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| Oskar Panizza u. a.: Zürcher Diskußjonen | |
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schon den ganzen Bestand an Schlagwörtern der späteren Burschenschaft beisammen. Sand und Follen wiederholen ihn wörtlich. „Blut und Eisen“ komt 1810 aus den Gedichten Schenkendorf’s hinzu:
„Denn nur Eisen kann uns retten,
Und erlösen kann nur Blut …“
Die Gründung, eine spezifisch norddeutsch-protestantische Bewegung, ist der sog. „Tugendbund“; er fand die staatliche und königliche Genehmigung und breitete sich über ganz Nord- und Mitteldeutschland aus.
Hier sezen wir mit dem Vorleben Sand’s, der ein direkter geistiger Abkömling der norddeutschen Tugendbündelei war, ein. Er war in Wunsiedel, dem Geburtsort des fantasiereichen Jean Paul, im heutigen bairischen Oberfranken, als Sohn eines pensjonirten preußischen Justizrats (nicht eines protestantischen Pfarrers, wie liebevoll der katolische geistl. Rat und Geschichtsschreiber A. Buchner in seiner „Gesch. von Bayern“ Bd. X. S. 524. München 1855 annimt), 1795 geboren. Keine Spur von Belastung. Eltern und Geschwister waren alle normal, gesund. Ebenso Sand. Er hatte nach Absolvirung der humanistischen Studien in Hof und Regensburg, wo er die schmeichelhaftesten Zeugniße erhielt – „ich hatte keinen hoffnungsvolleren Schüler als ihn“, schreibt Rektor Saalfrank; „er ist von der Vorsehung mit herrlichen Geistesanlagen beschenkt“ heißt es aus Regensburg [Acten-Auszüge 94 f.] – die Universität Tübingen bezogen, als, 1815, der zweite Feldzug gegen Napoleon ausbrach. Sand ließ sich sofort als freiwilliger bairischer Jäger einschreiben und zog, wie ein von hoher Begeisterung durchlohter, mit Körner’schen Freiheitszitaten durchspikter Brief an seine Eltern ausweist [ebenda 97–100] wolgemut in’s Feld. Er kam bis Fontainebleau. Nach der Schlacht bei Waterloo zog man wieder heim. Gefochten hat er nicht. Schon im Dezember des gleichen Jahres ließ er sich als Teologe in Erlangen imatrikuliren. Dort traf ihn bald darauf ein ähnlich tragisches Ereignis, wie seiner Zeit Luther, und scheint einen ähnlich tiefen Eindruk in seinem überhaupt erregbaren Gemüt zurükgelaßen zu haben: einer seiner vertrautesten Freunde ertrank vor seinen Augen, und er selbst war in Lebensgefahr [Tagebücher S. 98–112]. Vielleicht, daß dies Ereignis seiner Lebensfreude einen Stoß gegeben, und, wie bei Luther, ein gewißes weltflüchtiges Gefühl in ihm gewekt hat. Im Sommer 1817 predigte er in der Hauptkirche zu Erlangen und ging dann nach Semesterschluß nach Jena, wo er sich in die neugegründete „Burschenschaft“ aufnehmen ließ. –
Schon im Jahre 1809 hatte sich zu Jena ein Studenten-Verein gebildet, der, im bewußten Gegensaz zu dem Sauf- und Pauk-Zwang der „Landsmannschaften“, durch „Einrichtung von Kränzchen auf die sittliche und wißenschaftliche Bildung der Vereinsmitglieder einwirken wolte“ [Schneider S. 20]. Wir hören hier die Sprache des „Tugendbundes“. Dieser Tugendbund war schon nach kaum einjährigem Bestehen in den Verdacht „staatsverräterischer Handlungen“ gekommen [Voigt 97], und der König von Preußen hatte ihn aus Furcht, es könne in ihm neben dem Gefühl der Tugend auch das der Freiheit entstehen, noch im Jahre 1809 aufgehoben. Aber die Ideen für Einheit, Teutschtum, Unabhängigkeit, Selbstzucht, Nakensteife hatten schon Wurzel geschlagen. Jahn hatte schon in seinem „Deutschen Volkstum“ (1810) und in „Ordnung und Einrichtung der deutschen Burschenschaften“ (die bis auf 1797 zurükgehen), eine Neu-Auffaßung der bürgerlichen Gesellschaft bekundet, und Arndt, der „Hauptsprecher und Anreger politischer Gedanken“, hatte in seinem „Entwurf einer deutschen Gesellschaft“ (1814) seinen vaterländischen Ideen Ausdruk verliehen. Ihnen schloßen sich an u. A. der Kriminalrichter W. Snell in Dillenburg, Prof. C. Welcker, der Dozent G. Welcker, beide in Gießen (die sog. „staatsgefährliche, deutsche oder: Wetterauische Gesellschaft“) [s. Welcker S. 242–272]. Da der König nicht im Stande war, diese Ideen zu seinen Gunsten zu nüzen, so wanten sie sich gegen ihn. Und aus dem Stein, den die Bauleute in Preußen verworfen, erwuchs in Mitteldeutschland der Bau der Burschenschaft und Alldeutschlands. – Im Jahre 1810 hatte sich in Berlin eine Verbindung „Vandalia“ aufgetan, die zwar noch landsmannschaftlichen Charakter hatte, aber durch ihre stark patrjotische Gesinnung und ihre begeisterte Aufnahme der von Arndt, Jahn und Fichte ausgesprochenen Ideen bereits burschenschaftliche Färbung trug (Gervinus, Gesch.
Oskar Panizza u. a.: Zürcher Diskußjonen. , Zürich, Paris 1897–1900, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Z%C3%BCrcher_Disku%C3%9Fjonen_(13%E2%80%9315)_004.jpg&oldid=- (Version vom 14.12.2025)