Das Gesicht der Völker
Das Gesicht der Völker ist eine in Eisenach, Kassel, Regensburg, Rottmersleben und Tüchersfeld im Erich Röth Verlag erschienene Buchreihe mit Volksdichtungstexten (Märchen, Legenden, Sagen usw.) aus allen fünf Erdteilen.
Ursprünglich wurde die Idee zu der Reihe aus dem Bestreben nach einer Völkerverständigung mit den ehemaligen Kriegsgegnern in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg geboren. Daher wurden die beiden Reiseberichte von Hans Bessenrodt „Im Auto nach Paris“ (1928 – über Frankreich) und „Land der ‚Unehrlichkeit‘“ (1931 – über England) so konzipiert, dass sie mit Vorurteilen aufräumen sollten. Weitere Bände über Schottland, Island, Norwegen, Österreich, Spanien und auch Deutschland („Land der Tragik“) waren geplant, konnten aber nach 1933 nicht verwirklicht werden.
Nach der Wiederzulassung des Verlags 1947 in Eisenach griff Erich Röth die Idee der Reihe zunächst im Taschenbuchformat (für Zugreisende in der Manteltasche schnell einzustecken) wieder auf und veröffentlichte in ihr volksnahe Erzählungen. Nach den Bänden 1–4 fallen noch die Bände 8, 12, 14, 15 und 25 in dieses Muster. Mit Band 8 beginnt dabei ein neuer Gedanke Fuß zu fassen: Ab hier enthalten die einzelnen Bände zunehmend den Charakter vom jeweiligen Herausgeber selbst gesammelter Volksdichtungstexte.
Ab Band 29 tritt dabei zunehmend eine wissenschaftliche Begleitung hervor. Diether Röth, der Sohn des Verlegers Erich Röth, kommentierte seither die Texte und bestimmte sie nach dem internationalen Typensystem. Seiner Hand entstammte ab Band 12 auch die Buchausstattung.
Erst seit 1970 wurden die Bände mit fortlaufenden Nummern versehen und dann eine rückwärtige Folge festgelegt. Die beiden ursprünglichen Bände von Bessenrodt wurden dabei nicht mehr berücksichtigt.
Neben dieser Kernreihe gab es – ohne fortlaufende Nummerierung – in größerem Format eine etwas breitere Konzeption, die weitere Formen von Volkskunst aufnehmen sollte. So trägt z. B. auch das 1956 erschienene Buch von Kurt Reinhard: Chinesische Musik das Imprint der Reihe. Es wurde aber verlagsintern später in eine andere Editionsreihe sortiert, die den Titel „Bücher der Brücke“ trug. Auch Kohl-Larsens Der große Zug nach Mitternacht trägt das Imprint der Reihe „Das Gesicht der Völker“, allerdings ebenfalls ohne interne Nummerierung und mit dem Zusatz: „Erlebnisbücher“. Hier wurde zum Teil das ursprüngliche Genre aufgegriffen, das den beiden Bessenrodt-Büchern am Anfang zugrunde lag. Zudem gab es anfangs Überschneidungen mit einer ebenfalls begonnenen Reihe namens „Erdkreis“. Der später eindeutige Charakter der Reihe „Das Gesicht der Völker“ als Sammlung von Märchen, Legenden, Sagen und Liedern hat sich also erst im Laufe der Zeit herausgeformt. Eine diesbezügliche Entwicklung machte Hans Himmelhebers Eskimokünstler durch. Ursprünglich 1938 bei Strecker & Schröder in Stuttgart erschienen, gab der Erich Röth Verlag die zweite Auflage 1953 in Eisenach doppelt heraus: Die erste, eher schlichter gestaltete Edition trug noch das Imprint „Das Gesicht der Völker“, die etwas später erschienene gebundene Ausgabe hingegen das Imprint „Bücher der Brücke“.
Alle derartige Editionen, die zumindest zeitweise der Reihe beigeordnet waren, wurden in der folgenden Übersicht ohne Nummer an das Ende gestellt.