Stiftungsfeierlicher Fest-Commers-Gesang mit unterschiedlichen harmlosen Malitiösigkeiten


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Stiftungsfeierlicher


Fest-Commers-Gesang


mit unterschiedlichen harmlosen Malitiösigkeiten


nach der Melodie: Schier dreissig Jahre bist du alt etc.




Nun hebet an aus voller Brust
     Ein stiftungsfestlich Lied,
Dass es, geschwellt von heller Lust,
     Den ganzen Raum durchzieht.
Beim Sange wächst der Enthusiasmus,
Zumal, wenn dabei aus dem Fass muss
     Gambrinus’ Zaubersaft

Zwar drückt die Noth der schweren Zeit
     Auch schmählich auf die Kunst,
Und nur ’ne magre Festlichkeit
     Gab uns der Götter Gunst.
Doch lassen wir´s uns nicht verdriessen,
Die Feier würdig zu geniessen
     In dulci jubilo.

So lange unserm Institut
     Steht Anke’s Oscar vor,
Ist es in allerbester Hut
     Und wächst und blüht empor.
Und Löhnert als Finanzminister,
Ein treuer, sich’rer Bürge ist er,
     Dass gut die Actien steh’n.

In Räderbraus und Essendunst
     Und all den Lärm und Graus,
Wirft ihre Strahlen hell die Kunst
     Aus weiland Lechla’s Haus.
Und Tausende mit Kennerblicken
Geniessen meistens mit Entzücken
     Der Bilder reiche Zahl.

Ja, für die Künstler -Concurrenz
     Wird bald der Raum zu klein;
Wenn etwa noch ein neuer Gentz
     Sich leinwandreich stellt sich ein.
Doch für die Kistendeckelmätzchen
Bleibt immer noch parat ein Plätzchen; –
Es wär’ auch schade drum!

Doch nicht nur die edle Kunst
     Verbrauchen wir viel Kraft;
O nein, bei uns steht auch in Gunst
     Die hohe Wissenschaft;
Denn auch an schöne Kunstvorträge
Verschwenden wir die beste Pflege;
     Nur fall’n sie meistens aus. –

Was man mit seinem Darleh’nsschein
     Recht eigentlich beginnt.
Das macht so manchem schweren Pein;
     Drum rath’ ich ihm geschwind:
Er schenk’ ihn schleunig der Gesellschaft,
Die in mit wünschenswerther Schnellkaft
     Gut anzulegen weiss. –

Kunsthütte nennt man den Verein;
     Doch würde in der That
Pechhütte manchmal besser sein.
     Wenn die Verloosung naht.
Dem Vorstand ganz besonders blühet,
Sobald man die Gewinne ziehet,
     Ein ungeheures Pech.

Dass wir berühmt sind fern und nah,
     Das ist kein blosser Wahn;
Schon beut man unsrer Sammlung ja
     Crepierte Bestien an.
Will es der Ausschuss denn nicht wagen
Für die Verlosung vorzuschlagen
     Den „rothen Nasenbär“.

Was unser Pabst ist im Verein,
     Der heimst manch’ Jährlein schon
Mit Eifer Peterspfenn’ge ein
     Für den Reservefond.
Doch spielt er auch den Kunstgenossen
Zuweilen einen kleinen Possen
     Durch seine Infallibilität.

Beim Kegeln wird vor Dingeldey
     In heller Angst gewarnt,
Weil er ein Mundwerk hat für Zwei;
     Doch der Tapeten-Arndt
Geht mit dem allerbesten Wollen
Beim Schirben gerne in die Vollen, –
     Und manchmal trifft er auch.

Der Schillerplatz erheitscht schon lang
     Sein Brunnenmonument;
Doch steuert unserm Künstlerdrang
     Das städt’sche Regiment.
Er sagt: Ja, gut ist unser Wille;
Doch leider fehlt die plast’sche Fülle
     Dem Säckel unsrer Stadt.

Doch darum keine Feindschaft nicht!
     Nur immer langsam voran.
Wir thun getreulich unsre Pflicht,
     Und brechen uns schon Bahn.
Drauf lasst die Gläser uns erheben:
Das hies’ge künstlerische Streben
Vivat, crescat, floreat!

 E. W.




Druck A. Wiede, Chemnitz