Einleitung
In reellen Zahlen gibt es den Betrag, um z.B. Konvergenz im Raum ausdrücken zu können. Mit dem Betrag kann man
-Umgebungen definieren und die Folgenkonvergenz wird über diese
-Umgebungen definiert. Ferner werden zu kreisförmigen Nullumgebungen
Minkowski-Funktionale definiert, in Abhängigkeit von topologischen Eigenschaften der Menge bestimmte Eigenschaften der Minkowski-Funktionale liefert.
Konvergenz in den reellen Zahlen
Die reellen Zahlen mit dem Betrag
ist ein normierter Raum und
eine Folge in
und
:

Konvergenz in normierten Räumen
Analog definiert man die Konvergenz in normierten Räumen
eine Folge in
und
:

Epsilonumgebungen
Die Betrag bzw. allgemeiner die Norm wird in
auch zur Definition der
-Umgebungen verwendet.

Diese topologieerzeugenden Funktionale (Gaugefunktionale) werden für die Definition der Algebraerweiterungen benötigt, in den ein gegebenes
ein inverses Element besitzt. Die Topologisierung der Potenzreihenalgebra erfolgt später mit Gaugefunktionalen (z.B. Halbnormen,
-Halbnormen, ...)
Absorbierende Mengen
Die Gaugefunktionale werden über kreisförmige absorbierende Nullumgebungen definiert, für die dann das zugehörige Minkowskifunktional das zugehörige Gaugefunktional erzeugt. Die Grundlagen liefert die folgende Abschnitte.
Einführung Gaugefunktionale
Bei der Verwendung von Gaugefunktionalen werden die definierenden Eigenschaften einer Norm weiter verallgemeinert, um in analoger Weise topologieerzeugende Funktionale in beliebigen topologischen Algebren verwenden zu können. Dadurch wird es nicht mehr notwendig sein, z.B. Stetigkeit über die offene Mengen aus der Topologie zu beschreiben (siehe auch Stetigkeitssatz für lineare Abbildungen).
Definition: p-homogen
Sei
ein Vektorraum über
. Ein Funktional
heißt
-homogen, falls es ein
mit
gibt, für das gilt:

Ist
, so heißt
homogen.
heißt nicht-negativ, falls für alle
gilt
.
Definition: p-Gaugefunktional
Sei
ein Vektorraum über
. Ein nicht-negatives,
-homogenes Funktional
heißt
-Gaugefunktional auf
und für
Gaugefunktional.
Beispiel: p-Gaugefunktional
Sei
und
, dann ist
ein
-Gaugefunktional auf
.
Aufgabe: p-Gaugefunktional
Gegeben ist der Vektorraum
und das
-Gaugefunktional
. Zeigen Sie, dass
aber
. Welche Mengeninklusion gilt allgemein für
und
mit
und
?
Bemerkung
Die
-Homogenität hat einerseits eine engen Zusammenhang zur Stetigkeit der Multiplikation mit Skalaren und das
bestimmt den Zusammenhang mit eine Quasihalbnorm.
Definition: p-Gaugefunktionalsystem
Sei
ein Vektorraum über
,
eine Indexmenge und für alle
sei
ein
-Gaugefunktional auf
. Dann wird mit
die Menge aller
-Gaugefunktionale mit Indizes aus
bezeichnet, d.h.

heißt System von
-Gaugefunktionalen. Ist
nennt man
Gaugefunktionalsystem.
Definition: Äquivalenz von p-Gaugefunktionalsystemen
Sei
ein Vektorraum über
und
,
zwei
-Gaugefunktionalsysteme auf
. Die
-Gaugefunktionalsysteme
und
heißen äquivalent, wenn folgende beiden Bedingungen gelten:
- (EQ1)

- (EQ2)

