Seite:Meyers b19 s0811.jpg

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19

[Geschichte.] Im Oktober 1891 mußte ein Drittel der Abgeordneten zur Zweiten Kammer neu gewählt werden. Die Sozialdemokraten bereiteten sich dazu schon lange vorher durch Gründung neuer Blätter auch in den kleinsten Orten und durch Einschreibung ihrer Anhänger in die Wählerlisten, wofür die Zalhung eines direkten Steuerbeitrags (wenigstens 3 Mk.) erforderlich war, vor. Während die Freisinnigen selbständig vorgingen, vereinigten sich die alten Kartellparteien, die Konservativen und die Nationalliberalen, in allen Wahlkreisen, in denen ein gemeinsamer Feind zu bekämpfen war, zur Erneuerung des Kartells. Es wurden 13. Okt. 30 Abgeordnete gewählt und hierbei von 100,000 Stimmen 34,000 sozialdemokratische abgegeben; die Sozialdemokraten hatten in allen Wahlkreisen Kandidaten aufgestellt, auch wo sie auf keinen Sieg rechnen konnten. Sie gewannen auch wirklich drei Mandate, so daß sie in der Kammer auf 11 Stimmen stiegen und damit das Recht, eigne Anträge zu stellen, erlangten. Die Nationalliberalen gewannen 1 Mandat, die Konservativen verloren 1, die Freisinnigen 3. Es gab fortan 45 Konservative, 11 nationalliberale, 13 freisinnige und 11 sozialdemokratische Abgeordnete im Landtag. Nachdem sich die Kammern 12. Nov. konstituiert und die Zweite Kammer Ackermann zum Präsidenten gewählt hatte, wurde der Landtag 13. Nov. vom König mit einer Rede eröffnet, welche eine Reihe kleinerer Gesetzvorlagen ankündigte und mit Genugthuung die günstige Gestaltung der Finanzverhältnisse feststellte, welche erlaube, die Beamtengehalte zu erhöhen und doch die Schlachtsteuer zu ermäßigen. In der That hatte der Staatshaushalt 1888/89 mit einem reinen Überschuß von 261/2 Mill. abgeschlossen. Der Staatshaushaltsetatsentwurf für 1892/93 schloß in Einnahme und Ausgabe mit 189 Mill. ab; die Erhöhung der Beamtengehalte erforderte allein 51/3 Mill.

Im Landtag machten die sozialdemokratischen Abgeordneten von ihrem neuerrungenen Rechte, eigne Anträge zu stellen, sofort ausgiebigen Gebrauch; sie verlangten unentgeltlichen Schulunterricht, Befreiung der untern Klassen von der Einkommensteuer unter gleichzeitiger Mehrbelastung der höhern und ähnliches mehr. Die Anträge wurden an die Finanzdeputation verwiesen, wo ihre Annahme aussichtslos war. Die Antragsteller hatten aber damit ihren guten Willen bewiesen.

Der voraussichtliche Thronerbe, Prinz Friedrich August (geb. 25. Mai 1865), ältester Sohn des Prinzen Georg, vermählte sich 21. Nov. 1891 zu Wien mit der österreichischen Erzherzogin Luise, ältesten Tochter des Großherzogs Ferdinand IV. von Toscana.

Sachsen, preuß. Provinz. Die Bevölkerung in der Provinz S. betrug nach der Volkszählung vom 1. Dez. 1890: 2,580,010 Seelen und hat seit 1885 um 151,643 Seelen oder 6,24 Proz. zugenommen. Davon entfallen auf die

Reg.-Bez. Einwohner Zunahme
Magdeburg 1071421 81661
Merseburg 1075569 48341
Erfurt 433020 21641

Die jährliche Zunahme mit durchschnittlich 1,21 Proz. war stärker als in den Jahren 1880–85 (0,98 Proz.), aber schwächer als in der Zählungsperiode 1875–80 (1,27 Proz. jährlich). Nach dem Geschlecht entfallen auf 100 männliche 102,5 weibliche Personen. Städte mit mehr als 20,000 Einw. besitzt die Provinz 11, nämlich: Magdeburg 202,234, Halle a. S. 101,401, Erfurt 72,360, Halberstadt 36,786, Mühlhausen i. TH. 27,538, Nordhausen 26,847, Eisleben 23,897, Weißenfels 23,779, Aschersleben 22,865, Zeitz 21,680, Quedlinburg 20,761 Einw.

