Assoziative Lockerung

Assoziative Lockerung ist die Einschränkung/Störung des assoziativen Denkens und Lernens, der sinnvollen, kognitiv kontrollierten und auf gesellschaftlichen Übereinkünften beruhenden Verknüpfung (Assoziation) von Denkinhalten. Die in vergangenen Erfahrungen erworbenen Denkregeln, -strukturen und -programme stehen in der aktuellen Situation nicht ausreichend zur Verfügung. Gestaltpsychologisch betrachtet handelt es sich um die Auflösung (oft Zusammenbruch) der Gestalt. Die assoziative Lockerung wirkt sich im Denken, Handeln und Fühlen aus.

Eugen Bleuler prägte den Begriff im Jahre 1911 zur Beschreibung eines zentralen Phänomens der Schizophrenie. Die assoziative Lockerung gehört nach Bleuler als formale Denkstörung neben Affektstörungen, Ambivalenz und Autismus zu den Grundsymptomen der Schizophrenie.

  1. „Die Assoziationen verlieren ihren Zusammenhang. Von den tausend Fäden, die unsere Gedanken leiten, unterbricht die Krankheit in unregelmäßiger Weise da und dort bald einzelne, bald mehrere, bald einen großen Teil. Dadurch wird das Denkresultat ungewöhnlich und oft logisch falsch. Ferner schlagen die Assoziationen neue Bahnen ein, […]. Zwei zufällig zusammentreffende Ideen werden miteinander in einem Gedanken verbunden, wobei die logische Form der Verknüpfung durch die Umstände bestimmt wird.“
    (Eugen Bleuler: Dementia praecox oder Gruppe der Schizophrenien. Leipzig/Wien 1911. Nachdruck: Tübingen 1988, S. 10)
  2. Daniela Renate Heimberg: Zusammenbruch der Gestalt. Münster 2002, ISBN 3-89325-942-2, S. 11 f.