Beispiel - p-Gaugefunktionalsystem
Sei
und
die Menge der stetigen Funktion von
nach
. Die Menge der
-Gaugefunktional wird mit
wie folgt definiert:

mit

Definition: Basiserzeugendes p-Gaugefunktionalsystem
Sei
ein topologischer Vektorraum mit dem System von offenen Mengen
auf
. Ferner sei
eine Menge von
-Gaugefunktionalen auf
. Das
-Gaugefunktionalsystem heißt basiserzeugend für
, wenn gilt:
- (BE1)

- (BE2)

Bemerkung: Basiserzeugendes p-Gaugefunktionalsystem
- (BE1) bedeutet dabei, dass die
-Kugeln
selbst offene Mengen sind.
- Mit (BE2) lässt sich jede offene Menge
aus der Topologie
als Vereinigung von
-Kugeln darstellen. Da beliebige Vereinigungen von offenen Mengen in einem topologischen Raum nach Axiom (T3) auch wieder offen sein müssen, ist damit die Vereinigung von
-Kugeln
mit
,
und
selbst wieder offen.
Definition: Subbasiserzeugendes p-Gaugefunktionalsystem
Sei
ein topologischer Vektorraum mit dem System von offenen Mengen
auf
. Ferner sei
eine Menge von
-Gaugefunktionalen auf
. Das
-Gaugefunktionalsystem heißt subbasiserzeugend für
, wenn gilt mit
:
- (SE1)

- (SE2)

mit

Bemerkung: Unterschied topologieerzeugend - subbasiserzeugend
Bei einem topologieerzeugenden
-Gaugefunktionalsystem vereinfacht (T2) man die Handhanbung von endlichen Schnitten offener Mengen in einer Topologie. (S2) muss daher endliche Schnitte der von Umgebungen berücksichtigen, indem man den Schnitt
-Kugeln
durch die Bedingung

mit
verlangt.
Definition: unital positiv
Sei
eine unitale topologische Algebra über
mit dem Einselement der Multiplikation
. Das
-Gaugefunktionalsystem
heißt unital positiv genau dann, wenn für alle
die Bedingung
.
Bemerkung: unital positives äquivalentes Gaugefunktionalsystem
Man kann ein
-Gaugefunktionalsystem auf einer topologischen Algebra durch eine äquivalentes unital positives
-Gaugefunktionalsystem ersetzen, indem man die Trennungseigenschaft eines Hausdorffraumes dazu verwendet, Minkowkifunktionale von kreisförmigen Nullumgebungen verwendet, die das Einselement nicht enthalten. Dann erhält man unmittelbar sogar
, wenn
und
als Minkowski-Funktional der absorbiernden Nullumgebung
verwendet wird.
Bemerkung: p-Norm und Norm
Der Begriff der Norm ist ein Spezialfall einer
-Norm mit
, die im folgenden definiert wird.
Definition: Norm
Sei
ein topologischer Vektorraum über dem Körper
. Ein Funktional
heißt Norm auf
, falls
folgende Bedingungen erfüllt:
- (N1)

- (N2)

- (N3)

- (N4)

Definition: Halbnorm
Sei
ein topologischer Vektorraum über dem Körper
. Ein Funktional
heißt Halbnorm auf
, falls
folgende Bedingungen erfüllt:
- (H1)

- (H2)

- (H3)

Bemerkung: Halbnorm - Norm
Falls (N2) in der Definition der Norm nicht gilt, erhält man eine
Halbnorm. (N2) sorgt für die Hausdorfeigenschaft in dem topologischen Vektorraum. Man kann mit der Norm die Punkte trennen, d.h. mit der Norm man messen, ob zwei Vektoren
sich unterscheiden, d.h.
bzw.
gilt.
Multiplikativ konvex - Submultiplikativität der Halbnorm
Ein Halbnorm ist submultiplikativ mit einer Stetigkeitskonstante
, wenn für alle
gilt:

nennt man Stetigkeitskonstante der Multiplikation.
Man kann die Halbnorm
durch eine äquivalente Halbnorm
ersetzen, für die
ist (siehe MLC-Regularität).
Lemma: Stetigkeitskonstante und Submultiplikativität
Sei
eine lokalkonvexe topologische Algebra mit dem basiserzeugenden Halbnormensystem
und eine submultiplikative Halbnorm mit Stetigkeitskonstante
und
gegeben mit:

dann gibt es eine äquivalente Halbnorm
mit

Beweis: Stetigkeitskonstante und Submultiplikativität
Ist
erhält die Submultiplikativität direkt mit

