Seite:Meyers b8 s0297.jpg

Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 8

evangelische und 2 kath. Kirchen, 3 kath. Kapellen, 2 Waisenhäuser, Fabrikation von Baumwollwaren, Zigarren, Papier, Gipsbrennerei, Steinbrüche und (1885) 5861 Einw. (darunter ca. 800 Evangelische und 100 Juden). Die Stadt hat ein kath. Gymnasium, ein kath. Schullehrerseminar und eine Präparandenanstalt und ist Siz eines Amtsgerichts und eines bischöflichen Kommissariats. H. war ehedem die Hauptstadt des Fürstentums Eichsfeld, hatte eine kurmainzische Statthalterei und besaß ein reiches Jesuitenkollegium (1581 gegründet, 1773 aufgehoben), woraus das jetzige Gymnasium entstand. — 2) Nördlicher Vorort von Wien, mit Döbling und Nußdorf zusammenhängend, enthält die Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus (auf der hohen Warte) und ein israelitisches Blindeninstitut, hat 2 alte Kirchen, (1880, 4431 Einw., eine Schwefelsäure- und Chemikalienfabrik, Fabriken für Farben, Parkette, Sodawasser, Ziegel, Wachstuch und Lederstoff, ausgezeichneten Weinbau (am Nußberg), Wein- und Holzlager und eine Badeanstalt. Dabei ein Denkmal Beethovens, der hier gern verweilte.

