Verknüpfung diskreter ZV
Sei
ein W-Raum,
ZV auf
und
. Dann erhält man weitere ZV auf
durch
Gemeinsame Verteilung zweier endlicher ZV und Unabhängigkeit
(Gemeinsame W-Funktion zweier endlicher ZV)
Gegeben seien zwei endliche ZV
wobei
die Werte
und
die Werte
annehmen kann.
Gemeinsame Wahrscheinlichkeitsfunktion
Die Funktion
![{\displaystyle \{a_{1},\ldots ,a_{m}\}\times \{b_{1},\ldots ,b_{\ell }\}\to [0,1]\ ,\ (a_{j},b_{k})\mapsto P(X=a_{j}\wedge Y=b_{k})}](../_assets_/eb734a37dd21ce173a46342d1cc64c92/ece9f43e96eb9356a637eaca76b9d61e41df008f.svg)
heißt gemeinsame Wahrscheinlichkeitsfunktion von
und
Man kann sie übersichtlich in Form einer Tabelle darstellen, wobei die möglichen Werte
für
zu den einzelnen Spalten und die möglichen Werte
für
zu den einzelnen Zeilen gehören. In die Spalte zu
und die Zeile zu
trägt man dann die Wahrscheinlichkeit
ein.
Beispiel 1
Zwei Laplace-Würfel werden geworfen. Die ZV
gibt die Zahl auf dem ersten und die ZV
gibt die Zahl auf dem zweiten Würfel an. Die gemeinsame W-Funktion sieht wie folgt aus: 
Beispiel 2.1
Ein Laplace-Würfel, bei dem sich die Augenzahlen
und
, sowie
und
sowie
und
gegenüberliegen, wird geworfen. Die ZV
gibt die Zahl auf der Oberseite und die ZV
gibt die Zahl auf der Unterseite des Würfels an.
Beispiel 2.2
Die gemeinsame W-Funktion sieht wie folgt aus: 
Beispiel 3.1
Ein Laplace-Würfel, bei dem sich die Augenzahlen
und
, sowie
und
sowie
und
gegenüberliegen, wird geworfen. Die ZV
gibt die Zahl auf der Oberseite und die ZV
gibt die Zahl auf der Vorderseite des Würfels an.
Beispiel 3.2
Die gemeinsame W-Funktion sieht wie folgt aus: 
Spalten- und Zeilensummen
Es gilt stets:

Unabhängigkeit
Definitionsgemäß
sind
und
unabhängig voneinander, falls für alle
und alle
die Ereignisse
und
stochastisch unabhängig voneinander sind, das heißt, falls gilt:

Beispiele 1
Beispiele 2
Einzelne und gemeinsame W-Funktion
Zum Zusammenhang zwischen den einzelnen W-Funktionen und der gemeinsamen W-Funktionen:
- Kennt man die gemeinsame W-Funktion zweier ZV, so kann man daraus auf die W-Funktionen der einzelnen ZV schließen.
- Aus den einzelnen W-Funktion zweier ZV kann man jedoch im Allgemeinen nicht auf ihre gemeinsame Funktion schließen. (Die gemeinsame W-Funktion enthält also mehr Informationen als die einzelnen ZV.
- Ist jedoch zusätzlich bekannt, dass zwei ZV unabhängig voneinander sind, so ergibt sich ihre gemeinsame W-Funktion als Multiplikationstabelle aus den einzelnen W-Funktionen.
Linearkombinationen und Verknüpfungen von ZV
- Ist
eine endliche ZV und sind
, so ist auch
eine endliche ZV.
- Sind
endliche ZV, so sind auch
und
endliche ZV.
W-Funktion von Linearkombinationen und Verknüpfungen von ZV I
Ist
eine endliche ZV, die die Werte
annehmen kann und sind
mit
, so kann die ZV
die Werte
annehmen und es gilt: 
Beispiel 1.1
Ein Laplace-Würfel wird geworfen. Die ZV
gibt die Zahl auf dem Würfel an. Die ZV
gibt die Zahl an, die man erhält, wenn man das Würfelergebnis vervierfacht und dann
abzieht, also
.
Für die W-Funktionen von
und
gilt: 
Beispiel 1.2
Man berechnet daraus:

W-Funktion von Linearkombinationen und Verknüpfungen von ZV II
Seien
endliche ZV. Um die W-Funktion von Verknüpfungen von
und
zu ermitteln, muss man die gemeinsame W-Funktion von
und
kennen (es genügt nicht, die einzelnen W-Funktionen von
und
zu kennen).
Ist
eine Verknüpfung, so ergibt sich die Wahrscheinlichkeit
für
als Summe der Einzelwahrscheinlichkeiten
über alle Kombinationen
mit
.

