Bärenkult

Als Bärenkult (oder Bärenfest bzw. Bärenzeremonie) bezeichnet man religiöse Rituale, in denen Bären eine besondere Verehrung zukommt. Im gesamten schamanistisch geprägten Kulturareal Sibirien und Paläo-Sibirien sowie über Korea bis hin zu den Ainu, aber auch im nordamerikanischen Kulturareal Subarktis wurde oder wird der Bärenkult ausgeübt. Die Abstammung des Menschen vom Bären wird in den dortigen ethnischen Religionen allgemein angenommen und der „Herr der Tiere“ – die wichtigste Gottheit animistischer Wildbeuter – wohnt tief in der Taiga und hat Bärengestalt. Der Kult umfasst verschiedene rituelle Handlungen bei der Bärenjagd, dem Bärenschmaus und der Behandlung seiner Überreste sowie spezielle Lieder, Darbietungen oder Spiele. Selbst bei den nordeuropäischen Samen – insbesondere bei den Skoltsamen nordöstlich des Inarisees – hat sich ein Teil des früheren Bärenkultes trotz der jahrhundertelangen Zwangschristianisierung erhalten. Besonders bedeutend und bekannt ist das Bärenfest iyomante der Ainu auf Hokkaidō (Japan).

Der Terminus bezeichnet aber auch eine im 20. Jahrhundert populäre Theorie von Religionswissenschaftlern wie Mircea Eliade und Joseph Campbell, nach der bereits so genannte Frühmenschen (Angehörige heute ausgestorbener Arten der Gattung Homo) Jagdmagie und einen Bärenkult praktiziert hätten. (vgl. Religion im Paläolithikum)

  1. vgl. Wilhelm Koppers: Der Bärenkult in ethnologischer und prähistorischer Beleuchtung, Palaeobiologica V, 47-64; hier S. 47
  2. Christian F. Feest: Beseelte Welten – Die Religionen der Indianer Nordamerikas. In: Kleine Bibliothek der Religionen, Bd. 9, Herder, Freiburg / Basel / Wien 1998, ISBN 3-451-23849-7, S. 147.
  3. Käthe Uray-Köhalmi: Sibirische Religionen, erschienen in: Horst Balz et al. (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie, Band 28: „Pürstinger – Religionsphilosophie“. Walter de Gruyter, Berlin, New York 1997, ISBN 978-3-11-019098-4, S. 236–240
  4. Ina Wunn: Naturreligionen. In: Peter Antes (Hrsg.): Daran glauben wir – Vielfalt der Religionen. Vollständig überarbeitete Neuauflage, Lutherisches Verlagshaus, Hannover 2012, ISBN 978-3-7859-1087-0, S. 276–277.