Albruna (Seherin)

Albruna (lateinisch Albrinia, Aurinia) war eine germanische Seherin, die Anfang des 1. Jahrhunderts tätig war. Sie ist einzig in der Germania des Tacitus genannt. Augenscheinlich hatte sie während der Feldzüge des Drusus und Tiberius in der Zeit von 9 v. Chr. bis 14 n. Chr. einiges Ansehen und erscheint deshalb im Bericht des Tacitus. Außer dem Namen ist zur Person nichts Weiteres bekannt. Die Funktion als Seherin ergibt sich aus der Etymologie des Namens und aus der quellenbedingten Vergesellschaftung mit der Seherin Veleda.

Albruna bedeutet „die mit Geheimwissen der Alben versehene“. Der Name *Albruna ist eine Konjektur des 19. Jahrhunderts aus den handschriftlichen Formen Aurinia, Albrinia, Flurinia, die durch Wilhelm Wackernagel und Karl Müllenhoff wissenschaftlich etabliert wurde. Diese Konjektur wird heute als problematisch und wissenschaftlich nicht mehr überzeugend bewertet und die handschriftliche Form Aurinia vermehrt befürwortet.

„vidimus sub divo Vespasiano Veledam diu apud plerosque numinis loco habitam; sed et olim Albrunam et compluris alias venerati sunt, non adulatione nec tamquam facerent deas.“

„Wir haben es unter dem seligen Vespasian erlebt, dass Veleda bei vielen lange göttlichen Platz einnahm; aber auch schon lange vorher wurden Albruna und einige andere verehrt, aber nicht durch Kriecherei als ob sie sie etwa erst zu Göttinnen machen.“

Tacitus, Germania 8, 2.
  1. Wolfgang Spickermann: Albruna. S. 442
  2. Tacitus, Germania 8, 2 (Text).
  3. Sabine Tausend: Germanische Seherinnen, S. 169 f.
  4. Rudolf Much: Die Germania des Tacitus. 3. Auflage, S. 169 f.; Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 11.
  5. Wilhelm Wackernagel: Die Germanischen Personennamen. In: Schweizerisches Museum für historische Wissenschaften 1, 1839, S. 109.
  6. Karl Müllenhoff: Zur Runenlehre, 1852, S. 51 ff.
  7. Ånders Hultgard: Seherinnen. S. 114.
  8. Franz Rolf Schröder: Quellenbuch zur Germanischen Religionsgeschichte. De Gruyter, Berlin und Leipzig 1933, S. 133; Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 11.