Anthropismus
Anthropismus (Deutsch)
Substantiv, m
| Singular | Plural | |
|---|---|---|
| Nominativ | der Anthropismus | die Anthropismen |
| Genitiv | des Anthropismus | der Anthropismen |
| Dativ | dem Anthropismus | den Anthropismen |
| Akkusativ | den Anthropismus | die Anthropismen |
Worttrennung:
- An·th·ro·pis·mus, Plural: An·th·ro·pis·men
Aussprache:
- IPA: [antʁoˈpɪsmʊs]
- Hörbeispiele: Anthropismus (Info)
- Reime: -ɪsmʊs
Bedeutungen:
- [1] Naturphilosophie, Biologie, Historische Definition nach Ernst Haeckel: Irrlehre, dass der Mensch im Universum eine absolut priviliegierte Sonderstellung einnimmt
- [2] Naturphilosophie, Kosmologie, Definition im Kontext des anthropischen Prinzips: Lehre vom engen Zusammenhang zwischen den Naturgesetzen, dem Kosmos und der menschlichen Existenz[1]
Sinnverwandte Wörter:
Beispiele:
- [1] „Haeckels Naturphilosophie erklärte die Entstehung des Universums aus einer einzigen Ursubstanz, die sich nach dem Prinzip der Entwicklung entfaltete. Er versteht dabei unter Monismus eine einheitliche, pantheistische Betrachtung der „Gesamtnatur“. Nach seiner Vorstellung sind Gott und Welt eins, die Welt selbst eine „kosmische Einheit“. Haeckel wollte auf diese Weise den Anthropismus überwinden, die Vorstellung, der Mensch sei das letzte Ziel der Schöpfung und von der übrigen Natur getrennt.“[2]
- [1] „Innerhalb des Anthropismus unterscheidet Haeckel drei Dogmen: das anthropozentrische, nach dem der Mensch der vorbedachte Mittelpunkt und Endzweck der gesamten Welt sei; das anthropomorphische, nach dem der Weltschöpfer Gott in seinem Denken und Handeln menschenähnlich sei, woraus umgekehrt folge, daß der Mensch gottähnlich sei; das anthropolatrische, nach dem dem menschlichen Organismus göttliche Verehrung zuteil werde.“[3]
- [1, 2] Der Anthropismus der Physik und Kosmologie im Kontext des Anthropischen Prinzips ist eine Beobachtung: Wir können das Universum nur wahrnehmen, weil dieses die physikalischen Konstanten und Bedingungen aufweist, die unser Leben überhaupt erst ermöglichen. Der von Ernst Haeckel angesprochene und kritisierte Anthropismus in Philosophie und Biologie stellt dagegen eine Wertung dar: Dieser geht über Beobachtungen hinaus und behauptet, der Mensch sei als Mittelpunkt und Endziel der Schöpfung gewollt und geschaffen. Haeckel lehnte letztgenannten Anthropismus entschieden ab.
Übersetzungen
[1] Anthropismus als Irrlehre, dass der Mensch im Universum eine absolut priviliegierte Sonderstellung einnimmt
[2] Anthropismus als Lehre vom engen Zusammenhang zwischen den Naturgesetzen, dem Kosmos und der menschlichen Existenz
Referenzen und weiterführende Informationen:
- [*] Wikipedia-Suchergebnisse für „Anthropismus“
- [*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Anthropismus“ (ca. 20 Belege in historischen Korpora vor allen Dingen mit Ernst-Haeckel-Zitaten)
- [*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache – Korpusbelege [dwdsxl] Gegenwartskorpora mit freiem Zugang „Anthropismus“
- [1] Wolfgang Nieke: Anthropismus. In: Joachim Ritter: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt (ohne Jahr, ohne ISBN, Lizenzausgabe der Originalausgabe von Schwabe & Co, Basel 1971), Band 1, Seite 359
- [2] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 109, Eintrag „Anthropismus“
Quellen:
- ↑ Definition nach Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 109, Eintrag „Anthropismus“
- ↑ Wikipedia-Artikel „Welträtsel“ (Stabilversion)
- ↑ Wolfgang Nieke: Anthropismus. In: Joachim Ritter: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 1, Seite 359