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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19

als die oben erwähnte konstruiert, indem man sich mit 4–6 Paaren von Walzen begnügt, diese aber ebenfalls mit abwechselnd links und rechts schraubenförmig verlaufenden Riffeln ausstattet. Da erfahrungsmäßig die Fasern erst nach längerer Einwirkung der Batschflüssigkeit infolge des Gärungsprozesses die gewünschte Weichheit annehmen, so bleiben auch die nach der zweiten Methode behandelten Risten 24–48 Stunden aufgeschichtet liegen, bevor sie weiter verarbeitet werden.

Diejenigen Jutesorten, welche starke, grobe Wurzelenden, aber gute, weiche Mittelteile besitzen, und solche bessern Sorten, die nur für die feinsten Garne bestimmt sind, werden fast stets von den Wurzelenden, mitunter auch von den Kopfenden mit Hilfe des sogen. Schnippens befreit, um ein möglichst gleichmäßiges Spinnmaterial zu bekommen, indem die besten Mittelteile zu feinsten und feinen, die Wurzel- und Kopfenden zu groben Garnen verarbeitet werden. Das Schnippen erfolgt entweder durch Abhacken mittels eines Beiles auf einem Holzblock oder besonderer Schnippmaschinen, welche die Enden gewaltsam abreißen. Sie bestehen zu dem Zwecke der Hauptsache nach gewöhnlich aus einer eisernen Trommel von etwa 1 m Durchmesser, die auf der Oberfläche mit zahlreichen starken, 2 cm aus derselben hervorragenden spitzen Stiften besetzt ist und mit 240 Touren in der Minute in Umdrehung versetzt wird. An dieser Trommel werden die Juteristen in der Achsenrichtung mittels eines Apparates (Walze mit Mulde) vorbeigeführt, der dieselben zugleich bis zu einer gewissen Länge (20–30 cm) vorschiebt, so daß die Nadeln zuerst die Spitzen der Fasern und nach und nach längere Teile erfassen, abreißen und schließlich in einen Kasten werfen, während die geschnippte Jute auf der andern Seite die Maschine verläßt. Zweckmäßiger ist es, das Schnippen vor dem Weichmachen vorzunehmen, weil dann gleichartigere Teile den Batschprozeß durchmachen und ein gleichmäßigeres Material gewonnen wird. Aus diesem Grunde schnippt man nunmehr sehr häufig die Jute vor dem Batschen ausschließlich durch Handarbeit. Die Weiterverarbeitung der geweichten und geschnippten Jute erfolgt nun nach den oben erwähnten Methoden, wie sie in Bd. 15, S. 151 dargestellt sind. Es sei nur noch bemerkt, daß jetzt die Jutehechelgarnfabrikation in Deutschland bedeutende Verbreitung gefunden hat. Vgl. Pfuhl, Die Jute und ihre Verarbeitung (Berl. 1888–91, 3 Bde.; Bd. 1: Garne; Bd. 2: Gewebe u. Säcke; Bd. 3: Wirtschaftliches, Fabrikanlagen).




K.

Kähler, Otto, preuß. General und Militärschriftsteller, geb. 16. Juni 1830 zu Neuhausen bei Königsberg i. Pr., trat 1846 als Einjährig-Freiwilliger in die 1. Pionierabteilung, ward 1852 Sekondleutnant im 1. Dragonerregiment, besuchte 1856–59 die Kriegsakademie, ward 1859 Premierleutnant, 1861 zur topographischen Abteilung des Großen Generalstabs kommandiert, 1864 Adjutant bei der 12. Infanteriedivision und 1866 Rittmeister und Eskadronschef im 8. Dragonerregiment. Nachdem er 1870/71 während des französischen Krieges Generalstabschef der 2. Kavalleriedivision gewesen, wurde er 1871 als Major zum Großen Generalstab versetzt, 1872 Lehrer an der Kriegsakademie, 1876 Kommandeur des 6. Husarenregiments und Oberstleutnant und 1881 Oberst. 1882 trat er in türkische Dienste über und wurde vom König als Generalmajor zur Disposition gestellt. Er widmete sich in Konstantinopel als Generalleutnant und Generaladjutant des Sultans besonders der Reorganisation der türkischen Reiterei, starb aber schon 3. Nov. 1885 in Konstantinopel. Er schrieb: „Die Reiterei in d. Schlacht bei Vionville und Mars la Tour am 16. Aug. 1870“ (3. Aufl., Berl. 1874); „Der große Kurfürst“ (das. 1875); „Die preußische Reiterei von 1806 bis 1876“ (das. 1879) u. a.