Beweis: Definition der Halbnorm
Gilt nun
, so definiert man für alle
:

und man erhält die Submultiplikativität über:

Beweis: Äquivalenz der Halbnormen
Die Äquivalenz der Halbnormen erhält man unmittelbar aus der Definition mit
, denn es gilt:

Bemerkung: Submultiplikativität
Ist eine topologische Algebra ein normierter Raum, so kann man im Allgemeinen nur sagen, dass die Submultiplikativität der Halbnorm mit einer bestimmten Stetigkeitskonstante der Multiplikation erfüllt, da die
-Kugeln um den Nullvektor eine Nullumgebungsbasis erzeugen. Das Lemma zeigt, dass man ohne Einschränkung eine Halbnorm mit Stetigkeitskonstante auch durch eine äquivalente submultiplikative Halbnorm ersetzen kann. Das Vorgehen kann man analog für lokalbeschränkte Räume übernehmen.
Definition: p-Norm
Sei
ein Vektorraum über dem Körper
und
. Ein Funktional
heißt
-Norm auf
, falls
folgende Bedingungen erfüllt:
- (PN1)

- (PN2)

- (PN3)

- (PN4)

Bemerkung
Für
kann man ein
-Norm auch zu einer Norm machen, indem man die Norm
wie folgt definert:

Beispiel
Sei
mit
und betrachtet man die Mengen der
-summierbaren Reihen
in den reellen Zahlen.

ist eine
-Norm auf dem
-Vektorraum
.
Definition: p-Normierbarkeit
Sei
heißt
-normierbar oder lokal beschränkt mit der Konkavitätskonstante
, falls eine
-Norm
,
existiert, die die Topologie auf
erzeugt (formal
).
Definition: p-Halbnorm
Sei
ein topologischer Vektorraum über dem Körper
und
. Ein Funktional
heißt
-Halbnorm auf
mit
als Konkavitätskonstante., falls
folgende Bedingungen erfüllt:
- (PH1)

- (PH2)

- (PH3)

Bemerkung: p-Norm - p-Halbnorm
Falls (PN2) in der Definition der
-Norm nicht gilt, heißt
-Halbnorm mit
als Konkavitätskonstante. Analog zur Halbnorm kann eine einzelne
-Halbnorm nicht die Punkte im topologischen Vektorraum trennen (Hausdorfeigenschaft T2).
Multiplikativ pseudokonvex - Submultiplikativität der p-Halbnorm
Ein
-Halbnorm ist submultiplikativ mit einer Stetigkeitskonstante
, wenn für alle
gilt:

nennt man Stetigkeitskonstante der Multiplikation.
Man kann die
- Halbnorm
durch eine äquivalente
-Halbnorm
ersetzen, für die
ist (siehe MPC-Regularität).
Definition: pseudokonvexer Vektorraum
Sei
heißt pseudokonvex, falls die Topologie
durch ein System
von
-Halbnormen erzeugt wird, das die folgenden Eigenschaften besitzt.
,
Formal notiert man
.
Bemerkung: topologieerzeugende p-Norm
Eine
-Norm ist topologieerzeugend für die Topologie
, wenn die folgende Bedingung gilt:

Die
-Kugeln werden im weiteren Verlauf für die Charakterisierung der Stetigkeit verwendet.
Definition: Epsilonkugeln von p-Gaugefunktionalen
Sei
ein Vektorraum und
ein
-Gaugefunktional auf
, dann ist die
-Kugel von
mit
um einen Punkt
(Bezeichnung:
) wie folgt definiert:

