Zedler:Xang, Tang, oder Chim-Tam
Xang, Tang, oder Chim-Tam, Lateinisch Tangus, ein Chinesischer Kayser, woar der erste unter denen aus der Familie Xam. Er war schon 87 Jahre alt, als er im Jahr der Welt 2183 das Regiment antrat. Er konnte sein Geblüte im 17 Grade von dem KönigeHoam-Ti herführen, welcher unter den ersten acht Königen der Dritte gewesen ist. Die Freude war nicht zu beschreiben, die wegen seiner Erhöhung auf den Thron im gantzen Königreiche entstund. Er selbst aber besorgte, es möchte ihm mit der Zeit Schuld gegeben werden, als wenn er sich unrechtmäßiger Weise auf den Thron gedrungen hätte, deßwegen legte er die Krone dreymahl nach einander nieder, ward aber allemahl genöthiget, dieselbe wiederum anzunehmen. Hierauf suchte er sich auf alle Weise bey den Unterthanen beliebt zu machen: Die Bergwercke, die zu seiner Zeit entdecket [594] wurden, die ließ er den Privat-Personen, und begehrte nichts daven in seine Cammer. Die allzuharten Gesetze, die sein Vorfahrer gegeben hatte, ließ er abschaffen. Ja seine gantze Hofhaltung war wie eine Sitten-Schule, darinnen die Unterthanen zu einem Tugendhafften, u. also auch glückseligen Leben angewiesen wurden. Auch die Königl. Gefässe über der Tafel ließ er mit allerhand erbaul. Sinn-Bildern zieren, zum Exempel das Becken, darüber er sich die Hände zu waschen pflegte, das führte diese Aufschrifft: Alle Tage erneure dich. Zu seiner Zeit entstund eine grosse Dürre in China, nachdem es gantzer sieben Jahre nicht geregnet hatte. Wie nun das Orackel gefraget wurde, wie dieser Noth abzuhelffen wäre? so gab es zur Antwort: Daß nur ein eintziger Mann im Lande wäre, der das Unglück durch sein Gebet abwenden könnte. Dieses zog der König alsobald auf sich, fieng an zu fasten, scbnitte sich die Nägel von den Fingern, und das Haar vom Haupte, bestreuete sich mit Aschen, gieng baarfuß einher, fiel auf den Erdboden, und wiederholete folgendes Gebet sechsmahl nach einander: „Du grosser Beherrscher des Himmels und der Erden, habe ich was böses begangen, so laß es dein armes Volck nicht entgelten. Schütte deinen Grimm auf mich, und nicht auf das unschuldige Vaterland. Ist mein Regiment nicht gut bestellet; hat Hochmuth und Schwelgerey an meinem Hofe Überhand genommen; habe im den Schmeichlern und Ohrenbläsern Gehör gegeben; oder habe ich sonst was gesündiget: so straffe den bösen Hirten, und schone der armen Schaafe!“ Als er diese Worte zum sechsten mahle noch in dem Munde hatte, so fiel plötzlich ein solcher Platz-Regen vom Himmel, dadurch das gantze Reich gewässert; und wieder erquicket ward. Es giebet Leute, welche das eben vor die grosse Dürre halten, die sich zu Josephs Zeiten in Egypten zugetragen hat; wenn auch die Zeit-Rechnung etwas genauer einträffe, so wäre nicht daran zu zweiffeln. Endlich ist er 2196 mit Tode abgegangen, nachdem er 13 Jahre regieret hatte. Sein Enckel, Tai-Kia, folgte ihm in der Regierung. Allgemeine Chronicke, Theil I, p. 33. Hübners Fragen aus der Politischen Historie, Theil IX, p. 566. u. ff.