Seite:Zürcher Diskußjonen (13–15) 003.jpg
| Oskar Panizza u. a.: Zürcher Diskußjonen | |
|
|
Widerstand gegen den ruhmgekrönten, französischen Feldherrn vermögen. Man brauchte eine Idee: Vaterland, Freiheit, Teutschtum u. dergl. Man wante sich an das Volk. Aber dieses Volk, stumpfsinnig und versklavt, hatte ja nicht das mindeste Intereße, sich neuerdings totschlagen zu laßen. Napoleon brachte ja die Freiheit. Napoleon war ja eben das Schlußstük jener revoluzjonären Bewegung, die die französischen Fürsten, jene Blutsauger der Menschheit, die dem Volk sogar das Salz abpreßten, um im Sommer von Paris nach Versailles Schlitten fahren zu können, erschlagen und verjagt hatte. In Deutschland waren ja genau die gleichen Fürsten. Logischerweise hätten die Deutschen ihre Fürsten ebenfalls erschlagen und Napoleon zujubeln müßen, der ihnen menschenwürdigere Zustände brachte. Viele dachten so. Am ganzen Rhein dachte man so. Goethe war entzükt von diesem Genius der Menschheit. Noch in Heine’s Buch „Le Grand“ zitterte die gewaltige Bewegung der Gemüter nach beim Anblik Napoleon’s. Die Juden wären ja unter den deutschen Fürsten niemals frei geworden. Erst Napoleon machte sie zu Menschen. Warum solten sie ihm denn nicht dankbar sein? –
Diese deutschen Fürsten waren damals sehr zahm. Sie blikten das Volk mit den freundlichsten Bliken an. Sie wußten ja wol, eine Revoluzjon würden die Deutschen nie machen, und ihrer Köpfe wären sie sicher. Und die Deutschen, in dem warmen Brüderschafts-Verhältnis, in dem sie stets zu ihren Fürsten standen, dachten ja ebenfalls nicht entfernt an’s Totschlagen. So machte man den überall Konzeßjonen, die Erbuntertänigkeit wurde aufgehoben, Fichte’s „Zurükforderung der Denkfreiheit“ (1793) wurde bewilligt, die lezten Reste der Leibeigenschaft, die Adels-Monopole auf Landgüter wurden abgeschaft, die Fidei-Komiße wurden beschränkt, und man ahnte, welchen Wert ein zahlreicher, kräftiger Bauernstand für ein Land habe; der populäre Stein wurde berufen. Aber man brauchte noch eine Idee. Man wolte dem Volke nicht sagen: Laßt Euch für uns Fürsten totschlagen. Man dachte es; aber man wolte es nicht sagen. Es klang zu schlecht. Und so brauchte man eine Idee: Gott, Vaterland, Teutschland, Sitlichkeit u. dergl., für die man sich totschlagen laßen könne. – In diesem kritischen Zeitpunkte, 1808, – Fichte hatte seine aufmunternden „Reden an die deutsche Nazion“ schon gehalten – kam merkwürdigerweise ein – Slave, ein Herr Mosqua in Königsberg, Oberfiskal, auf den Gedanken, „eine patrjotische Vereinigung zur Tugendübung“ zu gründen [Voigt S. 5], die sich später auch „wißenschaftlich-sitlicher Verein“ nante. Als Zielpunkte waren angeführt: „Vaterlandsliebe, deutsche Selbstheit, körperliche Festigkeit, Geradsinn, Religiosität, festes Streben gegen Unsitte, Laster und Künstelei, Haß gegen Schmeichelei, Kriecherei, Verweichlichung und Menschenscheu, Liebe zur Wißenschaft, Humanität und Brüderlichkeit.“ In dieser Nomenklatur vom Jahr 1808 haben wir