Definition: Quasinorm
Sei
ein topologischer Vektorraum über dem Körper
. Ein Funktional

heißt Quasinorm auf
, falls
folgende Bedingungen erfüllt:
- (QN1)

- (QN2)

- (QN3)

- (QN4)

Definition: Quasihalbnorm
Ein Funktional
auf einem Vektorraum
über dem Körper
heißt Quasihalbnorm mit Stetigkeitskonstante der Addition
, falls
die folgende Bedingungen erfüllt:
- (QH1)

- (QH2)

- (QH3)

Bemerkung: Quasinorm - Quasihalbnorm
Analog zu Halbnormen und Normen bzw.
-Normen und
-Halbnormen wird eine Quasinorm zu einer Quasihalbnorm
mit Stetigkeitskonstante
der Addition, falls (QN2) nicht mehr gilt.
Bemerkung: Stetigkeitskonstante
Die Stetigkeitskonstante hängt mit der Konkavitätskonstante einer
-Norm bzw.
-Halbnorm zusammen. Dies zeigt das Korrespondenzlemma für
-Halbnormen
Konvergenz über Netze
Sei
eine topologischer Raum,
und
ein Netz in
mit einer Indexmenge
, die nach oben gerichtet ist und eine partielle Ordnung besitzt. Die Konvergenz über Netze wird wie folgt definiert:

Definition: Algebrenklassen
Die Unterscheidung nach Algebrenklassen ist für die Untersuchung von permanent singulären Elemente wesentlich, da die Invertierbarkeit in einer Algebraerweiterung von der Klasse
abhängt.
Notation 1: Algebrenklassen
Sei
eine Klasse topologischer Algebren und
ein Körper, dann werden mit folgenden Symbolen Teilklassen topologischer Algebren bezeichnet:
Klasse der unitalen Algebren in
;
Klasse der kommutativen Algebren in
, "kommutativ" bezieht sich auf die Multiplikation in den Algebren.
Klasse der topologischen Algebren über
in
;
Notation 2: Algebrenklassen
Klasse aller topologischen Algebren;
Klasse aller Banachalgebren (vollständig, normiert);
Klasse der lokalkonvexen Algebren; d.h. Topologie durch ein System von Halbnormen erzeugt;
Klasse der multiplikativ lokalkonvexen Algebren;
Notation 3: Algebrenklassen
Klasse der
-normierbaren Algebren bzw. lokal beschränkten Algebren;
Klasse der pseudokonvexen Algebren; & d.h. Topologie durch ein System von
-Halbnormen erzeugt;
Klasse der multiplikativ pseudokonvexen Algebren.
Bemerkung: Pseudokonvexe Räume
Für pseudokonvexe Algebren kann das
-System auch aus den
entsprechenden Quasihalbnormen bestehen. Mit dem Korrespondenzsatz für
-Halbnormen wird
der Zusammenhang von
-Halbnormen und Quasihalbnormen erläutert. Ferner
müssen nicht alle
-Halbnormen
die gleiche
Konkavitätskonstante (siehe Definition Gaugefunktional)
besitzen, d.h. für
gilt

Aufgabe 1: Norm
Zeichnen Sie die
-Kugel in
mit
und
![{\displaystyle {\begin{array}{rrcl}\left\|\cdot \right\|_{p}:&\mathbb {R} ^{2}&\rightarrow &\mathbb {R} _{o}^{+}\\&x&\mapsto &\left\|\left({\begin{array}{c}x_{1}\\x_{2}\end{array}}\right)\right\|_{p}:={\sqrt[{p}]{|x_{1}|^{p}+|x_{2}|^{p}}}\end{array}}}](../_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/a247076c7b67d5b083441bb141d5add673311ef8.svg)
Zeichnen Sie den Rand der
-Kugeln
bzgl. der Norm
mit
und 
und 
Aufgabe 2: p-Norm
Zeichnen Sie die
-Kugel in
mit
und

Zeichnen Sie den Rand der
-Kugeln
bzgl. der Norm
mit
und 
und 
Siehe auch
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