Seite:Meyers b19 s0519.jpg
| verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19 | |
|
|
schätzt man die Dualla auf 20,000, die Bakwili auf 25,000, die Bamboko auf 20,000 Seelen. Es starben 1891: 10 Europäer, es wanderten aus 46, dagegen wanderten ein 84, geboren wurde ein Europäer. Die Einfuhr betrug 1891: 4,2, die Ausfuhr 4,4 Mill. Mk. Von Tabak wurden aus K. nach Deutschland 81 kg in 1887, aber 4000 kg in 1890, in dem letzten Jahre auch 15,500 kg Kakao ausgeführt. Versuche mit der Baumwollkultur fielen bisher nicht günstig aus. Schulen unter deutschen Lehrern wurden errichtet in Bonamandone (72 Schüler in 4 Klassen) und in Bonebela (15 Schüler in 2 Klassen). Es bestehen gegenwärtig 12 Handelsfirmen mit 19 über das Land zerstreuten Faktoreien, darunter 3 deutsche Handelsfirmen mit neun Faktoreien. Von den Deutschen sind vier große Plantagen angelegt in Bimbia, Bibunda, Dibundscha und Batanga. An Stelle der in Victoria ansässig gewesenen englischen Baptisten trat die Baseler Missionsgesellschaft, welche das Eigentum der erstern für 56,000 Mk. erwarb und jetzt zehn Stationen besitzt. Doch hat die Baptistenmission, welche im Lande zahlreiche Anhänger besitzt, 1891 ihre Thätigkeit wieder aufgenommen. Amerikanische Presbyterianer besitzen eine Station zu Benita, und seit Ende 1890 hat auch die katholische Mission der Pallotiner unweit der Iddiafälle am Mbamfluß ihre Thätigkeit begonnen. Sämtliche Missionare sind Deutsche. Der Aufschwung, den die Kolonie genommen hat, spricht sich am besten darin aus, daß sie seit 1888 das Reich nicht mehr in Anspruch zu nehmen brauchte. Die Einnahmen betrugen 1891: 402,000 Mk. Die Einnahmen aus den Zöllen stiegen von 174,860 Mk. in 1888 auf 232,781 in 1889, auf 289,008 Mk. in 1890 und 339,132 Mk. in 1891. Die Zahl der Handelsfirmen vermehrte sich während des Jahres 1891 wieder um drei neue deutsche, die alten Firmen haben Faktoreien weiter ins Innere vorgeschoben, auch der Zwischenhandel der Dualla beginnt, wenn auch langsam, immer mehr durchbrochen zu werden. Die Weißen können ihre Produkte zu den bisherigen Absatzmärkten der Dualla unmittelbar bringen, und schon sind einige Händler aus dem Innern an der Küste erschienen. Der Anfang zur Heranbildung einer Schutztruppe wurde durch die Anwerbung von 60 Polizeisoldaten gemacht, das Zollnetz wurde durch Einrichtung einer Zollkontrolle an der Südgrenze des Schutzgebietes erweitert und die Einnahme durch Erhöhung der frühern Zölle und Einführung einer Gewerbesteuer erhöht. Die Expedition Zintgraff suchte nach dem unglücklichen Bandeggefecht Ordnung und Sicherheit im Baligebiet sowie im weitern Hinterland wiederherzustellen, um dem Handel den Weg nach K. zu ebnen, während die Expedition Gravenreuth die aufständische Bevölkerung des Gebirgsdorfs Buea und der Abodörfer Miang und Bonakwasi züchtigte, die Handelsstockungen von Abo beseitigte und den wilden Bakwilis des Gebirges Achtung vor der deutschen Macht beibrachte. Leider fiel Gravenreuth beim Sturm auf die Palissaden von Buea. Preuß, welcher von der Missionsstation in Buea aus den Kamerunberg wissenschaftlich bearbeitete, mußte infolge des Bueakampfes seinen Wohnsitz nach Victoria verlegen, da man zu seinem Schutz keine genügend starke Sicherheitswache stellen konnte.
