Aufklärung (Literatur)
Der Literatur der Aufklärung oder Aufklärungsliteratur werden allgemein Werke zugeordnet, die zwischen 1720 und 1800 entstanden sind und bewusst oder unbewusst die Ideen des Zeitalters der Aufklärung vertreten. In vielen Sprachen wird für diese Epoche die Metapher des Lichts verwendet (englisch Age of Enlightenment, französisch Siècle des Lumières, polnisch Oświecenie). Das literarische Großprojekt war die in Frankreich ab 1750 entstandene Encyclopédie. Zahlreiche Vordenker der Aufklärung waren gleichzeitig Literaten.
In der Zeit der frühen Aufklärung begann das Bürgertum seinen Aufstieg innerhalb des absolutistischen Staates. Die Literatur wandte sich an das bürgerliche Publikum, anstatt weiterhin die Fürsten zu preisen, sodass sich aufgrund dessen neue Literaturformen entwickelten. Auch das zweihundertjährige Ringen um die richtige Interpretation der Religion hatte sich erschöpft; der Gedanke der Vanitas oder die mystischen Erfahrungen erschienen als emotionaler Ballast; sie wichen der Forderung nach Klarheit des Geistes und lebensnützlichem Orientierungswissen sowie der Idee einer für alle Völker verständlichen Naturreligion.
Die Literatur der Aufklärung hatte vor allem eine erzieherische Funktion und forderte die „sittliche Besserung“ des Menschen. Mit ihren Gedanken knüpft sie an die – durch die Renaissance wiederbelebten – antiken Ideale und Sichtweisen an. Besonders das gebildete und wohlhabende Bürgertum war bestrebt, sich von den dogmatischen Lehren der Kirche und der „geistigen Bevormundung“ durch die Obrigkeiten zu befreien, um eine „Emanzipation des Denkens“ einzuleiten. Um ihre emanzipatorischen Ideen durchzusetzen, beriefen sich zahlreiche Aufklärer auf die Antike als Legitimationsinstanz. Auch in den literarischen Werken dieser Zeit ist die Antike aus diesem Grund omnipräsent. Der elliptische Leitspruch Voltaires Écrasez l’infâme war bereits zu seinen Lebzeiten europaweit bekannt, wobei er sich sowohl auf die Institution der Kirche als auch auf Aberglauben bezog.
- ↑ Hermann Glaser, Jakob Lehmann, Arno Lobus: Wege der deutschen Literatur. Propyläen, Berlin o. J., S. 116.
- ↑ Siehe hierzu Marlene Meuer: Polarisierungen der Antike. Antike und Abendland im Widerstreit – Modellierungen eines Kulturkonflikts im Zeitalter der Aufklärung. Heidelberg 2017.
- ↑ Gemeint war unter anderem Écrasez l’infâme superstition, dt.: „Zerstört den niederträchtigen Aberglauben“
- ↑ Voltaire unterzeichnete seit 1761 zahlreiche Briefe mit der Floskel Écrasez l’infâme bzw. Écrlinf