Abu Gosch
| Abu Gosch | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| hebräisch: | אבו גוש | |
| arabisch: | أبو غوش | |
| Staat: | Israel | |
| Bezirk: | Jerusalem | |
| Koordinaten: | 31° 48′ N, 35° 6′ O | |
| Fläche: | 1,89 km² | |
| Einwohner: | 8657 (Stand: 2022) | |
| Bevölkerungsdichte: | 4.580 Einwohner je km² | |
| Gemeindecode: | 0472 | |
| Zeitzone: | UTC+2 | |
| Postleitzahl: | 90845 | |
Abu Gosch (arabisch أبو غوش, DMG Abū Ġauš; hebräisch אבו גוש Abu Goš oder, der arabischen Phonetik genauer folgend, אַבּוּ ע'וֹשׁ; in lateinischer Schrift mitunter Abu Ghosh; älter auch arabisch قريت العنب, DMG Qaryat al-ʿInab ‚Traubenstadt‘) ist ein arabisches Dorf in Israel, etwa 10 Kilometer westlich von Jerusalem an der Haupt-Nationalstraße 1 von der Küste nach Jerusalem gelegen. Mit rund 8657 Einwohnern (Stand 2022) bei 1,89 km2 Fläche ist es heute vor allem als kulinarisches und kulturelles Zentrum bekannt, insbesondere für seine zahlreichen Hummus-Restaurants.
Das Gebiet war bereits im späten 7. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Der am Ortsrand gelegene antike Ort auf dem Tell Dēr el-‘Āzar wird seit dem 19. Jahrhundert mehrheitlich mit dem biblischen Kirjat-Jearim identifiziert, wo nach alttestamentlicher Überlieferung die Bundeslade nach ihrer Rückgabe durch die Philister untergebracht gewesen sein soll. Archäologische Ausgrabungen belegen eine Besiedlung des Tells vor allem während der Eisenzeit, der hellenistischen, frührömischen und byzantinischen Zeit. In byzantinischer Zeit entstand auf dem Tell eine Kirche. In frühislamischer Zeit wurde am Fuß des Tells eine große Karawanserei errichtet, die vom 9. bis ins 11. Jahrhundert und erneut während der Zeit der Mamluken genutzt wurde. Zwischen diesen Phasen identifizierten Kreuzfahrer im Mittelalters Abu Gosch als Emmaus und errichteten über der Quelle der Karawanserei die Auferstehungskirche, die heute von französischen Benediktinern betreut wird.
In osmanischer Zeit war Abu Gosch Sitz eines einflussreichen arabischen Clans, der für den Schutz der Straße nach Jerusalem zuständig war und zeitweise beträchtliche politische Macht in der Region ausübte. Während des Palästinakriegs 1948 verhielt sich das Dorf neutral bis pro-zionistisch, was jedoch nicht verhinderte, dass ein Großteil der Bevölkerung zeitweise vertrieben wurde. Abu Gosch ist eines der wenigen arabischen Dörfer, in denen ein großer Teil deren Bewohner in ihre Heimat zurückkehren konnte, wobei sie erhebliche Landverluste hinnehmen mussten.
Die besondere Geschichte des Ortes prägt bis heute sein Selbstverständnis und seine Wahrnehmung in der israelischen Öffentlichkeit. Seit den 2010er Jahren wird eine umstrittene Ortserweiterung geplant, bei der Bewohner befürchten, dass die neuen Wohngebiete vorrangig an jüdische Israelis verkauft werden und den Charakter des Ortes verändern könnten.
- ↑ 2022 אוכלוסייה ביישובים. (XLSX; 119 kB) [Population and households by locality - 2022 Census estimate]. Israelisches Zentralbüro für Statistik, 2025, abgerufen am 31. Januar 2026.
- ↑ 2022 אוכלוסייה ביישובים. (XLSX; 119 kB) [Population and households by locality - 2022 Census estimate]. Israelisches Zentralbüro für Statistik, 2025, abgerufen am 31. Januar 2026.
- ↑ Central Bureau of Statistics, Israel: אבו גוש. 2021, S. 416, abgerufen am 31. Januar 2026 (hebräisch).