Burggrafschaft Worms

Die Burggrafschaft Worms war ein mittelalterlicher Herrschaftsbezirk des Hochstifts Worms, der die Stadt Worms und die unmittelbar bei der Stadt liegenden sogenannten Rheindörfer umfasste. Die Burggrafschaft war der Amtsbezirk des Burggrafen (comes civitatis, prefectus urbis), der als edelfreier Lehnsmann des Wormser Bischofs für die Befestigung und Verteidigung der Stadt zuständig war. Mit dem Amt des Burggrafen war der Burgbann verbunden, durch den die Einwohner der Stadt und des Umlands zur Errichtung und Instandhaltung der Befestigung, dem sogenannten Burgwerk, aufgeboten wurden. Zu den wichtigsten Kompetenzen des Burggrafen gehörte außerdem das Stangenrecht. Vermutlich bestand ein Zusammenhang zwischen der Burgwerk-Pflicht der Umlanddörfer und ihrer Befreiung vom städtischen Pfortenzoll. Ob auch die Allmend-Rechte der Rheindörfer an Bürgerweide und Bürgerfeld auf die Zugehörigkeit zum Burgbann zurückgehen, ist ungewiss. In Worms waren die Burggrafen seit der ersten Nennung im Jahr 1106 gleichzeitig die edelfreien Obervögte des Hochstifts. Die Verbindung der beiden Ämter endete zwischen 1166 und 1174 mit Übertragung der Obervogtei an den Pfalzgrafen Konrad. In der Stadt Worms mussten die Burggrafen ihre wichtigsten Rechte im 13. Jahrhundert aufgeben. In den Wormser Rheindörfern konnten die Grafen von Zweibrücken ihre ursprünglich aus dem Burggrafenamt stammenden Herrschaftsrechte bis ins 14. Jahrhundert bewahren.

  1. Heinrich Boos (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Worms. Band 1. Berlin 1886 (Urkunden Nr. 59, 68, 69, 70, 71 und 82).
  2. Siegfried Rietschel: Das Burggrafenamt und die hohe Gerichtsbarkeit in den deutschen Bischofsstädten während des früheren Mittelalters. Leipzig 1905, S. 122–134, 318–334 (hathitrust.org [abgerufen am 8. Februar 2016]).
  3. Franz Beyerle: Zur Wehrverfassung des Hochmittelalters. In: Festschrift Ernst Mayer (Würzburg) zum 70. Geburtstage. Weimar 1932, S. 31–91.
  4. Hermann Conrad: Deutsche Rechtsgeschichte. 2. Auflage. Band 1. Karlsruhe 1962, S. 265 f.
  5. Rietschel, Burggrafenamt, S. 130 f. u. S. 332.
  6. Thomas Zotz: Art. Burggraf. In: Albrecht Cordes u. a. (Hrsg.): Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. 2. Auflage. Band 1. Berlin 2008, Sp. 766–768.
  7. Gerold Bönnen: Stadttopographie, Umlandbeziehungen und Wehrverfassung: Anmerkungen zu mittelalterlichen Mauerbauordnungen. In: Michael Matheus (Hrsg.): Stadt und Wehrbau im Mittelrheingebiet. Stuttgart 2003, S. 21–45, darin S. 31–35, bes. S. 34.
  8. Stadtarchiv Worms 001B Nr. 1796: Salbuch der Kellereien Stein und Worms, 1490. Abgerufen am 8. Februar 2016. Darin fol. 60–61 Speyerer-, Andreas-, Martins- und Rheinpforte; Liste vom Pfortenzoll befreiter Orte (17 Dörfer im Umland).
  9. Heinrich Boos: Geschichte der rheinischen Städtekultur von ihren Anfängen bis zur Gegenwart mit bes. Berücks. der Stadt Worms. Band 1. Berlin 1897, S. 248.
  10. Heinrich Boos: Geschichte der rheinischen Städtekultur von ihren Anfängen bis zur Gegenwart mit bes. Berücks. der Stadt Worms. 2. Auflage. Band 3. Berlin 1899, S. 72–77.
  11. Bönnen, Stadttopographie, S. 31.