Apokryphe jüdische Schriften

Als Apokryphe jüdische Schriften bzw. Sefarim Chitzonim (סְפָרִים חִיצוֹנִים), „außenstehende Bücher“, bezeichnet man eine Sammlung religiöser und literarischer Texte, die nicht in den Kanon der hebräischen Bibel aufgenommen wurden. Der Begriff „Ha-Sefarim Ha-Chitzoniyim“ bedeutet wörtlich „die äußeren Schriften“, was auf ihren Status außerhalb des traditionellen jüdischen Kanons, des Tanach, hinweist. In einigen Stellen des Talmuds wurde auf vereinzelte Schriften Bezug genommen. So finden sich im Traktat Sanhedrin (hebräisch מַסֶּכֶת סַנְהֶדְרִין) 10:1 oder Gittin 56b Hinweise auf nicht-kanonische Schriften wie das Buch Henoch. Auch in rabbinischen Schriften ab der Zeit der Geonim oder in späteren Kommentaren, wie bei Maimonides in seiner Mischne Tora, gibt es gelegentlich Verweise auf solche Schriften. Maimonides spricht in seiner Mischne Tora („Hilchot Teshuvah 3:8“) von einigen dieser Schriften, ohne sie jedoch als kanonisch anzuerkennen. Und letztlich in der jüdischen Mystik und Kabbala finden sich ebenfalls Verweise auf die „Sefarim Chitzonim“, besonders wenn es um die esoterische Auslegung von Schriften geht. Sie sind oft von historischem, theologischen oder literarischem Interesse. Hingegen enthält die Septuaginta alle Bücher der hebräischen Bibel aber auch zusätzliche apokryphe und deuterokanonische Bücher. Diese Übersetzung entstand ab 250 v. Chr. im hellenistischen Judentum, vorwiegend in der jüdischen Gemeinde im antiken Alexandria. Das rabbinische Judentum stand dem Hellenismus mehrheitlich kritisch gegenüber.

  1. vergleiche hierzu Masoretischer Text und Entstehung des masoretischen Textes
  2. Rudolf Smend: Die Entstehung des Alten Testaments. (= Theologische Wissenschaft. Band 1). 1. Auflage, Kohlhammer, Stuttgart / Berlin / Köln / Mainz 1978, ISBN 3-17-001070-0, S. 24–30
  3. Carsten Ziegert, Siegfried Kreuzer: Septuaginta (AT). Deutsche Bibelgesellschaft. Erstellt: April 2012, auf die-bibel.de
  4. Michael E. Stone: Jewish Holy Scriptures: The Apocrypha and Pseudepigrapha. Jewish Virtual Library, auf jewishvirtuallibrary.org