Demokrat (19. Jahrhundert)

Als Demokraten oder zusammenfassend Demokratie wurde im 19. Jahrhundert die wesentliche Richtung auf der Linken des politischen Spektrums bezeichnet. Namensgebend war die Auseinandersetzung während der Revolution von 1848 über die anzustrebende Staatsform. Die Demokraten befürworteten hierbei eine republikanische Staatsform nach Vorbild der USA oder der Schweiz, ihre Gegner, die „Konstitutionellen“, eine konstitutionelle Monarchie orientiert am Vorbild Großbritannien.

Die politischen Positionen der Demokraten erschöpften sich allerdings nicht in dieser einen Position, die aus pragmatischen Gründen je nachdem auch eine eher untergeordnete Rolle spielen konnte. Typisch demokratische Forderungen waren darüber hinaus beispielsweise das Eintreten für umfassende persönliche Freiheit (Rede-, Presse-, Versammlungs-, Vereins-, Religionsfreiheit), Rechtsstaatlichkeit auf der Basis einer Verfassung oder die Ergänzung und sogar Ersetzung stehender Armeen durch Volksbewaffnung und ein Milizsystem.

Aus dem demokratischen Spektrum entwickelten sich die drei wesentlichen Richtungen der Linken im Kaiserreich, die sich hauptsächlich in ihren wirtschaftspolitischen Positionen unterschieden: die Deutsche Fortschrittspartei (später Deutsche Freisinnige Partei), die vor allem in Süddeutschland vertretene Deutsche Volkspartei sowie die Sozialdemokraten. Später bezogen sich in der Weimarer Republik die Deutsche Demokratische Partei und in der Bundesrepublik Deutschland die Demokratische Partei Deutschlands auf diese Tradition.