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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19

Gebirgen, welche dem Fortschreiten von warmer und feuchter Luft einen Widerstand entgegensetzen und dadurch die Luft zum Emporsteigen zwingen, auf der Windseite bedeutend mehr R. fallen als auf der entgegengesetzten Seite, und auch die barometrischen Minima, in denen ein aufsteigender Luftstrom vorhanden ist, werden fast regelmäßig auf ihrer Bahn von Niederschlägen begleitet. Früher glaubte man, daß die Windverhältnisse der Tropen, wo die Luft durch den untern Passat in der Richtung nach dem Äquator und durch den obern Passat in der Richtung nach den Polen zu fortgeführt wird, auch in den mittlern und höhern Breiten Geltung besitzen, und daß man infolgedessen auch hier jeden aus nördlicher bis östlicher Richtung kommenden Wind als einen Teil des sogen. Polarstromes und jeden aus südlicher bis westlicher Richtung als einen Teil des Äquatorialstromes anzusehen habe. Gleichzeitig glaubte man, daß, weil der aufsteigende Luftstrom in der Kalmenzone sehr warm und feucht ist, der Äquatorialstrom auch dieselbe Eigenschaft besitzen und deshalb bei seinem Fortschreiten nach N. sich abkühlen, daher zur Erde sinken und seine Feuchtigkeit als R. ausscheiden müßte, und suchte dadurch zu erklären, warum die West- und Südwestwinde in unsern Breiten den meisten R. bringen. Nach unsern jetzigen Anschauungen kann diese Erklärung nicht aufrecht erhalten werden, weil der aufsteigende Luftstrom in den Tropen bereits dort seine Feuchtigkeit in den starken tropischen R. ausgeschieden hat, außerdem aber auch als oberer Passat kein warmer, sondern ein kalter Luftstrom ist, welcher sich beim Herabsinken in höhern Breiten erwärmen muß und daher kein Ausscheiden der Feuchtigkeit erfolgen kann.

Das Studium der synoptischen Wetterkarten lehrt uns nun, daß bei Beurteilung der verschiedenen Witterungserscheinungen ganz besonders die barometrischen Maxima und Minima ins Auge zu fassen sind. In der Umgebung der letztern, welche man mit dem Namen Cyklonen bezeichnet, bewegt sich die Luft spiralförmig in einer der Bewegung des Uhrzeigers entgegengesetzten Richtung nach dem Mittelpunkt hin und in der Umgebung der erstern, welche man Anticyklonen nennt, in der entgegengesetzten Richtung spiralförmig vom Mittelpunkt fort. Gleichzeitig wird in der Mitte der barometrischen Minima infolge der dem Mittelpunkt zuströmenden Luft ein aufsteigender und in der Mitte der barometrischen Maxima infolge der vom Mittelpunkt fortströmenden Luft ein absteigender Luftstrom entstehen. Ebenso wie beim Föhn die Niederschläge mit dem aufsteigenden Luftstrom verbunden sind und beim herabsteigenden Luftstrom Wärme und Trockenheit auftritt, wird auch das Gebiet eines barometrischen Minimums Niederschläge zeigen und das eines barometrischen Maximums Trockenheit besitzen. Ein scheinbarer Unterschied zwischen den Erscheinungen beim Föhn und denen, welche sich bei den durch verschiedene Druckverteilung hervorgerufenen Luftbewegungen zeigen, besteht darin, daß beim Föhn die herabsteigende Luft ganz besonders warm ist, und daß im Zentrum der barometrischen Maxima, wo der herabsteigende Luftstrom die Erdoberfläche trifft, im Winter die größte Kälte herrscht. Dieser Unterschied wird aber dadurch erklärbar, daß beim Föhn der aufsteigende und absteigende Luftstrom dicht nebeneinander liegen und die Bewegung mit einer gewissen Geschwindigkeit stattfindet, die durch die Form der Thäler meistens noch erhöht wird, während dagegen bei der Luftbewegung zwischen Cyklonen und Anticyklonen, die fast immer weit voneinander liegen, der Austausch der Luft nur langsam stattfindet und deshalb die sonstigen Einflüsse der Erwärmung durch die Sonnenstrahlen und der Abkühlung durch Ausstrahlung zur Geltung kommen können. An klaren Wintertagen und noch mehr in wolkenlosen Nächten, wie sie sich nur in der Umgebung eines barometrischen Maximums finden, kühlt sich die Erdoberfläche infolge der Strahlung stark ab und wird die Bewegung des langsam herabsteigenden Luftstromes keine wesentliche Änderung der Temperatur herbeiführen. Unter diesen Verhältnissen wird es in den obern Luftschichten, wo die Strahlung keinen so starken Einfluß ausübt wie an der Erdoberfläche, oft wärmer sein als in den tiefer gelegenen und dadurch ein Zustand in der Temperaturverteilung eintreten, der auf den Gebirgen, wie den Alpen und auf den deutschen Mittelgebirgen, vielfach beobachtet ist und den Namen der Temperaturumkehr erhalten hat. Diese Temperaturverteilung ist aber infolge der Art ihrer Entstehung durchaus nicht an das Vorhandensein eines Gebirges gebunden, sondern muß auch im Flachland auftreten und ist auch in der That auf Ballonfahrten bestätigt gefunden, wie z. B. 19. Dez. 1888, wo auf einer Ballonfahrt von Berlin aus bei einer Erhebung von 1000 m eine Temperaturzunahme von 8° beobachtet wurde.

