Kadenz (Harmonielehre)
In der Harmonielehre bezeichnet Kadenz (italienisch cadenza, von lateinisch cadere ‚fallen, enden‘) meist eine Akkordfolge, die den Abschluss eines Abschnitts oder eines ganzen Stückes bewirkt. In einem allgemeinen Sinn wird der Begriff auch für klischeehafte, oftmals ostinate Kadenzformeln verwendet (z. B. Andalusische Kadenz).
Seit dem 18. Jahrhundert ist der Begriff allerdings mehrdeutig und wird in der Musiktheorie auch für Akkordfolgen verwendet, die einigen Autoren als Grundelement musikalischer Harmonik gelten und nicht notwendigerweise einen Abschluss darstellen. Großen Einfluss hatten hierbei die musiktheoretischen Schriften von Jean-Philippe Rameau. Im späten 19. Jahrhundert hat Hugo Riemann „Kadenz“ zum Prinzip von musikalischer Form insgesamt erklärt. Vor diesem Hintergrund haben sich Begriffe wie „erweiterte Kadenz“ und „Vollkadenz“ etabliert.
- ↑ Vgl. auch Gaspar Sanz, 1674, in Jerry Willard (Hrsg.): The complete works of Gaspar Sanz. 2 Bände, Amsco Publications, New York 2006 (Übersetzung der Originalhandschrift durch Marko Miletich), ISBN 978-0-8256-1695-2, Band 1, S. 80–84 (General Warnings for Accompaniment with a Guitar, Harp, Organ, or Any Other Instrument, Summarized in Twelve Rules and Counterpoint Examples […]., hier: S. 82–83: When the Bass Jumps from a Fourth Above or Fifth Below as It Is Tied to the Fourth. „This motif with the bass is called cadence, tying the fourth, resolving later in a major third. […]“; und When Cadence or the Phrase Is Avoided, even if the Bass Jumps from a Fourth Higher or Fifth Lower. „The bass has some steps where there is no cadence even though it seems as if there is. The Choirmaster in Rome calls these ‚cadenças fugita‘ (‚fleeting cadences‘) because […].“)