Heiligenstein (Lapis divinus), s. Augenstein. Heiliger Abend, in manchen Gegenden jeder Abend oder Tag vor einem hohen kirchlichen Feste, da der selbe in der alten christlichen Kirche mit einer Vorfeier als Vorbereitung auf die eigentliche Festfeier began gen zu werden pflegte; insbesondere aber der Abend vor dem Weihnachts-, Neujahrs- und Dreikönigstag, namentlich der erstere. Ein Überrest der ursprüng- lichen Feier dieser Abende oder Vigilien (f. d.) hat sich noch an einigen Orten in den sogen. Christ: metten am Vorabend oder am Morgen des Weih- nachtstags erhalten. Heiliger Christ, . Weihnachten. Heiliger Geist (lat. Spiritus sanctus), ein wesent- licher Lehrartikel des Christentums. Im Alten Testa- ment heißt Geist Gottes« oder »Geist des Herrn zunächst der den an sich toten Stoff bildende und be- seelende, der lebendig machende Hauch Gottes. Als der Gottesbegriff im sittlichen Sinn sich vertiefte und verinnerlichte, wurde auch der Geiſt Gottes als Quelle alles intellektuellen und ethischen Wesens, insbeson- dere der prophetischen Erkenntnis und Begeisterung, aufgefaßt. In der rabbinischen Theologie des nach- erilischen Zeitalters erscheint der »Heilige Geist ge- radezu als Offenbarungsprinzip, ganz parallel dem von der alexandrinisch-jüdischen Philosophie aus- gebildeten Begriff der Weisheit (sophia) oder des Wortes (logos). Nachdem nun die christliche Ge- meinde in Jesus von Nazareth den Messias gefunden, führte sie zunächst seine prophetisch-messianische Be- gabung und Wunderkraft auf eine im Moment der Taufe stattgehabte Ausrüstung mit dem Geiſt Got- tes zurück. Bald wurde die Einwirkung desselben auf den Messias vom Moment der Taufe auf den Mo- ment der Geburt zurückdatiert, und es entstand so die zuerst in unserm ersten und dritten Evangelium ausgeführte, dann im apostolischen Symbol dogma- tisch firierte Vorstellung von der Erzeugung Jesu durch den Heiligen Geift. In andrer Weise wieder faßte Paulus den Heiligen Geiſt teils als personbil- dendes Prinzip in Jesus Christus, dessen Sündlosig- keit auf diesem Weg erklärt wurde, teils als das den Gläubigen in ihrer Verbindung mit ihm innewoh- nende übernatürliche Prinzip. Die ursprünglich mit dem Begriff des Heiligen Geistes verwandte Vor- stellung vom Wort (s.2ogos) wurde endlich im vier- ten Evangelium benutzt, um eine höhere Christologie (5. d.) durchzuführen, in welcher der Heilige Geist die Rolle eines unsichtbaren Fortsegers des Lebenswerkes Jesu, eines Ersages für die seit der Erhöhung des menschgewordenen Wortes von der Erde eingetretene Entbehrung spielt und »Paraklet«, d. h. Beistand, heißt. Dies alles trug dazu bei, die Auffassung des Heiligen Geistes als einer göttlichen Person zu be- feftigen und ihm im Anschluß an die Lehre der Apostel das Werk der Erzeugung, Erhaltung und Vollendung bed spezifisch christlichen Lebens in Sen Gläubigen a freiben, wenn auch die ältesten firgligen Schrift steller noch hier und da ein Bewußtsein davon ver- raten, daß das im Sohn Gottes fleischwerdende Wort und der den Menschen zum Messias und Sohn Got- tes weihende Geist ursprünglich einer und derselben Idee zum Ausdruck verhelfen wollten, nämlich der des Offenbarungsgottes im Gegensatz zu dem schlecht- hin übernatürlichen und unbegreiflichen Gott. So dauerte es fast vier Jahrhunderte, bis die beiden Vor- stellungen des Geistes und des Wortes Gottes nach mannigfachen Experimenten der Dogmatiker endlich untereinander ausgeglichen und durch Anwendung eines trinitarischen Schemas auf die ganze Gottes- lehre mit dem Begriff Gottes des Vaters gleichgestellt waren. Die letzten Anhänger der früher fast allge- mein herrschenden Lehre von einer Unterordnung des Geistes unter den Sohn wurden auf der ökumenischen Synode von 381 zu Konstantinopel als Macedonianer (ihr Haupt war Macedonius, 341-360 Bischof von Konstantinopel, gewesen) und »Pneumatomachen (Geistbekämpfer) verurteilt. Bald aber erhob sich be- züglich des Verhältnisses dieser nunmehrigen dritten Person der Trinität zu den beiden andern ein erbit- terter Streit zwischen der abendländisch-lateinischen und der morgenländisch-griechischen Kirche, indem die erstere zu dem konstantinopolitanischen Bekenntnis, wonach der Geist vom Vater ausgeht, im Interesse symmetrischer Abrundung der Trinitätslehre den Zu- saß machte: »und vom Sohn« (filioque). So in Spa- nien seit etwa 400, ausdrücklich auf der Synode zu Toledo 589, während die griechische Kirche darin eine Verlegung des Monotheismus sah. Die Reforma toren nahmen die ganze Lehre vom Heiligen Geist unbesehen aus den Händen der mittelalterlichen Kirche entgegen, und in diesem Sinn hat sie Kahnis (Die Lehre vom Heiligen Geist, Leipz. 1847) dargestellt, während die liberale Theologie in der Regel auf den Bahnen Schleiermachers wandelt, welcher im Hin blick auf die in der Apostelgeschichte berichtete Aus- gießung des Geistes über die erste Gemeinde der Gläubigen denselben als den christlichen Gemeingeist auffaßte, oder aber in der Weise der spekulativen Sy- steme im Heiligen Geiste den Gedanken der Selbst- offenbarung des unendlichen Geistes im endlichen ausgedrückt findet; weiteres s. Inspiration. Heiliger Geiftwein, s. Frankenweine. Heiliger Orden, s. Siam. Heiliges Bein, s. v. w. Kreuzbein (s. d.). Heilige Schar (griech. Hieros Lóchos), die von Pelopidas gebildete Schar von 300 auserlesenen thebanischen Jünglingen, welche, je zwei und zwei durch einen Freundschaftsbund auf Leben und Tod miteinander vereinigt, die andern zur Nacheiferung in Tapferkeit und Kriegszucht anspornen sollten. Durch sie siegte Epameinondas bei Leuktra 371 v. Chr.; bei Chäroneia 338 fand sie ihren ruhmvol- len Untergang und erhielt ein kürzlich wieder ent- decktes gemeinsames Grab. Nach ihr benannte sich in unsrer Zeit ein von Ypsilanti aufgebrachter Haufe junger Griechen, der 1821 zuerst gegen die Türken die Waffen ergriff, aber bei Dragaschan fast ganz ver-

Empfohlene Zitierweise:
verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 8. Bibliographisches Institut, Leipzig 1887, Seite 297. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b8_s0297.jpg&oldid=- (Version vom 23.7.2025)