Zedler:Xankungo


Xankungo, ein Zauberer, aus der Herrschaft Ci gebürtig, brachte durch seine Teuffels-Kunst so viel zuwege, daß der Kayser sein verstorbenes liebstes Kebs-Weib, Changoa genannt, wieder bey sich haben konnte, so offt er gewolt. Denn der Zauberer hatte ihn vorher schon beredet, das jenige Kebs-Weib wäre nicht gestorben, sondern sie wohnte als unsterblich in dem Mond, sintemahl sie eben auch von demjenigen Lebens-Tranck, so der Kayser für sich zubereitet, heimlich genossen. Nun aber getraue er ihm, als ein Herr der Geister, solche dem Kayser gar wohl aus dem Mond herab zu bringen, so offt es ihm belieben würde. Ueberdieß hat er dem Kayser auch gerathen, er solle einen Thurm bauen lassen, einig und allein zu dem Ende, damit er sich mit der Changoa darinnen erlustigen möchte; wenn er aber wolte, daß sie dahin kommen möchte, so solte er zuvor den Geistern opffern. Dieses teuffelische Gauckelwerck gieng zwar eine Zeitlang an, endlich aber wolte ihm die Kunst nicht mehr gut thun, noch das Kebs-Weib dem Kayser hinführo aus dem Mond erscheinen. Da nahm er ihn vor, weil sie ja nicht von dannen mehr zu ihm heraussteigen wolte, einen so hohen Thurm, der bis an den Mond reichte, zu bauen. Seine Räthe und Bedienten aber mißriethen ihm solches, dieweil er doch nichts damit würde ausrichten können. Der einige Werckmeister, dem solcher Bau anbefohlen, hat den Kayser endlich davon abgehalten, indem er ihn bewiesen, daß es unmöglich wäre. Er wolte zwar wohl, sprach er sehr listig, den Thurm bauen, allein darzu gehörte eine [597] so grosse Grundlegung zu der gantz China nicht genung wäre, sondern er müste von denen angrentzenden Königreichen noch ein merckisches Stück Landes darzu haben. Damit er nun das gantze Land China nicht so schändlich verderbete, so hat endlich von diesem Anschlag nachgelassen. Unterdessen merckte der vorige Zauberer gar wohl, daß er mit seiner Kunst zu kurtz kommen möchte, ersonne deswegen eine andere List, und schrieb im Nahmen des Kebs-Weibes Changoa die Ursache ihres Aussenbleibens auf ein seidenes Tuch, in welchem Brief sie dem Kayser einen Verweiß gab, daß er sie nicht nach Gebühr ehrte. Solche Schrifft gab hernach der Zauberer einer Kuh zu fressen, stellte sich alsdenn als könnte er für Furcht nicht recht reden, gieng hin zum Kayser, und sprach ihn also an: „Ich kan nicht wissen, was ich oder du übels gethan haben. Ich sehe mein Wunder an dieser Kuh, und bitte deswegen, daß du sie doch öffnen lassen wollest, da wirst du sehen, und mit Wunder vernehmen, warum das unsterbliche Weib nicht mehr zu dir kommen wolle.“ Darauf ward die Kuh geöffnet, uad das seidene Schrifft-Tuch darinnen gefunden, in welchem eitel erdichtete Händel zu finden waren: Allein der Kayser, weil er sonst sehr arglistig, betrachtete die Buchstaben mit allem Fleiß, und befand, daß es des Zauberers Schrifft wäre, den er endlich nach entdeckten Betrug, und freyer Bekenntniß mit ernstlicher Lebens-Straffe angesehen. Rogers offene Thür zum Heydenthum, p. 714. Männlings Curiositäten Alphabet, Th. III, p. 464 u. ff.