Kurs:Lineare Algebra/Teil II/6/Klausur mit Lösungen


Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Punkte 3 3 0 4 3 0 2 8 2 2 3 6 3 0 3 0 10 52




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Das orthogonale Komplement zu einem Untervektorraum in einem - Vektorraum mit Skalarprodukt.
  2. Eine winkeltreue Abbildung

    auf einem reellen Vektorraum mit Skalarprodukt.

  3. Eine hermitesche Matrix.
  4. Der Kern eines Gruppenhomomorphismus
  5. Die Stetigkeit einer Abbildung

    zwischen metrischen Räumen und in einem Punkt .

  6. Den durch Körperwechsel aus einem - Vektorraum gewonnenen -Vektorraum.


Lösung

  1. Unter dem orthogonalen Komplement versteht man den Untervektorraum
  2. Eine lineare Abbildung

    heißt winkeltreu, wenn für je zwei Vektoren die Beziehung

    gilt.

  3. Eine quadratische komplexe Matrix

    heißt hermitesch, wenn

    für alle gilt.

  4. Man nennt das Urbild des neutralen Elementes unter einem Gruppenhomomorphismus den Kern von .
  5. Die Abbildung heißt stetig in , wenn für jedes ein derart existiert, dass

    gilt.

  6. Zu einem - Vektorraum über einem Körper und einer Körpererweiterung nennt man den durch Körperwechsel gewonnenen -Vektorraum.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Kosinussatz.
  2. Der Satz über den Abstand eines Vektors zu einem Untervektorraum in einem euklidischen Vektorraum .
  3. Der Satz über Orientierungen auf einem Vektorraum und dem Dachprodukt.


Lösung

  1. In einem Dreieck mit den Seitenlängen und dem Winkel an gilt
  2. Die orthogonale Projektion ist derjenige Punkt auf , der unter allen Punkten auf zu den minimalen Abstand besitzt.
  3. Es sei ein endlichdimensionaler reeller Vektorraum der Dimension . Dann entsprechen durch die Zuordnung

    die Orientierungen

    auf den Orientierungen auf .


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen


Aufgabe (4 Punkte)

Man gebe ein Beispiel für eine (achsensymmetrische) Ellipse im und eine bijektive lineare Abbildung mit , die keine Isometrie ist.


Lösung

Wir betrachten die durch die Gleichung

gegebene Ellipse und die durch die Matrix

gegebene bijektive lineare Abbildung auf dem . Es ist also

Wenn ein Punkt auf der Ellipse ist, also die Ellipsengleichung erfüllt, so gilt für den Bildpunkt

d.h. er liegt ebenfalls auf der Ellipse. Die Ellipse wird also unter der Abbildung auf sich selbst abgebildet. Die Abbildung ist keine Isometrie, da der erste Standardvektor auf den Vektor abgebildet wird, der die Norm besitzt.


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise den Kosinussatz.


Lösung

Es sei

und

Dann ist

Die Längen dieser Vektoren sind . Somit gilt


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei ein - Vektorraum und es seien

und

antilineare Abbildungen. Zeige, dass die Verknüpfung linear ist.


Lösung

Da beide Abbildungen mit der Addition verträglich sind, gilt dies auch für die Verknüpfung. Für einen Vektor und einen Skalar gilt

also ist linear.


Aufgabe (8 (4+2+2) Punkte)

Es seien und endlichdimensionale - Vektorräume mit symmetrischen Bilinearformen und .

a) Zeige, dass auf durch

eine symmetrische Bilinearform gegeben ist, und dass dabei und orthogonal zueinander sind.


b) Es sei die Gramsche Matrix von bezüglich einer Basis von und die Gramsche Matrix von bezüglich einer Basis von . Zeige, dass die Blockmatrix aus und die Gramsche Matrix von bezüglich der zusammengesetzten Basis ist.


c) Der Typ der Bilinearformen sei bzw. . Zeige, dass der Typ von gleich ist.


Lösung


a) Wegen

ist die Abbildung symmetrisch. Daher genügt es, die Linearität in der ersten Komponente zu zeigen. Diese ergibt sich aus

Die Orthogonalität ergibt sich aus


b) Es seien und die Basen und entsprechend die zusammengesetzte Basis von . Die Einträge der Gramschen Matrix von sind

sodass die Blockgestalt aus den einzelnen Gramschen Matrizen vorliegt.


c) Wir ziehen den Sylvesterschen Trägheitssatz heran. Es seien beide Basen Orthogonalbasen, die zusammengesetzte Basis ist dann ebenfalls eine Orthogonalbasis. Im ersten Block stehen dann in der Diagonale Einsen, Minuseinsen und Nullen und im zweiten Block stehen in der Diagonale Einsen, Minuseinsen und Nullen. Insgesamt stehen dort also Einsen und Minuseinsen.


Aufgabe (2 Punkte)

Entscheide, ob es für die durch die Matrix

gegebene lineare Abbildung eine Orthonormalbasis des aus Eigenvektoren gibt.


Lösung

Es sei

Die adjungierte Abbildung wird durch

beschrieben. Wegen

und

ist

Der Endomorphismus ist also nicht normal und daher gibt es nach Satz 42.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) keine Orthonormalbasis aus Eigenvektoren.


Aufgabe (2 Punkte)

Zeige, dass die Relation auf , die durch

festgelegt ist, eine Äquivalenzrelation ist.