Säuren in R. und Schnee. Die früher allgemein gemachte Annahme, daß die als R. und Schnee zur Erde gelangte atmosphärische Feuchtigkeit frei von fremdartigen Bestandteilen wäre, hat sich nach den chemischen Untersuchungen des Regenwassers nicht bewahrheitet. Schon seit längerer Zeit war beobachtet, daß das Regenwasser Salpetersäure enthält, und Boussingault hatte für Liebfrauenberg im Elsaß als Mittel 0,18 mg und Lawes und Gilbert für Rothamsted in England 0,42 mg auf 1 Lit. Regenwasser angegeben. In den Tropen ist viel mehr Salpetersäure im R. enthalten als in den gemäßigten Zonen, was als Folge der größern Stärke und Häufigkeit von elektrischen Entladungen anzusehen ist, und zwar fanden Muntz und Marcano bei ihren Untersuchungen des Regenwassers in Caracas (Venezuela) im Durchschnitt 2,23 mg pro Liter. Dabei wurden in den Jahren 1883–85: 121 Regenfälle untersucht, von denen die Wasserprobe entweder einem einzelnen Regenfall oder der Mischung von allen Niederschlägen eines ganzen Monates entnommen war. Das Maximum einer Probe ergab 16,25 mg, das Minimum 0,20 mg pro Liter. In St.-Denis auf der Insel Réunion beträgt der mittlere Salpetersäuregehalt des Regenwassers nach den Messungen von Raimbault 2,67 mg pro Liter (Maximum 12,5, Minimum 0,4 mg).

Berücksichtigt man die jährliche Regenhöhe dieser verschiedenen Orte, so findet man, daß der Stickstoffgehalt, welcher in einem Jahre durch den R. einem Hektar zugeführt wird, auf der Insel Réunion 6,93 kg und in Caracas 5,78 kg beträgt, während er im Elsaß 0,33 kg und in England 0,83 kg ist. Wenn demnach die Nitratzufuhr in der gemäßigten Zone zu gering ist, um auf die Vegetation Einfluß ausüben zu können, so ist das in den Tropen anders, wo die Natur selbst eine Düngung ausführt, welcher die Vegetation zum Teil ihre Üppigkeit verdankt, und die in ihrer Wirkung gleich der einer künstlichen Düngung von 50 kg Natronsalpeter pro Hektar geschätzt werden kann.

Als eine andre Beimengung zum Regenwasser ist in größern Städten und deren Umgebung sowie in Industriebezirken die von Schwefelsäure zu nennen,

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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19. Bibliographisches Institut, Leipzig 1892, Seite 759. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b19_s0773.jpg&oldid=- (Version vom 15.3.2026)