Ausdruckspsychologie

Ausdruckspsychologie bezeichnet eine veraltete psychologische Lehre, die sich mit der körperlichen Erscheinung und ihren Deutungen beschäftigt.

Die Ausdruckspsychologie wurde von Karl Jaspers zu Beginn des 20. Jahrhunderts begründet. Sie geht auf vielfältige systematische Beobachtungen noch aus dem 18. Jahrhundert zurück. In der Entwicklung der Psychosomatik wurde die Ausdruckslehre als symbolische Manifestation psychischer Vorgänge aufgefasst. Sie geht auf Georg Groddeck (1866–1934) zurück. Er führte teleologische Betrachtungsweisen in die damals vor allem naturwissenschaftlich ausgerichtete Medizin ein. Ausdruckspsychologie galt Mitte des 20. Jahrhunderts als ein Fachbereich der Psychologie und widmete sich der Erforschung von Zusammenhängen zwischen den körperlichen Merkmalen einer Person und deren Gefühlen, Persönlichkeits- und Charaktereigenschaften. Einerseits wurde Ausdrucksverhalten wie Mimik, Gestik, Motorik, Pantomimik, Physiognomik und Handschrift, andererseits auch, wie im Rahmen der Konstitutionspsychologie, Merkmale des Körperbaus oder bestimmter körperlicher Ausprägungen mit Persönlichkeitseigenschaften in Beziehung gesetzt.

  1. Ausdruckspsychologie. Abgerufen am 20. Februar 2023.
  2. Karl Jaspers: Allgemeine Psychopathologie. 1. Auflage 1914, Springer Berlin 9. Auflage 1973, ISBN 3-540-03340-8; (a) allgemein Seiten 130, 153, 190, 212, 214 ff., 231, 259 f., 630; (b) zur Methodik: Seiten 214 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  3. Johann Caspar Lavater: Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe. Leipzig 1755 ff. Anm.: Goethe beteiligte sich daran, siehe Cotta’sche Jubiläumsausgabe 33, Seite 20 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  4. Georg Groddeck: Psychische Bedingtheit und psychoanalytische Behandlung organischer Leiden. Leipzig 1917. Das Buch vom Es. 1923; Neuauflage Wiesbaden 1962
  5. Bernhard Rosemann, Sven Bielski: Einführung in die Pädagogische Psychologie. Beltz, Weinheim 2001, ISBN 3-407-25238-2, S. 123 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).