Lösung

  1. Wegen ist , die Relation ist also reflexiv.
  2. Die Symmetrie folgt daraus, dass aus sofort folgt.
  3. Zum Nachweis der Transitivität sei und , also und . Dann ist

    Aufgrund der Abziehregel ist dann

    und dies bedeutet .


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei eine Gruppe und ein Element, und seien ganze Zahlen. Zeige die folgenden Potenzgesetze.

  1. Es ist .
  2. Es ist .


Lösung

Die erste Aussage folgt aus der Definition. Die zweite Aussage ist klar, wenn beide Zahlen oder beide sind. Es sei also positiv und negativ. Bei kann man in „innen“ -mal mit zu kürzen, und übrig bleibt die -te Potenz von , also . Bei kann man -mal mit kürzen und übrig bleibt die - te Potenz von . Das ist wieder .


Aufgabe (6 (2+1+1+2) Punkte)

Wir betrachten den Würfel.


Es sei diejenige Drehung am Würfel um die Achse durch die Eckpunkte und , die den Eckpunkt auf schickt, und es sei die Halbdrehung um die vertikale Achse (also die Gerade, die durch den Mittelpunkt der Seitenfläche und den Mittelpunkt der Seitenfläche läuft).

a) Man gebe die Wertetabellen für die Permutationen auf der Eckpunktmenge , die durch und bewirkt werden.

b) Bestimme die Drehachse von und von sowie die Ordnung dieser Drehungen.

c) Man gebe die Zykeldarstellung der von bewirkten Permutation auf der Eckpunktmenge an. Was ist ?

d) Man betrachte die Permutation , die auf der Eckpunktmenge durch die Wertetabelle

gegeben ist. Gibt es eine Drehung des Würfels, die diese Permutation bewirkt? Berechne das Signum von .


Lösung


a) Die Wertetabellen für die angegebenen Permutationen sind






b) Die Drehachse von ist die Gerade durch die beiden Eckpunkte und und die Drehachse von ist die Gerade durch die beiden Eckpunkte und . Beides sind Dritteldrehungen, ihre Ordnung ist 3.

c) Aus der Wertetabelle für kann man leicht diejenige für errechnen, und damit auch die Zykledarstellung. Diese ist

Die Ordnung von ist 3, daher ist .

d) stimmt auf den unteren Eckpunkten mit der durch definierten Permutation überein. Würde von einer Würfelbewegung herrühren, so wäre die Identität auf der unteren Ebenen und müßte dann überhaupt die Identität sein. Dann wäre

was aber wegen

nicht der Fall ist.

hat die Zykeldarstelung

die wir als Produktdarstellung lesen. Der vordere Zykel ist als Produkt geschrieben

Insgesamt ist das Produkt von Transpositionen und daher ist das Signum .


Aufgabe (3 Punkte)

Es seien und endlichdimensionale normierte - Vektorräume. Zeige, dass auf dem Homomorphismenraum die Maximumsnorm in der Tat eine Norm ist.


Lösung erstellen


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen


Aufgabe (3 Punkte)

Wir betrachten eine stochastische Matrix, bei der jede Spalte gleich ist. Bestimme die Eigenverteilung und eine Basis des Kerns zu dieser Matrix.


Lösung

Wegen

ist die Eigenverteilung dieser Matrix.

Der Kern besitzt die Dimension und wird durch die linear unabhängigen Vektoren erzeugt.


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen


Aufgabe (10 Punkte)

Beweise den Satz über Basen in einem Dachprodukt zu einem endlichdimensionalen - Vektorraum .


Lösung

Wir zeigen zuerst, dass ein Erzeugendensystem vorliegt.  Da die Elemente der Form nach Lemma 57.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025))  (1) ein Erzeugendensystem von bilden, genügt es zu zeigen, dass man diese durch die angegebenen Elemente darstellen kann. Für jedes gibt es eine Darstellung , daher kann man nach Lemma 57.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025))  (4) die als Linearkombinationen von Dachprodukten der Basiselemente darstellen, wobei allerdings jede Reihenfolge vorkommen kann. Es sei also gegeben mit . Durch Vertauschen von benachbarten Vektoren kann man nach Lemma 57.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025))  (3) (unter Inkaufnahme eines anderen Vorzeichens) erreichen, dass die Indizes (nicht notwendigerweise streng) aufsteigend geordnet sind. Wenn sich ein Index wiederholt, so ist nach Lemma 57.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025))  (2) das Dachprodukt . Also wiederholt sich kein Index und diese Dachprodukte sind in der gewünschten Form.

Zum Nachweis der linearen Unabhängigkeit zeigen wir unter Verwendung von Lemma 14.8 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)), dass es zu jeder -elementigen Teilmenge (mit ) eine -lineare Abbildung

gibt, die nicht auf abbildet, aber alle anderen in Frage stehenden Dachprodukte auf abbildet. Dazu genügt es nach Satz 57.7 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)), eine alternierende multilineare Abbildung

anzugeben mit , aber mit für jedes andere aufsteigende Indextupel. Es sei der von den , , erzeugte Untervektorraum von und der Restklassenraum. Dann bilden die Bilder der , , eine Basis von , und die Bilder von allen anderen -Teilmengen der gegebenen Basis bilden dort keine Basis, da mindestens ein Element davon auf geht. Wir betrachten nun die zusammengesetzte Abbildung

Diese Abbildung ist nach Satz 16.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) multilinear und nach Satz 16.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) alternierend. Nach Satz 16.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ist genau dann, wenn die Bilder von in keine Basis bilden.