Wiederseh’n

« Grabschrift auf einen ertrunkenen Jüngling Gedichte (Friederike Brun) Die Nymphe von Vaucluse »
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         Wiederseh’n.

   An Damon und Pythias.

       (Im Mai 1792).


Aus dem Dunkel der tiefgewölbten Felskluft,
     Nah’ umlispelt von leisen Wasserfällen,
          Schauet mein Geist der Zukunft Lichtgefilde,
               Schauernd vor Wonne.

5
Von der sonnigen Höh’ des Blumenhügels,

     Sanft vom schmeichelnden Felsenstrom umwallet,
          Schweb’ auf rosigem Fittig leicht, o Psyche!
               Ueber der Erde.

Auf des grünlichen Sees beglänzte Tiefe

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     Blick’ ich bebend hinab; vom West umathmet

          [91] Schauert leise die Flut; in jedem Wellchen[1]
               Lächelt der Himmel.

Kühner kreiset der Flug auf goldnem Aether,
     Rings vom schärferen Luftstrom laut umsäuselt;
          Tönend senket er sich am unerstiegenen
               Gipfel der Jungfrau.

Ach! mit hellerem Blicke trinkt des Abends
     Rötheres Gold mein Äug’ am näheren Himmel;
          Silberner stralet der Mond mir hier, und milder
               Hesperus Schimmer.

Was entwallet fernher dort des Lemanns
     Blauem Gedüfte, sanft wie Schwanenfittig?
          Näher schimmert’s empor – O Lichtgebilde
               Seyd mir gegrüsset!

Traulich lächeln sie mir aus Duftgewölken,
     Gleich dem Zwillingsgestirn der Tyndariden,
          [92] Ewig vereint, die edlen nie getrennten
               Seelen der Freunde.

Schneller steigen wir jezt im engen Kreise;
     Trüb entdämmert die Erd’. O Alpenkette,
          Nur dein hoher Reigen, vom Mond beleuchtet,
               Winkt in der Tiefe!

Oeffne den Schooß, o reiner Aetherhimmel!
     Rauschet Palmen, und rieselt, Lebensbäche!
          Feiert, Engel! der treusten Erdenfreundschaft
               Hohe Verklärung.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Gemäß den Verbesserungen aus dem Anhang: Veilchen → Wellchen