Blähung

Klassifikation nach ICD-10
R14 Flatulenz und verwandte Zustände
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Klassifikation nach ICD-11
ME08 Flatulenz oder verwandte Zustände
ICD-11: EnglischDeutsch (Vorabversion)

Blähung (zu blähen, mittelhochdeutsch blæjen, von althochdeutsch blāhan ‚blähen, blasen‘; von indogermanisch *bhlë/bhlā ‚schwellen‘; vgl. englisch to blow ‚blasen, wehen‘) ist der in der Medizin gebräuchliche Fachausdruck für die normale Gasansammlung im Darm, die aufgrund der Verdauungsvorgänge im Verdauungstrakt von höheren vielzelligen Tieren einschließlich des Menschen entsteht und dabei das Hohlorgan Darm aufbläht. Der Abgang der Blähung(en) durch den Anus wird als Flatus (von lateinisch flatus Wind, Blähung), Wind oder Darmwind bezeichnet. Als veraltet gelten die deutschen Bezeichnungen Leibwind und Blähwind. Umgangssprachlich werden je nach Region unterschiedliche volkstümliche lautmalerische Bezeichnungen für die Darmwinde verwendet, z. B. Furz bzw. Furzen oder Pups, in Bayern auch Schoaß, Österreich auch Schas (auch Schaas geschrieben), Pimpf, Pumpf oder Pfurz.

Ein Aufblähen des Darmlumens und damit des Bauchraumes durch eine übermäßige Gasansammlung ohne Abgänge wird als Meteorismus bezeichnet. Sitzen die Darmgase fest (Flatus incarceratus), kann es zu schmerzhaften Bauchkrämpfen (Windkoliken) kommen. Flatulenz bezeichnet das verstärkte rektale Entweichen von Darmgasen, oft hervorgerufen durch verstärkte Entwicklung von Gasen im Verdauungstrakt (beispielsweise Methan, Kohlenstoffdioxid, Wasserstoff, Schwefelwasserstoff und anderen Gär- bzw. Faulgasen) infolge Malassimilation (Probleme, Nährstoffe im Verdauungssystem aufzunehmen), bakterieller Fehlbesiedelung aus der Nahrung oder anderen Darmabschnitten oder seltener durch Schlucken von Luft beim hastigen Essen, Trinken oder Schlürfen. Nach Ansicht von Ärzten gelten 24 Gasabgänge in 24 Stunden als normal, erst übermäßiger Gasabgang würde als Flatulenz bezeichnet. Das gesamte Beschwerdebild (Meteorismus mit Flatulenz) wird umgangssprachlich als Blähungen zusammengefasst.

In einer kleinen Studie, in der Probanden kleine elektrochemischen Sensoren direkt an der Unterwäsche befestigten, kam heraus, dass im Schnitt pro Tag 32 Mal Darmwinde entwichen; mit großen individuellen Unterschieden zwischen 4 und 59.

In einigen Gesellschaften sind Fürze ein Tabu und werden deshalb zurückgehalten (was ungesund ist) oder kontrolliert leise entlassen.

Das Entweichen von Gasen aus dem Magen durch die Speiseröhre wird als Rülpsen, Aufstoßen oder ructus bezeichnet.

  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 81 (zu blähen und Blase).
  2. Kleineres Brockhaus’sches Conversations-Lexikon für den Handgebrauch. Brockhaus, 1854, S. 522 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. G. Steinhauser: „Die“ Blähungen, ihr Wesen, ihre Beschwerden und schädlichen Einwirkungen auf den menschlichen Körper, und die hülfreichsten Mittel dagegen. Verlag der Jasper’schen Buchhandlung. Herrngasse Nr. 251, im Fürst Liechtenstein’schen Palais, 1844, S. 5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Pschyrembel, S. 524.
  5. Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 403 (mittelhochdeutsch wint: Wind, Blähungen).
  6. Furz, n. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 4: Forschel–Gefolgsmann – (IV, 1. Abteilung, Teil 1). S. Hirzel, Leipzig 1878, Sp. 950 (woerterbuchnetz.de).
  7. Franz Maria Feldhaus: Ka-Pi-Fu und andere verschämte Dinge. Privatdruck, Berlin-Friedenau 1921 (= Quellenforschungen zur Geschichte der Technik und Industrie G. m. b. H.).
  8. Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Walter de Gruyter, 2010, ISBN 978-3-11-092864-8, S. 467 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Rolf Klüsener: Oma und der Karnickelorden. neobooks, 2014, ISBN 978-3-7380-0633-9 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. Deutsch-Österreichisches Wörterbuch (Memento vom 7. November 2011 im Internet Archive)
  11. 1 2 3 W. E. Hansen: Gastrointestinale Symptome. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-69511-7, S. 110 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Christian Lübbert: Bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarms. In: H. Lehnert et al. (Hrsg.): Springer Reference Medizin. Springer, Berlin/Heidelberg.
  13. Sophie Faber: Das TRIAS-Handbuch – richtig selbst behandeln. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-8304-3253-1, S. 230 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  14. Santiago Botasini, David Zhan, Norman Fischer, Charlotte T. Ravel, Ashley Tien, Maggie R. Grant, Glory Minabou Ndjite, Ty Sopko, Holly Childs, Maryann Greenfield, Christina X. Qian, Kara E. Gardiner, Nayantara M. Anders, Tasnim F. Ullah, Leah T. Redmond, Delaina A. Callaway, Eliya M. Behailu, Grace M. Sarkar, Nakati C. Sany, Margaret Slavin, Brantley Hall: Smart underwear: A novel wearable for long-term monitoring of gut microbial gas production via flatus. In: Biosensors and Bioelectronics: X. Band 27, 1. Dezember 2025, ISSN 2590-1370, S. 100699, doi:10.1016/j.biosx.2025.100699.
  15. Flatus retention is the major factor in diverticular disease, abgerufen am 7. März 2023.
  16. 'Let your flatulence fly, scientists urge passengers', abgerufen am 7. März 2023, basierend auf Flatulence on airplanes: just let it go
  17. wikihow.com, abgerufen am 19. Februar 2023.
  18. soranews.com, abgerufen am 19. Februar 2023.