William Shakspeare's sämmtliche Gedichte/Sonett LXI

[33]

Gebeutst du deinem Bild, wach zu erhalten
Mein müdes Auge in der dunkeln Nacht?
Ist es dein Wille, daß in Traumgestalten
Dein Antlitz neckend mir entgegenlacht?

5
Ist es dein Geist, den du von dir entsandt

Von ferne her, mein Treiben zu erspäh’n?
Hat deine Eifersucht dich hergebannt,
Um mich beschämt in leerem Thun zu seh’n? –
Nein, deine heft’ge Lieb’ ist nicht so groß,

10
Nur meine eigne hält das Auge wach;

Die eigne Liebe macht mich schlummerlos,
Und folgt als Wächter überall dir nach.
    Bewachen muß dich meine Liebe ja,
    Von mir so fern und Andern allzu nah!