Beispiel 2.1
Zwei Laplace-Würfel werden geworfen. Die ZV
gibt die Zahl auf dem ersten und die ZV
gibt die Zahl auf dem zweiten Würfel an. Aus der gemeinsamen W-Funktion von
und
(vgl. 2.1) ermittelt man die W-Funktionen von:
Beispiel 2.2
: 
Daraus berechnet man:
und 
Beispiel 2.3
:

Daraus berechnet man:
und 
Beispiel 2.4
: 

Daraus berechnet man: 
Beispiel 3.1
Ein Laplace-Würfel, bei dem sich die Augenzahlen
und
, sowie
und
sowie
und
gegenüberliegen, wird geworfen. Die ZV
gibt die Zahl auf der Oberseite und die ZV
gibt die Zahl auf der Unterseite des Würfels an. Aus der gemeinsamen W-Funktion von
und
(vgl. Gemeinsame Wahrscheinlichkeitsfunktion) ermittelt man die W-Funktionen von:
Beispiel 3.2
:

Daraus berechnet man:
und 
Beispiel 3.3
:

Daraus berechnet man:
und 
Beispiel 3.4
:

Daraus berechnet man: 
Beispiel 4.1
Ein Laplace-Würfel, bei dem sich die Augenzahlen
und
, sowie
und
sowie
und
gegenüberliegen, wird geworfen. Die ZV
gibt die Zahl auf der Oberseite und die ZV
gibt die Zahl auf der Vorderseite des Würfels an. Aus der gemeinsamen W-Funktion von
und
(vgl. 2.1) ermittelt man die W-Funktionen von:
Beispiel 4.2
:

Daraus berechnet man:
und 
Beispiel 4.3
:

Daraus berechnet man:
und 
Beispiel 4.4
:
Daraus berechnet man: 
Rechenregeln für Erwartungswert und Varianz I
Sind
endliche ZV und sind
, so gilt:
Rechenregeln für Erwartungswert und Varianz II
Sind
ZV, so gilt:
Aufgabe 1
Zwei sechsseitige Würfel werden geworfen. Die ZV
gibt das Produkt der Augenzahlen an. Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeitsverteilung von
und berechnen Sie Erwartungswert und Standardabweichung von
.
Aufgabe 2
Bei der Sendung " Wer wird Millionär? " hat ein Kandidat bereits die Gewinnstufe
Euro erreicht. Bei der nächsten Frage ist er sich mit seiner Antwort zu
sicher. Antwortet er richtig, erhält er
Euro, antwortet er falsch, fällt er auf
Euro zurück. Er kann aber auch auf eine Antwort verzichten und hat dann
Euro sicher.
- Berechnen Sie den Erwartungswert für seinen Gewinn, falls er antwortet.
- Diskutieren Sie dann, ob der Kandidat eine Antwort riskieren sollte? (Hierbei gibt es keine eindeutige Lösung.)
Aufgabe 3
In einer Lostrommel befinden sich 8 Kugeln mit den Zahlen
. Bestimmen Sie Erwartungswert und Standardabweichung für die ZV der Summe der gezogenen Zahlen:
- bei einmaligem Ziehen
- bei achtmaligem Ziehen mit Zurücklegen
- bei achtmaligem Ziehen ohne Zurücklegen
Aufgabe 4.1
1. Ein Glücksrad (siehe Graphik) wird zweimal gedreht. Die Zahl, die beim ersten Drehen ganz oben steht, wird durch die Zufallsvariable
beschrieben. Die Zahl, die beim zweiten Drehen oben angezeigt wird, wird durch die Zufallsvariable
beschrieben.
Es darf von einem Laplace-Experiment ausgegangen werden.
Aufgabe 4.2
- Bestimmen Sie die W-Funktionen von
und
.
- Sind
und
unabhängig voneinander? Bestimmen Sie die gemeinsame W-Funktion von
und
.
- Bestimmen Sie Erwartungswert, Varianz und Standardabweichung von
und
.
- Es sei
. Welche Werte kann
annehmen? Bestimmen Sie zur Zufallsvariablen
die W-Funktion,
,
und
.
Aufgabe 4.3
2. Nun betrachten wir den Fall, dass das Rad nur einmal gedreht wird. Die oben stehende Zahl wird durch die ZV
beschrieben. Die Zahl, die der angezeigten Zahl genau gegenüber liegt, wird durch die ZV
beschrieben.
Bearbeiten Sie für diese Situation ebenfalls die Aufgabenteile aus 1.
Aufgabe 5.1
Um die Nutzung einer Aufstiegshilfe für Fische an einer Staustufe (Fischtreppe) zu modellieren, wurde ein Modell entwickelt, bei dem die Anzahl der Fische, die die Aufstiegshilfe innerhalb einer Stunde passieren, bestimmt wird. Die Zufallsvariable
beschreibe die Anzahl der Fische, die die Aufstiegshilfe innerhalb einer Stunde passieren. Man weiß, dass
nur die Werte
und
annehmen kann.
Aufgabe 5.2
Wir nehmen an, dass die W-Funktion zur ZV
bekannt ist und mit nachfolgender Wertetabelle dargestellt werden kann:
:
- Bestimmen Sie die fehlende Wahrscheinlichkeit
für k=0.
- Berechnen Sie
,
und
.
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