Kandia, die Hauptstadt Kretas, führte 1889 für ca. 124,000 Mark, 1890 für 102,000 Mk. deutsche Erzeugnisse ein. An Landesprodukten wurden 1890 ausgeführt 12,000 metr. Zentner Olivenöl, 62,500 hl Wein, 31,500 metr. Ztr. Rosinen, 60,000 metr. Ztr. Johannisbrot, 25,000 Lamm-, 8000 Schaf- und Ziegen- und 5000 Marderfelle. Der Schiffsverkehr belief sich 1890 auf 272 Dampfer von 182,616 Ton. und 979 Segelschiffe von 25,121 T.; darunter war am stärksten vertreten Österreich-Ungarn, dann die Türkei und Griechenland.
Kanitz, Hans Wilhelm Alexander, Graf von, Politiker, geb. 17. April 1841 zu Mednicken in Ostpreußen, studierte in Berlin und Heidelberg die Rechte, machte die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit, war 1870–77 Landrat des Kreises Sprottau in Schlesien und widmete sich sodann der Verwaltung seines Majorats Podangen bei Wormditt in Ostpreußen. Schon 1869 in den Reichstag gewählt, schloß er sich der deutsch-konservativen Partei an und war ein hervorragender Vertreter der agrarischen Richtung.
Kantharidīnsäure,[WS 1] Anwendung als Heilmittel, s. Balneologische Gesellschaft, S. 76.
Kapland. Die 5. April 1891 erfolgte Volkszählung ergab eine Bevölkerungsziffer von 1,525,739 Seelen. Davon waren 376,812 (d. h. weniger als ein Viertel) Weiße, 847,542 (d. h. mehr als die Hälfte) Ureinwohner von Afrika und 301,385 andre Farbige, worunter auch die Hottentoten gerechnet sind, die doch, streng genommen, zu den eingebornen Völkern gehören. Die weiße Bevölkerung ist vermutlich noch geringer als oben angegeben, da nicht wenige Mischlinge sich als weiß eintragen ließen. In den übrigen, dem Gouverneur der Kapkolonie als Kommissar für Südafrika und Südostafrika unterstellten Gebieten wird die Bevölkerung wie folgt angegeben: Betschuanenland 60,376, worunter 1600 Weiße, Basutoland 218,903, darunter 469 Weiße, Pondoland 200,000; die Bevölkerung des Sambesigebiets und des Nyassalandes wird auf 1,350,000 Seelen veranschlagt. Der Religion nach ist der größte Teil der Kaffern, Betschuanen u. a. noch immer heidnisch, die Hottentoten sind zum allergrößten Teile dem Namen nach Christen, die Malaien in der Kapstadt und Port Elizabeth sind Mohammedaner. Durch die Arbeiten der Rheinischen und der Berliner Mission, der London Missionary Society der Society for the Propagation of the Gospel, der Wesleyaner, Presbyterianer, Pariser und Amerikaner sind zahlreiche Eingeborne für das protestantische Christentum gewonnen worden. Auch die Katholiken unterhalten hier eine Mission. Die holländische reformierte Kirche, weitaus die stärkste, zählt 196,000 Anhänger, darunter 22,000 Farbige, hat 108 Geistliche für 286 Gemeinden und erhält eine Subvention von 4501 Pfd. Sterl. Die anglikanische Kirche unter zwei Bischöfen (Kapstadt und Grahamstown) zählt 66,000 Anhänger, worunter 34,000 Farbige; sie hat 145 Geistliche für 482 Gemeinden und erhält eine staatliche Subvention von 2698 Pfd. Sterl. jährlich. Die wesleyanischen Methodisten zählen 118,000 Mitglieder, darunter nicht weniger als 96,000 Farbige; sie haben 169 Geistliche für 1544 Gemeinden. Die Kongregationalisten zählen 38,000 Mitglieder, von denen sogar 32,000 Farbige, und haben 30 Geistliche für 116 Kirchen. Die Lutheraner, mit Einschluß der evangelisch-lutherischen, der Berliner und der Rheinischen Mission und der freien evangelischen Kirche, zählen 28,000 Mitglieder, worunter 20,000 Farbige; sie haben 40 Geistliche für 70 Gemeinden und erhalten eine Staatshilfe von 414 Pfd. Sterl. Die Presbyterianer zählen 27,000 Anhänger, darunter 21,000 Farbige, haben 28 Geistliche, 143 Gotteshäuser und erhalten 200 Pfd. Sterl.
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Zuerst in Band 18 unter Kantharidīn.
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19. Bibliographisches Institut, Leipzig 1892, Seite 505. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b19_s0519.jpg&oldid=- (Version vom 13.9.2025)