Abteilung Fremde Heere

Die Abteilung Fremde Heere war unter diesem Namen in den Zeiträumen 1917–1919 sowie 1931–1938 eine deutsche Generalstabsabteilung. Die zu Beginn des Ersten Weltkriegs (1914–1918) als Teil der Obersten Heeresleitung des Deutschen Heeres aufgestellte Abteilung hieß 1914–1917 zunächst Nachrichtenabteilung, agierte aber ab 20. Mai 1917 bis zur formellen Auflösung des Großen Generalstabs am 1. Oktober 1919 unter ihrem neuen Namen „Abteilung Fremde Heere“. Während des Krieges war die Abteilung für die Analyse der Heere der Entente-Mächte sowie der neutralen Staaten zuständig. Nach der Kriegsniederlage 1918 wurde die Abteilung gemeinsam mit dem Großen Generalstab im Jahr 1919 offiziell aufgelöst, existierte aber de facto unter einer Tarnbezeichnung innerhalb des neuen Truppenamts im Reichswehrministerium weiter und war fortan Teil der Reichswehr. Unter der Bezeichnung Heeresstatistische Abteilung bzw. Abteilung T 3 wurde die Beobachtung ausländischer Heere im Zeitraum 1919–1931 fortgesetzt. Im Jahr 1931 wurde die Bezeichnung Abteilung Fremde Heere wieder eingeführt und blieb für den Zeitraum 1931–1938 erhalten. Zeitweilig war in den ersten Jahren dort auch die Attaché-Abteilung zur Organisation der militärischen Attachés an den ausländischen Botschaften mit angesiedelt.

Die Abteilung setzte ihre Arbeit auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten (1933) fort und war ab 1935 Teil der neu umbenannten Wehrmacht. Um eine Eigenständigkeit in ihrem Auftragsprogramm zu gewährleisten, löste sich ein Teil der eingesetzten Kräfte und bildete mit der Aufrichtung des Luftfahrtministeriums dort eine eigene Abteilung, zuständig für „Fremde Luftwaffen“. Ende 1938 wurde die Abteilung Fremde Heere entlang ihrer internen Unterteilung formell in zwei Teile gespalten. Die bisherigen Gruppen West und Ost wurden zu den neuen jeweils eigenständigen Abteilungen Fremde Heere Ost (FHO) und Fremde Heere West (FHW), wodurch die Abteilung Fremde Heere zu existieren aufhörte.

Während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) lieferten die beiden Nachfolgeabteilungen an den verschiedenen Fronten Feindlagebeurteilungen, wobei sich FHO ab 1941 fast ausschließlich auf die Ostfront konzentrierte und FHW ab 1942/43 alle anderen Kriegsschauplätze übernahm. Beiden Abteilungen unterliefen im Verlauf des Krieges wiederholt schwere Fehleinschätzungen. Aus der FHO wurde in der Nachkriegszeit die Organisation Gehlen, die wiederum zum Bundesnachrichtendienst wurde.