ihrer Entwickelung erforderlich wären, und so sollte eine zweite Invasion nicht zu stande kommen können. 3) Die Hypothese von Buchner und Wolffberg, wonach in dem durch die Infektion in erster Linie betroffenen Organ sich eine reaktive Änderung ausbilde, welche ein Wiederbefallenwerden verhindere. Alle diese Hypothesen sind mehr oder weniger unwahrscheinlich, ja zum größern Teil als widerlegt anzusehen, und so ist das Wesen der I. auch jetzt noch ein ungelöstes Problem.

 In bond (engl.), unter Zollverschluß, s. Bond (Bd. 3).

Indikātor, Wetteranzeiger, s. Bergbau (Bd. 17, S. 115).

 Indische Inschriften und Ausgrabungen. Immer mehr tritt Indien in die Reihe derjenigen alten Kulturländer ein, für deren Geschichte die „Steine, die man aus dem Schoß der Erde gräbt“, ein historisches Quellenmaterial ersten Ranges darbieten. Die oft sehr umfangreichen und meist mit einer Jahreszahl versehenen oder nach andern sichern Kennzeichen datierbaren Inschriften sind für die indische Geschichtsforschung um so wertvoller, je ärmer dieselbe an zuverlässigen Geschichtswerken einheimischer Autoren ist. Auch vermochten die auf Stein oder auf Kupferplatten eingegrabenen Inschriften dem zerstörenden Klima Indiens besser Trotz zu bieten als die aus Palmblättern, Birkenbast oder mohammedanischem Papier angefertigten Sanskrithandschriften. Die ältesten Inschriften Indiens sind die dem 3. Jahrh. v. Chr. angehörigen Säulen- und Felsenedikte des berühmten buddhistischen Königs Asoka, der ein den größten Teil von Indien umfassendes Reich beherrschte. Durch die von dem General Sir Alexander Cunningham in den 70er Jahren entdeckten Denkmäler haben die bisher bekannten Inschriften dieses Königs einen besonders wertvollen Zuwachs erfahren, indem darin, der Entzifferung Professor Bühlers zufolge, das Todesjahr des Religionsstifters Buddha erwähnt wird. Als Nachfolger Cunninghams wirkt seit 1866 James Burgeß (s. d., Bd. 17) in Indien, der schon vorher lange Jahre hindurch die archäologischen Nachforschungen in der Präsidentschaft Bombay geleitet und eine Menge wichtiger Entdeckungen gemacht hatte, die teils in der von ihm 1872 begründeten Zeitschrift „Indian Antiquary“, teils in den 5 stattlichen Bänden der „Reports of the Archaeological Survey of Western India“, teils in selbständigen Werken niedergelegt sind. Seit dem Antritt seiner neuen Stellung hat Burgeß im Verein mit andern Gelehrten bereits zwei größere Werke über südindische Altertümer veröffentlicht: das mit zahlreichen Tafeln illustrierte Prachtwerk über die buddhistischen „Stupas of Amaravati and Jaggayyapeta“ (Lond. 1887) und ein Werk über südindische Altertümer und Inschriften (Madras 1888). In Südindien wirkt auch ein deutscher Orientalist, E. Hultzsch (s. d., Bd. 17), als Epigraphist der Archaeological Survey of Southern India; von ihm ist der 1. Band der „Inscriptions of South India“ (Madras 1889) erschienen. Ein andrer deutscher Orientalist, A. Führer (s. d., Bd. 17), bekleidet eine ähnliche Stellung in der Provinz Audh und hat neuerdings interessante Forschungen über die sogen. Sharqi-Architektur in der Stadt Jaunpur angestellt. Auch ist von ihm ein Werk: „Verzeichnis der Altertümer in Audh und den Nordwestprovinzen“, angekündigt. Ein Zentralorgan für archäologische Entdeckungen, namentlich Inschriftenfunde, in Indien hat Burgeß geschaffen in der „Epigraphia indica“ (1. Bd., 1888–89), deren erster Band fast ausschließlich aus Beiträgen früher oder noch jetzt im englischen Regierungsdienst angestellter deutscher Gelehrten besteht. So hat Professor Bühler in Wien in dieser Zeitschrift eine kürzlich in Nordindien entdeckte Schenkungsurkunde des Königs Harsha, des berühmten Patrons der Sanskritlitteratur, aus dem Jahr 632 n. Chr. herausgegeben und entziffert, desgleichen eine in Shahbazgarhi entdeckte Inschrift des Königs Asoka aus dem 3. Jahrh. v. Chr. und eine Reihe jüngerer Inschriften aus verschiedenen Teilen Indiens. In die Zeit des Königs Asoka ist vielleicht auch das merkwürdige buddhistische Heiligtum zu setzen, das im Februar 1889 in Girnar nahe bei der auf der Halbinsel Kathiawar im westlichen Indien gelegenen Stadt Junagath ausgegraben wurde. Bei der Öffnung eines dort befindlichen buddhistischen Reliquienhügels (Stupa) fand man eine große Steinkiste; in derselben befand sich ein kupfernes Gefäß, in diesem ein silbernes und in letzterm wieder ein goldenes von der Größe einer Kastanie. Diese goldene Schale enthielt vier Edelsteine, zwei Holzstückchen und einen Knochensplitter, welcher wahrscheinlich eine Reliquie von Gautama Buddha, dem Stifter des Buddhismus, ist und die Veranlassung zu der Aufführung des über 25 m hohen Hügels gab. Dieser Reliquienschrein, der von Campbell entdeckt wurde, bildet ein Seitenstück zu dem vor mehreren Jahren von dem nämlichen Forscher in Sopara ausgegrabenen Reliquienkästchen, welches außer einer Reihe kunstvoller Buddhastatuetten einen Splitter von der Almosenschale Buddhas enthielt. Bedeutende Ergebnisse versprechen auch die von Forchhammer geleiteten Ausgrabungen in Pagan, der ehemaligen Hauptstadt von Birma.

Indogermanen (Arier). Die ältere aus dem Studium des Sanskrit und seiner Verwandtschaft mit den übrigen arischen Sprachen geschöpfte Ansicht, daß die I. aus dem Herzen Asiens gekommen seien, ist in

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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 17. Bibliographisches Institut, Leipzig 1890, Seite 450. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b17_s0454.jpg&oldid=- (Version vom 14.2.2026)