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Quelle bekant, daß hier in München im vorigen Jahre eine Versammlung von Viragines stattfand, wo unter anderm auch die Frage aufgeworfen wurde, ob die Männer überhaupt noch zum Geschlechtsgenuß zugelaßen werden solten. Mit knapper Stimmenmehrheit, mit einer einzigen Stimme Majorität, wurde die Frage „für diesmal noch“ bejaht, wenn auch unter manchen Einschränkungen. – Mein Gott, es fält uns ja nicht ein, die lesbische Liebe principjell zu „verdammen.“ Der Verdammungsstandpunkt ist für uns moderne Heiden überhaupt ein überwundner. Unter der anmutigen Form, wie sie uns Pierre Louys in seiner „Aphrodite“ schildert, sind wir gern bereit, sie als berechtigt anzuerkennen, als Bereicherung der Welt um ein grazjöses Laster. Aber an den Viragines unsrer Tage mit Herrenwesten und Lodenröken irgend ein ästetisches Wolgefallen zu finden – das ist zu viel verlangt.

Darwin erzählt uns, daß die englischen Schafzüchter sexuelle Zwischenformen aus ihrer Herde ausmerzen, weil sie weder schöne Wolle noch gute Hammelrüken liefern. Die Natur hat unter den Menschen bereits dasselbe getan. Die neusten Lehrbücher der patologischen Anatomie konstatiren, daß die Hermafroditen am Aussterben sind. Die Viragines, die bei uns die Männer abschaffen wollen, sind also wol zum größeren[WS 1] Teil nur hermafroditische Geister, mit denen der gesund-erotische Geist des neuen Heidentums, dessen Sieg wir vom nächsten Jahrhundert erhoffen, bald aufräumen wird.

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[WS: Der Anzeigentext wurde nicht transkribiert.]



Druk und Verlag der Zürcher Diskußjonen in Zürich.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: gößeren
Empfohlene Zitierweise:
Oskar Panizza u. a.: Zürcher Diskußjonen. Zürich, Paris: , 1897–1900, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Z%C3%BCrcher_Disku%C3%9Fjonen_(22)_008.jpg&oldid=- (Version vom 25.10.2025)