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der Sohn des Dichters, den Artikel zum drittenmal im Weimarer „Volksfreund“ ab. Nun war der Skandal öffentlich und Kotzebue’s Verfahren vor aller Welt aufgedekt. Er versuchte, den rußischen Kaiser mit hineinzuziehen, aber der allgemeine Unwille war so groß, daß er nach Mannheim flüchtete. –

Doch der Dolch war schon für ihn geschliffen.

Bevor wir nun Sand auf seinem Mordgang begleiten, sei hier noch einer kleinen Gruppe in der Burschenschaft gedacht, der sog. „Schwarzen“ oder „Unbedingten“, welche von Gießen aus sich über West- und Mittel-Deutschland verbreitet hatte, die entschieden die „Propaganda der Tat“, wie wir es nennen, auf ihre Fahne geschrieben, und mit der auch Sand in Berührung gekommen war. – Die burschenschaftliche Bewegung war nicht, wie es z. B. später das Einigungs-Werk Bismarck’s war, oder wie es die Reformazion gewesen, das Resultat der Geistesarbeit eines einzelnen Mannes, sondern die koordinirte Arbeit einer ganzen Menge von Gruppen, die dem Zeitbedürfnis entgegenkamen. Jahn’s Turnerbund war nicht dasselbe, was Arndt mit seinem „Studentenstaat“ in Absicht hatte; beide entsprechen wiederum nicht ganz dem „Tugendbund“ der vorausgegangenen Jahre; die Berliner „Vandalia“, aus der wesentlich die Jenenser Burschenschaft erwuchs, war nicht identisch mit dieser lezteren; und eine noch ältere Hallenser Verbindung war wieder etwas Anderes. Der Boden war eben überall aufgewühlt und allerorts schlugen die Flammen einer neuen Pfingst-Begeisterung empor. Eine dieser Flammen waren auch die Gießener „Schwarzen“. Im Mittelpunkt der Bewegung finden wir dort die beiden hochbegabten Brüder Karl und Adolf Follen, die Söhne des in Gießen wohnenden heßischen Landrichters Hofrat Christof Follenius; Beide studirten jura, Beide hatten als „freiwillige Jäger“ die Schlacht bei Leipzig und den Feldzug gegen Frankreich mitgemacht. Nach der Rükkehr aus dem Feldzug traten sie, wie viele Andere, nicht mehr den Landsmannschaften bei, sondern gründeten in Gießen 1814 mit Gleichgesinten zuerst die „Deutsche Lesegesellschaft“, dann den „Bildungs- und Freundschafts-Verein“, hießen dann allgemein „die Unbedingten“, nach ihrer Tracht von ihren Gegnern, den Landsmannschaften, „die Schwarzen“. Im Gegensaz zu lezteren legten sie die Kokarde ihrer Landesfürsten ab, kleideten sich in den altdeutschen Rok und ließen das Haar lang wachsen. Sie verschworen das „Saufen“ und unnötiges Pauken, beschäftigten sich auf ihren Zusammenkünften mit filosofischen, historischen, überhaupt wißenschaftlichen Studien und suchten in „Sitte, Sprache, Tracht und Geberde alles Unsittliche und Undeutsche sorgsam zu vermeiden“ [Rocholz 5]. Ihre Statuten hießen der „Ehrenspiegel“. Unter den Ausschußmitgliedern befand sich ein „Censor (Rüger)“. Sie beschäftigten sich aber außerdem mit der zukünftigen politischen Gestaltung Deutschlands, gaben hierbei einem „Freistaat“ den Vorzug vor dem monarchischen Sistem und erklärten, daß „die Suveränität als im Volk beruhend anerkant werden müße.“ Wir finden dann noch folgende höchst bemerkenswerte Grundsäze aufgestelt: „Eine Wißenschaft ohne Leben ist weniger als ein Leben ohne Wißenschaft“; dies solte heißen: das Leben als solches ist mehr wert wie die Wißenschaft, und: die wißenschaftlich erkanten Grundsäze seien unbedingt auch im Leben durchzuführen. – Ferner: „wenn der Staat nicht strafen kann oder will, so kann ein ratloser Zustand eintreten, in dem das Strafrecht des Einzelnen erwacht, wobei dann diesem die Ausübung des Straf-Amts zusteht.“ – Entscheidend ist aber das Folgende: „Die Würdigung einer Tat ist subjektiv; es gibt sonach keine lediglich objektiv böse Handlungen; auch eine ihrer Wirkung nach strafbare Tat wird durch die gute Absicht gerechtfertigt; der Zwek heiligt also die Mittel“ [Rocholz 13–14]. Damit standen die (mit Recht sich so nennenden) „Unbedingten“ zweifellos, ebenso wie die Jesuiten und wie die katolischen und protestantischen Lehrer des „Tirannenmords“ auf dem anarchistischen Standpunkt der „Propaganda der Tat.“ Es haben später der konservative Geschichtsprofeßor und Mitglied des preußischen Herrenhauses Heinrich Leo, der selbst Mitglied der „Unbedingten“ war, und Friedrich Münch, in ihren Aufzeichnungen noch von höchst abgeschmakten „Dolch-Teorien“ gesprochen, und Braun hat (S. 270–75) diese Teorien ohne jede Ahnung ihres historischen Zusammenhanges oder ihres filosofischen und politischen Wertes lächerlich zu machen gesucht, und sie höchst unpaßend ausgemalt. Wir übergehen das, weil unwesentlich. Was hier mitgeteilt ist, genügt vollständig, und Sand’s Tat illustrirte dann

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Oskar Panizza u. a.: Zürcher Diskußjonen. , Zürich, Paris 1897–1900, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Z%C3%BCrcher_Disku%C3%9Fjonen_(13%E2%80%9315)_013.jpg&oldid=- (Version vom 19.12.2025)