Kalamata, die messenische Hafenstadt, zählte 28. April 1889: 10,696 Einw., eine Zunahme von 40 Proz. seit 1879. Der Handel hat sich seit 1889 gehoben. Die Ausfuhr von Korinthen (namentlich nach Frankreich) betrug 1890: 22,700,000 Pfd., von Feigen, die besonders zur Herstellung von Kaffeesurrogaten verwendet werden, 134,200 Ztr., von Olivenöl 5100 Barils, von Seide 5200 kg und 8000 kg Abfälle. Der Wert der Ausfuhr belief sich 1888 auf 5,723,000 Mk., 1889 auf 7,002,000, 1890 auf 8,050,000 Mk. Die Einfuhr aus Deutschland (Eisen-, Glas-, Kurzwaren, wollene und baumwollene Tuche etc.) steigt langsam. Die Gesamteinfuhr hatte einen Wert von ca. 7 Mill. Mk. Von der seit mehreren Jahren im Bau befindlichen Eisenbahn K.-Myli wurden die beiden Endstrecken K.-Meligala und Myli-Tripolis Juli 1891 eröffnet.

Kambodscha. Die Bevölkerung betrug 31. Dez. 1889: 814,754 Seelen, davon waren 492,479 Eingeborne, 120,019 Anamiten, 137,813 Chinesen, 60,633 Malaien, 3603 Tagalen u. a. und 131 Franzosen. Es bestanden 3 Schulen mit 103 Schülern. Der auswärtige Handel (1890: Einfuhr 841,080, Ausfuhr 10,709,098, Transit nach Siam 134,704 Frank) geht fast ausschließlich über Kotschinchina. Ein französischer Oberresident hat seinen Sitz in der Hauptstadt Pnom-Penh; die französischen Truppen betragen 300 Mann. Das Budget für 1888 berechnete die Einnahmen auf 3,275,000, die Ausgaben auf 3,059,236 Fr. Vgl. auch Kotschinchina.

Kamerun. Da für England wie für Deutschland glaubhaft nachgewiesen wurde, daß am Golf von Guinea sich kein Fluß befindet, welcher dem auf den Karten angegebenen und in dem Abkommen erwähnten Rio del Rey entspricht, so wurde als vorläufige Grenze im NW. zwischen englischem und deutschem Gebiet eine Linie vereinbart, die, vom obern Ende des Rio del Rey-Creeks ausgehend, in gerader Richtung zu dem etwa 9°8′ östl. L. gelegenen Punkte läuft, welcher auf der Karte der britischen Admiralität mit „Rapids“ bezeichnet ist. Danach berührt das deutsche Schutzgebiet den Altkalabar nicht mehr, da die Ethiopeschnellen dieses Flusses nach Johnston unter 8°50′ östl. L. v. Gr. liegen. Das Areal der Kolonie schätzt Ravenstein auf 336,700 qkm, die Bevölkerung auf 2,6 Mill. Die europäische Bevölkerung bezifferte sich Anfang 1892 auf 166 Personen, darunter 109 Deutsche, 31 Engländer, 17 Schweden. Ihrem Beruf nach waren 30 Regierungsbeamte (sämtlich Deutsche), 81 Kaufleute (38 Deutsche, 29 Engländer, 13 Schweden), 34 Missionare (27 Deutsche, 3 Schweizer, 4 Amerikaner), 7 Pflanzer (sämtlich Deutsche). Von den Eingebornen

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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19. Bibliographisches Institut, Leipzig 1892, Seite 504. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b19_s0518.jpg&oldid=- (Version vom 13.9.2025)