Autismus

Klassifikation nach ICD-10
F84.0 Frühkindlicher Autismus
F84.1 Atypischer Autismus
F84.5 Asperger-Syndrom
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Klassifikation nach ICD-11
6A02 Autismus-Spektrum-Störung
ICD-11: EnglischDeutsch (Vorabversion)

Autismus (von altgriechisch αὐτός autós „selbst“) ist eine angeborene neuronale Entwicklungsstörung. Erste Symptome zeigen sich bereits in frühester Kindheit, insbesondere in folgenden Bereichen:

Betroffene werden als Autisten, autistisch oder vom/im/auf dem (Autismus-)Spektrum bezeichnet. Die Gegenbegriffe für nicht-autistische Menschen sind neurotypisch oder allistisch. Die Bezeichnung von Nicht-Autisten als normal gilt jedoch mittlerweile als diskriminierend gegenüber Autisten, da die Pathologisierung von Autismus als Krankheit oder psychische Störung infolge der Neurodiversitätsbewegung zunehmend abgelehnt wird. Stattdessen wird die Einordnung als Normvariante befürwortet. Dennoch stellt Autismus in der Regel eine Behinderung dar.

Die Ausprägung der Symptomatik ist bei jedem Autisten individuell verschieden und wandelt sich mit dem Alter. Autismus kann mit Störungen der Sprachentwicklung und/oder einer geistigen Behinderung einhergehen, muss es aber nicht. Je nach Erscheinungsbild des Autismus und möglicher Begleiterkrankungen können manche Autisten ein weitgehend selbstständiges Leben führen, während andere lebenslang auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Autismus ist zum größten Teil genetisch bedingt, eine allgemein anerkannte Erklärung der spezifischen Ursachen gibt es bislang jedoch nicht.

Im deutschsprachigen Raum werden nach dem derzeit noch gültigen Klassifikationssystem ICD-10-GM drei Formen von Autismus unter dem Oberbegriff der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen unterschieden: frühkindlicher und atypischer Autismus sowie das Asperger-Syndrom. Aus wissenschaftlicher Sicht gilt diese Unterteilung jedoch als überholt. Im 2013 veröffentlichten DSM-5 und der seit 2022 international gültigen ICD-11 werden die bisherigen Subtypen stattdessen als Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zusammengefasst. Grund hierfür ist die Erkenntnis, dass eine klare Abgrenzung der drei Formen selten möglich und stattdessen von einem fließenden Übergang mit individuell verschiedenen Symptomausprägungen auszugehen ist, also einem Spektrum. Der Übergang von der ICD-10 zur ICD-11 soll ab 2022 mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen.

  1. Krankheitsbegriff: Neurodiversität – Der Wert des Andersseins. Abgerufen am 24. April 2025.
  2. Rechte von Menschen mit Autismus. Ratgeber zu den Rechtsansprüchen von Menschen mit Autismus und ihrer Angehörigen. 2. Auflage. autismus Deutschland, Hamburg 2017 (autismus.de [PDF]).
  3. Hans-Ulrich Bernard: Ursachen von Autismus-Spektrum-Störungen: eine Spurensuche. Kohlhammer, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-17-032033-8.
  4. 6A02 Autism spectrum disorder. In: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics. World Health Organization, 2023, abgerufen am 5. Juni 2023 (englisch).
  5. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie und Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (Hrsg.): Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter – Teil 1: Diagnostik. Interdisziplinäre S3-Leitlinie der DGKJP und der DGPPN sowie der beteiligten Fachgesellschaften, Berufsverbände und Patientenorganisationen. 23. Februar 2016 (awmf.org [PDF; abgerufen am 5. Juni 2023] AWMF-Registernummer 028–018, Langfassung).
  6. F. R. Volkmar, J. C. McPartland: From Kanner to DSM-5: autism as an evolving diagnostic concept. In: Annual review of clinical psychology. Band 10, 2014, S. 193–212, doi:10.1146/annurev-clinpsy-032813-153710, PMID 24329180.
  7. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 11. Revision. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, abgerufen am 12. Juni 2023.