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| Oskar Panizza u. a.: Zürcher Diskußjonen | |
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No. 13–15. [Zweiter Jahrgang.] 1899.
„Wißt Ihr Deutsche denn überhaupt, was Revoluzion ist?
Ihr habt keine Ahnung! Aber ich weiß es!
Napoléon zu den Jenenser Profeßoren 1813.
Es ist gewiß eine der merkwürdigsten geistigen Bewegungen, die wir zu Anfang dieses Jahrhunderts in Deutschland antreffen, jene Bewegung, die man in ihrer ersten Fase den „Tugendbund“, in ihrer weiteren Entwiklung die „Burschenschaft“, noch später den „Zeitgeist“ und die „demagogischen Umtriebe“ genant hat, aus der die Idee zur Wiedergeburt und Einigung Deutschlands hervorgegangen, von der die Gemüter allmälich angestekt wurden, und die schließlich in Bismarck einen Vertreter gefunden hat, der unter wörtlicher Wiederholung der burschenschaftlichen Fraseologie vom „Blut und Eisen“ das ein halbes Jahrhundert vor ihm ausgesprochene Prinzip als Staatsmann verwirklicht hat. Eine wißenschaftliche, psichologisch-erschöpfende Darstellung dieser Bewegung gibt es zur Zeit noch nicht, und ist bei der großen Wahrheitsliebe der Deutschen einerseits, bei dem zweifellos anarchistisch-propagandistischen Charakter, den die burschenschaftliche Bewegung wenigstens im Umkreise Follen’s gehabt hat, andrerseits, wol auch für’s Erste nicht zu erwarten[1]. – Wir geben hier nur so viel, als für die unumgängliche Beleuchtung unseres Helden nötig ist. –
- ↑ Das auch sonst politisch wertlose, mit der üblichen Unterscheidung von Gut und Böse geschriebene Buch E. V. Zenker’s „Der Anarchismus, kritische Geschichte der anarchistischen Theorie.“ Jena 1895, kent den großen und gewaltigen Kameraden Sand’s, den ersten Propagandisten auf deutscher Erde, den Privatdozenten Karl Follen (1796–1840) überhaupt nicht, und Sand nur dem Namen nach. – Wir geben dagegen im Folgenden ein Verzeichnis, der hauptsächlich für Sand in Betracht kommenden Literatur und zitiren nach dem ersten Nennwort: Fichte, J. G., Reden an die deutsche Nation. Berlin 1808. – Jahn, F. L. („Turnvater“), Deutsches Volkstum. Lübeck 1810. 2. Aufl. 1817. – Fries, J. F. (Filosof), Julius und Evagoras, oder die neue Republik. Heidelberg 1814. – Arndt, E. M., Entwurf einer deutschen Gesellschaft. Frankfurt 1814. – [Fries, J. F.,] Bekehret Euch! (Heidelberg) 1814. – Lieder auf dem Turnplatze zu singen. Friedland 1815. – Arndt, E. M., Deutscher Studentenstaat. Köln 1815. – Schmalz, Th., Berichtigung einer Stelle in der Bredow-Venturinischen Chronik für das Jahr 1808. Berlin 1815. – Schmalz, Th., Ueber politische Vereine. Berlin 1815 – Niebuhr, B. G., Ueber geheime Verbindungen im preußischen Staate und deren Denunciation. Berlin 1815. – Rühs, Fr., Das Märchen von den Verschwörungen. Berlin 1815. – Neues, allgemein deutsches Commers- und Liederbuch (hrsg. v. Gust. Schwab). Germania 1815; 2. Aufl. Germania 1816; 3. Aufl. Germania (Tübingen) 1820 u. s. f. – Krug, T., Das Wesen und Wirken des Tugendbundes. Leipzig 1816. – Fries, J. F., Vom deutschen Bunde und deutscher Staatsverfaßung, mit Vorrede „an Deutschlands Jünglinge“. Heidelberg 1816. – Krug, T., Darstellung des unter dem Namen des Tugendbundes bekannten sittlich-wißenschaftlichen Vereins. Berlin 1816. – Schmalz, Th., Ueber des Herrn B. G. Niebuhr’s Schrift wider die meinige, politische Vereine betreffend. Berlin 1816. – Schmalz, Th., Letztes Wort über politische Vereine. Berlin, 1816. – Schleiermacher, Fr., An den Herrn Geheimrath Schmalz.
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Vermutlich ein Pseudonym Oskar Panizzas.
Oskar Panizza u. a.: Zürcher Diskußjonen. Zürich, Paris: , 1897–1900, Seite 1. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Z%C3%BCrcher_Disku%C3%9Fjonen_(13%E2%80%9315)_001.jpg&oldid=- (Version vom 11.12.2025)