Sachsen-Altenburg. Die Bevölkerung betrug 1. Dez. 1890 (endgültiges Ergebnis) 170,864 Seelen und hat seit 1886 um 9404 Seelen, d. h. um 5,82 Proz., zugenommen. Die Dichtigkeit der Bevölkerung ist von 122 auf 129 Einw. auf 1 qkm gestiegen. Nach dem Geschlecht unterschied man 1890: 83,010 männliche und 87,854 weibliche Personen, nach der Religion 168,600 Evangelische, 2091 Römisch-Katholische und 45 Juden. Von den größern Städten hatten Altenburg 31,439 Einw., Schmölln 8588, Eisenberg 7349, Ronneburg 6011 und Gößnitz 5115 Einw.

Sachsen-Koburg-Gotha. Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dez. 1890 (endgültiges Ergebnis) 206,513 Seelen (gegen 198,829 im J. 1885). Sie verteilt sich auf die beiden Herzogtümer:

  Einw. Zunahme
Sachsen-Koburg 59287 1904 Ew. 3,3 Proz.
Sachsen-Gotha 147226 5780   4,1  
Zusammen: 206513 7684 Ew. 3,9 Proz.

Die Zunahme der Bevölkerung ist im Zeitraum 1885 bis 1890 mit jährlich 0,76 Proz. stärker als in den Jahren 1880–85 (0,42 Proz.), aber erheblich schwächer als in den beiden vorhergehenden Zählungsperioden (1,28, bez. 1,16 Proz.) gewesen. Nach dem Geschlecht entfallen auf 100 männliche 107 weibliche Personen. Die beiden Hauptstädte besaßen: Gotha 29,134 und Koburg 17,106 Einw.

Die Besetzung der höchsten Behörden wurde 1. Dez. 1891 so geregelt, daß der Staatsrat Strenge als Wirklicher Geheimer Rat und Staatsminister an die Spitze des Ministeriums trat und zugleich Vorstand der Gothaer Abteilung wurde; Staatsrat von Wittken wurde Vorstand der Koburger Abteilung und deren bisheriger Vorstand, Geheimer Staatsrat von Ketelhodt, Vorstand des 1. Departements in Gotha.

Sachsen-Meiningen. Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dez. 1890 (endgültiges Ergebnis) 223,832 Seelen (gegen 214,884 im J. 1885). Die Zunahme der Bevölkerung (8948 Seelen) ist im Zeitraum 1885–90 mit jährlich 0,82 Proz. etwas stärker als in den Jahren 1880–85 (0,74 Proz.), aber erheblich schwächer als in der Periode[WS 1] 1875–80 (1,25 Proz.) gewesen. Nach dem Geschlecht entfallen auf 100 männliche 105,5 weibliche Personen. Mehr als 10,000 Einw. besitzen die Städte Meiningen (12,029) und Sonneberg (11,480).

Sachsen-Weimar-Eisenach. Die Bevölkerung betrug 1. Dez. 1890 (endgültiges Ergebnis) 326,091 Seelen und hat seit 1885 um 12,145 Seelen, d. h. um 3,87 Proz., zugenommen. Die Dichtigkeit der Bevölkerung ist von 87 auf 90,7 Einw. auf 1 qkm gestiegen. Nach dem Geschlecht unterschied man 1890 157,905 männliche und 168,186 weibliche Personen, so daß das Verhältnis beider Geschlechter wie 100 : 106,5 ist. Neben 313,000 Evangelischen gab es 11,641 Römisch-Katholische und 1252 Juden. Von den größern Städten hatten Weimar 24,546 Einw., Eisenach 21,399, Apolda 20,880, Jena 13,449, Ilmenau 6453, Weida 5550, Neustadt a. O. 5491 Einw.

Sadismus, s. Sexualpsychologie.

Saenz Peña (spr. pennja), Luis, Präsident der argentin. Republik, geb. 1823 zu Buenos Ayres, studierte daselbst die Rechte, erwarb die Doktorwürde und wirkte seit 1845 in Buenos Ayres als Rechtsanwalt. 1860 wurde er zum Mitglied des Nationalkongresses gewählt, 1870 Senator der Provinz Buenos Ayres und 1874 Präsident des Nationalkongresses. Auch war er Vizegouverneur der Provinz Buenos Ayres, Bürgermeister

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Perriode
Empfohlene Zitierweise:
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19. Bibliographisches Institut, Leipzig 1892, Seite 797. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b19_s0811.jpg&oldid=- (Version vom 6.12.2025)