des Bundestags-Beschlußes v. 20. Sept. 1819. Leipzig 1831. – Rocholz, Dr., Die Ergebniße der Untersuchung in Bezug auf den Bund der Unbedingten, oder der Schwarzen. Leipzig 1831 (die fünf lezten Publikazionen gehören zu dem größeren Werke: Gesch. d. geheimen Verbindungen der neuesten Zeit. 8 Hefte. Leipzig 1831–33). – Schwärmereien und unglückliches Ende eines Musensohnes. Ronneberg 1831. – Jarcke, C., Sand und ein an Kotzebue verübter Mord, psychologisch-criminalistische Erörterung. Berlin 1831. – Rechtlieb Zeitgeist, Entlarvung der sog. demagogischen Umtriebe, ein Beitrag zur Geschichte der europäischen Reaction seit d. Jahre 1815. Altenburg 1832. – Darlegung der Hauptresultate aus den wegen der revolutionären Complotte der neueren Zeit in Deutschland geführten Untersuchungen. Auf den Zeitabschnitt mit Ende Juli 1838. Frankfurt 1839. – Buchner, K., Ueber Karl Follen, in: Theodor Mundt’s „Freihafen“. Berlin 1840. – Voigt, J., Geschichte des sog. Tugendbundes. Berlin 1850. – Keil, Rich. und Rob., Geschichte des Jenaischen Studentenlebens von der Gründung der Universität bis zur Gegenwart [1548–1858]. Leipzig 1858. – Pabst, K. R., Theodor Müller’s Jugendleben in Meklenburg u. Jena. Aarau 1861. – Follen, Elisa, Works of Charles Follen. New-York ca. 1860. – Matilde Gräfin von Reichenbach, Arndt und Follen. Zeitgemälde aus den deutschen Befreiungskriegen. Leipzig 1862. – Keil, Rob. und Rich., Die Gründung der Burschenschaft (zum 50-jähr. Jubiläum). Leipzig 1865 (2. Aufl. 1873). – Klemen, Dr. H., Ein Stück Geschichte der ersten deutschen Burschenschaft. Aus meinem Leben. Lemgo 1867. – Elvers, Rud., Viktor Aimé Huber. Bremen 2 Bde. 1872–74. – Ruge, Arnold, Aus früherer Zeit. 4 Thle. Berlin 1863–67. – Keil, Rob. u. Rich., Die burschenschaftlichen Wartburgfeste v. 1817 und 1867. Leipzig 1868. – Hase, Karl, Ideale und Irrtümer. Leipzig 1872. – Nietzsche, Friedr., Vorlesungen über die Zukunft unserer Bildungsanstalten, gehalten in Basel 1872. Werke Bd. IX. Leipzig 1896. – Münch, Friedr., Erinnerungen aus Deutschlands trübster Zeit. 1873. – Braun, Karl, Mordgeschichten. Bd. I. Hannover 1875. – Frommann, Fr. J., Das Frommann’sche Haus und seine Freunde 1792–1837. Jena 1876. – Menzel, W., Denkwürdigkeiten, hrsg. v. Karl Menzel, Bielefeld 1877. – Schmid, W. R., Das Wesen der Burschenschaft. 2. Aufl. München 1880, 4. Aufl. Jena 1890. – Leo, H., Aus meiner Jugendzeit. Gotha 1880. – Bärnstein, A. P. von, Beiträge zur Geschichte u. Litteratur des deutschen Studententhums. Würzburg 1882. – Régis, Dr. E., Les Régicides dans l’histoire. Lyon 1890. – Lombroso, C. und Laschi, R., Der politische Verbrecher, deutsch v. Kurella. Hamburg 1892. – Loßen, Max, Die christliche Lehre vom Tyrannenmord. Festrede. München 1894. – Burschenschaftliche Blätter, hrsg. v. G. H. Schneider. Berlin 1886 ff. – Schneider, G. H., Der deutsche Bund Friedr. Ludwig Jahn’s und deßen Beziehungen zur deutschen Burschenschaft. Veröffentlichungen des Archivs für die deutsche Burschenschaft, Heft II. Berlin 1895. – Goedeke, K., Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. 2. Aufl. Bd. V. Dresden 1897. – Schneider, G. H., Die Burschenschaft Germania zu Jena. Jena 1897. – Langguth, W., Zur Geschichte der deutschen Burschenschaft. Beil. z. Allg. Ztg. München 1898. Nr. 171–172.
Oskar Panizza u. a.: Zürcher Diskußjonen. , Zürich, Paris 1897–1900, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Z%C3%BCrcher_Disku%C3%9Fjonen_(13%E2%80%9315)_003.jpg&oldid=- (Version vom 25.12.2025)